Übernimmt Neunkirchen Verantwortung?

Heimat- und Geschichtsverein möchte Trägerschaft des Hopfenmuseums abgeben

Weil die Kosten und der Aufwand für den Heimat- und Geschichtsverein nicht weniger werden, hoffen die Mitglieder, dass die Gemeinde die Trägerschaft für das Fränkische Hopfenmuseum in Speikern übernimmt. | Foto: Semlinger2017/09/Frankisches-Hopfenmuseum-Foto-sem.jpg

NEUNKIRCHEN — Wird die Gemeinde Neunkirchen Träger des Fränkischen Hopfenmuseums in Speikern? Was sich der Heimat- und Geschichtsverein wünscht, stößt im Gemeinderat auf Skepsis. Dennoch wurde die grundsätzliche Bereitschaft zur Trägerschaft beschlossen.

Krippenweg, Archäologischer Wanderweg, Fränkisches Hopfenmuseum, Hopfenfest, Neunkirchener Geschichtshefte, Osterbrunnen, dazu Wanderungen, Busausflüge, Vorträge. „Es gibt kaum einen Verein, der so viele Tätigkeitsfelder hat“, sagt Franz Semlinger im Gespräch mit der PZ. Das geht ins Geld, betont der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins. Allein für den kommenden Krippenweg seien bereits 7000 Euro ausgegeben worden. Stemmen kann der Verein seine Ausgaben nur dank generöser Privatleute und Firmen. 6000 bis 8000 Euro generiere der Verein jährlich an Spenden. Ohne ginge es nicht, betont Semlinger.

Schon länger wünscht sich der Verein, dass die Gemeinde deshalb die Trägerschaft für das Fränkische Hopfenmuseum in Speikern übernimmt. Jetzt beschäftigte sich der Gemeinderat mit dem Antrag. Und bereits die ersten Wortmeldungen in der Sitzung vergangene Woche zeigten: Die Skepsis der Räte ist groß, weil viele Fragen offen sind. Welche Rechte, welche Pflichten kämen auf die Gemeinde zu? Wäre etwa bei einer Trägerschaft die Gemeinde dazu verpflichtet, neue Räumlichkeiten zu stellen, wenn die Besitzerin der Scheune, in der das Hopfenmuseum untergebracht ist, diese nicht mehr zur Verfügung stellen will? Steht der Verein etwa vor der Pleite?

Keine akuten Geldsorgen

Noch sehe es finanziell gut aus, so Peter Wischniowski, Vorstandsmitglied im Verein und SPD-Gemeinderat. Doch sei zu befürchten, dass die Spendenbereitschaft in den kommenden Jahren zurückgehe. Der Verein müsse an die Zukunft denken. Ob die Gemeinde die Trägerschaft übernimmt oder nicht, sei „für die nächste Vorstandschaft entscheidend“.

Die SPD signalisierte Bereitschaft zur Unterstützung. Es sei der Fraktion ein Anliegen, dem Verein zumindest finanziell unter die Arme zu greifen, so Sabine Raschendorfer. Ob eine Trägerschaft der richtige Schritt sei, sei aber dahingestellt. Marius Elsner betonte die Bedeutung des Hopfenmuseums für die Gemeinde und schlug eine Art finanzielle Trägerschaft vor. „Damit signalisieren wir, dass uns der Verein wichtig ist“, so das SPD-Ratsmitglied. Gegenwind kam von der anderen Seite des Sitzungssaales: „Wir wissen als Gemeinde zu schätzen, welche Arbeit der Heimat- und Geschichtsverein leistet“, so Michaela Neumeier (CSU). Aber dafür werde er bereits finanziell unterstützt, betonten sie und Fraktionskollege Andreas Beck unisono. Die Pacht für das Hopfenmuseum, 3000 Euro im Jahr, zahlt nämlich bereits die Gemeinde. Über etwas mehr Geld ließe sich reden, eine Trägerschaft schloss Neumeier aus.

Verein als Halbtagsjob

Seit der Gründung im Jahr 1990 ist Franz Semlinger Vorsitzender des Neunkirchener Heimat- und Geschichtsvereins. Anfang dieses Jahres wollte der 70-Jährige zur Neuwahl gar nicht mehr antreten. Doch mangels anderer Kandidaten ließ er sich doch wieder aufstellen. Der Neunkirchener ist überzeugt: Das große Engagement, das nötig ist, und auch der finanzielle Druck schrecken mögliche jüngere Kandidaten ab. 20 bis 30 Stunden pro Woche arbeitet er für den Verein. Es ist ein Halbtagsjob für den pensionierten Lehrer. Bei der nächsten Wahl im Januar 2020 werde er definitiv nicht mehr kandidieren.

„Der Heimat- und Geschichtsverein hat durch das Hopfenmuseum und den Krippenweg eine sehr starke Außenwirkung, von der die Gemeinde profitiert“, sagte Baumann im Gespräch mit der PZ. Der Verein trüge zur Bekanntheit von Neunkirchen bei. Das gelte es zu unterstützen.

Keine Kostenübernahme

In zweierlei Hinsicht war die Gemeinderatssitzung ernüchternd für den Verein. Einer pauschalen Übernahme der Nebenkosten für das Hopfenmuseum in Höhe von 2000 Euro stimmten die Räte ebensowenig zu wie einer Übernahme des Pachtvertrags für das vereinseigene Depot am Röttenbachgrund.

Hoffnung wegen der Trägerschaft darf sich der Verein aber dennoch machen. Denn trotz der vielen kritischen Äußerungen in der Sitzung erklärte der Gemeinderat mit 15 zu zwei Stimmen überraschend deutlich „die Bereitschaft, dass Gespräche mit dem Heimat- und Geschichtsverein zur Übernahme der Trägerschaft des Fränkischen Hopfenmuseums in Speikern geführt werden“, so der Wortlaut des Beschlusses.

Somit wurde die Verwaltung beauftragt, den rechtlichen Rahmen für eine Trägerschaft zu prüfen. Ein Entschluss, der auch Bürgermeisterin Martina Baumann (SPD) überraschte. Die Räte hätten sich trotz des Ergebnisses „ein Hintertürchen offen gehalten“, analysiert sie die Wortmeldungen und die Abstimmung. „Eine endgültige Entscheidung wurde vertagt.“

Semlinger ist trotzdem von der Zurückhaltung einiger Gemeinderäte enttäuscht. „Wir machen Werbung für die Gemeinde, wir sind das Aushängeschild.“ Der Heimat- und Geschichtsverein werde zwar von den Räten geschätzt, aber finanziell zeige sich das zu wenig, zumal nahezu alle anderen Museen im Landkreis von Firmen oder Gemeinden getragen würden.

Den Spagat zwischen zeitlicher Belastung und hohen Kosten halte man auf Dauer nicht aus. Er warnt, die Gemeinde dürfe sich nicht wundern, wenn der Verein manche seiner Aufgabenfelder aufgibt.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer