Beispiel in BR-Beitrag über sektenähnliche Gruppe

PPG-Debatte Thema im TV

Ein Screenshot aus der BR-Sendung mit PPG-Direktor Klaus Neunhoeffer vor einem der Fotos, das die Diskussion auslöste.2016/12/kontrovers.jpg

HERSBRUCK – Im BR-Politikmagazin „kontrovers“ ging es am Mittwochabend um die sektenähnliche Gruppe OCG (Organische Christus Generation). Ein Thema war dabei das Hersbrucker Paul-Pfinzing-Gymnasium (hier geht es zum BR-Beitrag). Da war doch was vor gut zwei Jahren – am 14. Juni 2014 erschien in der HZ dazu dieser Artikel:

HERSBRUCK – Ein tätowierter Schuldirektor, zwei Lehrer kurz vor einem Kuss, eine Muslima als Pädagogin – es war klar, dass das jüngste Projekt-Seminar des Paul-Pfinzing-Gymnasiums „Gegen Rassismus und Ausgrenzung“ Diskussionen und Kritik hervorrufen würde. Die kam, neben viel Lob, dann auch. Auch in den Leserbriefen der Hersbrucker Zeitung. Eine Familie tat sich da besonders hervor. Sie hängt den Ideen des Schweizers Ivo Sasek an, dem Gründer der sektenähnlichen Gruppe OCG (Organische Christus Generation), einige der Kinder gehen aufs PPG.

Zwei Kinder dieser Familie kritisierten das Projekt auch im OCG-nahen Internet-TV-Kanal, hauptsächlich scheint ihnen das Foto mit den sich beinahe küssenden Männern aufgestoßen zu sein. Kritik erntete auch die HZ via Internet-TV für die Berichterstattung.

Zu einem Gespräch waren weder die Jugendlichen noch ihre Eltern bereit. Die beiden Jung-Moderatoren in einer Mail an die HZ: Sie hätten nur ihr Recht auf freie Meinungsäußerung genutzt. Mit ihrem Glauben habe ihre Kritik nichts zu tun, der sei Privatsache, „deshalb soll dies auch nicht zusammen in Verbindung gebracht werden“.

Das ist kaum möglich. Ivo Sasek, der von Wolfgang Hund, Sektenbeauftragter des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, als Fundamentalist bezeichnet wird, und der ein Vorbild der Familie zu sein scheint, produziert auch „Dokumentationen“ (im Internet einsehbar), in denen es zum Beispiel um die „Frühsexualisierung“ von Kindern geht. Am Pranger: Pädagogen und Wissenschaftler, die etwa kindliche Neugier, wie Doktorspiele im Kindergarten, später im Sexualkundeunterricht thematisieren. Auch in Saseks Kritik: neue Familienstrukturen mit homosexuellen Paaren.

Aus der Familie erreichten die HZ fünf Leserbriefe, von denen nur zwei veröffentlich wurden, weil alle die gleiche Meinung vertraten. Auch der des Vaters erschien nicht. Ein Auszug daraus: „Hier wird doch nicht ein Projekt gegen Rassismus, sondern eine gezielte Verführung unserer Kinder vorangetrieben. Und das ganze erscheint auch noch auf einer ganzen Seite in der HZ. Ich diskriminiere garantiert keine Schwulen und Lesben. Aber ich wehre mich dagegen, dass man das unseren Kindern als alternative/bunte Lebensform schmackhaft machen möchte. Hier ist das Ziel völlig verfehlt. Hier werden die Lehrer schuldig an unseren Kindern!“

Seitens der Familie wurde an PPG-Chef Klaus Neunhoeffer herangetragen, aufgrund des P-Seminars einen Vortrag in der Schule halten zu dürfen. Was der Direktor ablehnte. Mit den Eltern der Familie habe es Gespräche gegeben. „Wir haben darin Positionen ausgetauscht, ohne uns anzunähern, das ist nicht möglich“, so umschreibt er diplomatisch, was Sekten-Experte Hund klarer ausdrücken kann: „Es hat keinen Sinn, mit Fundamentalisten zu diskutieren, es ist unmöglich. Eine Diskussion setzt voraus, dass ich mit jemandem rede, der die Wahrheit sucht – und der nicht behauptet, sie zu besitzen.“

Mit dem offensiven Auftreten der Jugendlichen im Worldwideweb stellt sich die Frage, ob diese Kinder nicht vor sich selbst geschützt werden sollten. Personalleiter checken Bewerber mittlerweile ruckzuck durch das digitale Profil, das jeder im Netz hinterlässt. Einen Radiergummi gibt es hier noch nicht, auch nach Jahren wird noch nachzulesen und zu hören sein, dass die Jugendlichen Teil einer – so Hund – fundamentalistischen Gemeinschaft sind oder waren. Neunhoeffer dazu: „Wir wollen nicht in den Konflikt geraten, dass wir da in elterliche Zuständigkeiten eingreifen. Doch im Rahmen des Unterrichts gibt es immer Gespräche über Berufe und Gesellschaft“, so scheint er andeuten zu wollen, dass Glaube zwar Privatsache ist, der Direktor aber zu hoffen scheint, dass er den Kindern über diesen Weg etwas beibringen kann.

Jürgen Putzer ist Elternbeiratsvorsitzender am PPG. „Das Seminar war wichtig und gut gemacht“, sagt er, das zeige auch die Diskussion und wie sie geführt werde. Nicht nur die eine Familie hat Kritik angemeldet, „es gab auch Reaktionen auf den Ablauf des Seminars, den hätte man optimieren können. Wir legen Wert darauf, dass Toleranz für alle gilt – auch für die, die sich negativ äußern.“ Selbstverständlich sei bei der jüngsten Elternbeiratssitzung auch über die Reaktion der Familie gesprochen worden. Putzer: „Jedwede Diskussion darüber gibt einer kleinen Gruppe viel Raum, und das ist es nicht wert. Denn dadurch wird das Bild der Aktion verfälscht. Wir haben so viele positive Reaktionen in ganz normalen Diskussionen bekommen. Aber die treten dann in den Hintergrund.“

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