HERSBRUCK (jr) – Es war ein Abschied auf Raten, doch nun hat Dr. Hans-Heinrich Lauterbach endgültig das Skalpell aus der Hand gelegt. Der ehemalige Chefarzt des Hersbrucker Krankenhauses führte am Mittwoch seine letzte Operation durch. „Es gibt keine schönere Arbeit als den Dienst am Menschen“, sagte der „Ruheständler“ bei der Abschiedsfeier rückblickend.
An sich hat sich Hans-Heinrich „Heiner“ Lauterbach schon 2011 zurückgezogen. So ganz konnte er sich aber mit dem Rentnerdasein nicht anfreunden und blieb seinem Krankenhaus als Spezialist für das Karpaltunnelsyndrom erhalten. „Erhalten“ heißt in dem Fall, dass er jährlich noch rund 1000 sehr schonende und hervorragend organisierte Eingriffe vornahm. „Sie haben sich beim Karpaltunnelsyndrom einen Ruf erarbeitet, der weit über den Landkreis hinausgeht“, bescheinigte ihm Landrat Armin Kroder.
Kroder hat Lauterbach aber auch als Kommunalpolitiker kennen und achten gelernt. „Der Chefarzt war eine der maßgeblichen Personen bei der Neuordnung der Krankenhäuser im Nürnberger Land und bei der Vernunftehe mit dem Klinikum Nürnberg“, strich das Kreisoberhaupt heraus. In Hersbruck war der Mediziner eine maßgebliche Kraft bei der Neugestaltung des Krankenhaus-Eingangsbereichs.
Bürgermeister Robert Ilg hatte vor Jahrzehnten seine erste Begegnung mit Lauterbach: bei seiner Blinddarm-OP, die der Chefarzt vornahm. Im Kreistag zeichnete den Chefarzt seine Fähigkeit aus, die Dinge nicht nur aus einem Blickwinkel zu sehen. Laut Ilg strahlte der Mediziner auch auf politischer Ebene das aus, was seine Patienten und seine Mitarbeiter an ihm so schätzten: Ruhe.
Kliniken-Geschäftsführer Dr. Michael Hitzschke zeichnete wichtige Stationen in der beruflichen Laufbahn des jetzigen Ruheständlers nach: Der Bayreuther wirkte in Nürnberg, Ulm, Kulmbach und Amberg, bevor er im Oktober 1986 nach Hersbruck kam und den Chefarztposten von Dr. Gert Eisold übernahm.
Lauterbach bewarb sich damals im Krankenhaus als „Allround-Chirurg“. So beschrieb er sich selbst in seiner Bewerbung. Operateure mit solch breit gefächerten Kenntnissen gibt es heute in einer Zeit der Spezialisierung nicht mehr, sagte Hitzschke. Das lobte ebenso Dr. Otto Wolze. Der Internist hat mit seinem Kollegen aus der Chirurgie oftmals am Röntgengerät oder am Endoskop Fachfragen unbürokratisch klären können.
Belegarztsprecher Dr. Hans Kolb holte bei seiner Rede Helga Lauterbach hinzu. Denn die Familie war immer ein starker Rückhalt für Lauterbach gewesen. Die Karpaltunnelbehandlung in Hersbruck wird weitergehen. Dr. Johannes Seitz, bislang schon „Assistent“, übernimmt den „Staffelstab“. Die beiden originellsten Geschenke bekam Lauterbach von Dr. Alfred Schuller – ein besonderes und unschlagbares Schafkopfblatt als Glücksbringer – und ein Gedicht von seinen Mitarbeitern.
In seinem Rückblick zeigte sich der Chirurg erfreut über die Entwicklung des Hersbrucker Krankenhauses mit den internistischen, ambulanten und chirurgischen Angeboten: „Die OP-Säle werden intensiv genutzt, es ist Leben in der Bude!“
Trotz aller Technik stand für Hans-Heinrich Lauterbach immer der Kontakt zu den Menschen an erster Stelle. Dazu passt eine Anekdote: So benötigte er für eine Operation einen kürzeren Nagel. Der Hausmeister sägte das zu lange Teil ab, das nach der Sterilisation dann von dem Operateur eingesetzt wurde. Lauterbach dankte langjährigen Weggefährten wie den Oberärzten Dr. Edeltraud Kaiser und Dr. Alfred Iberer. Warum er bis zu seinem 70. Geburtstag tätig war? „Arbeit macht auch Spaß“, meinte der frühere Chefarzt und plädiert damit durchaus für eine (freiwillige) längere Zeit im Beruf – bei ihm waren es 45 Jahre.