Fernwärme aus Hackschnitzeln

Wegweisendes Konzept

Harald Kiesl, Robert Ilg, Michael Gammel, Armin Kroder und Harald Günzrodt besiegelten die Zusammenarbeit beim Fernwärmenetz. Foto: J. Ruppert2014/12/5_2_1_2_20141210_PPG.jpg

HERSBRUCK (jr/kp) – An sich wäre eine neue Heizanlage für das Paul-Pfinzing-Gymnasium nur eine Randnotiz wert. Doch Kreis, Stadt, der Versorger Hewa und das Unternehmen Naturenergie haben ein wegweisendes Konzept geschmiedet: Die Schule wird mit Fernwärme aus Hackschnitzeln versorgt. „Es ist ein Mosaikstein zur Energiewende“, hob Landrat Armin Kroder hervor.

Die Naturenergie ist eng mit der Fackelmann Therme verwoben. Das Kraftwerk mit innovativen Techniken am Ausgang Hersbrucks Richtung Hohenstadt beliefert das Bad von Beginn an mit Wärme. Es handelt sich um umweltfreundliche, nachwachsende Energie. Denn als Grundstoff dient Waldhackgut, besser bekannt unter der Bezeichnung Hackschnitzel. Die Verbrennung dieser Biomasse geschieht nahezu staubfrei.

Da die Naturenergie genügend Kapazitäten frei hat, bot Geschäftsführer Michael Gammel dem Landkreis als Träger des Hersbrucker Gymnasiums eine Alternative zur notwendigen Erneuerung der betagten Schulheizung an.

Im Bauausschuss des Kreistags stieß das quer durch alle Fraktionen auf viel Gegenliebe. „Eine tolle Sache, wenn kommunale Versorger mit kommunalen Abnehmern zusammenkommen. Wir begrüßen das außerordentlich“, sagte Laufs grüner Bürgermeister Benedikt Bisping stellvertretend für seine Kollegen. Der Landkreis spare bei der Lösung unter dem Strich sogar noch, erläuterte Kreiskämmerer Werner Rapp, weil Wartung und Reparatur der bisherigen Heizanlage wegfallen. Da der Vertrag zunächst auf drei Jahre (bis Ende März 2018) befristet ist, sei „eine Preiserhöhung nicht zu befürchten“.

Armin Kroder und Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg betonten ebenfalls die „Wettbewerbsfähigkeit“ der getroffenen Abmachungen. „Was die große Politik an Klimaschutzzielen verspricht, setzen wir vor Ort um“, brachte Robert Ilg den Beschluss auf einen kurzen Nenner.

Für den Transport der Wärme wurde ein Partner gefunden, der sonst eher ein Konkurrent der Naturenergie ist: die Hersbrucker Hewa. Der Versorger konzentriert sich in diesem Fall auf den Bau eines Netzes. Im Frühjahr nächsten Jahres wird sich deshalb die Amberger Straße halbseitig in eine Baustelle verwandeln, damit die etwa 500 Meter lange Leitung in rund 1,30 Meter Tiefe verlegt werden kann.

Die Anlieger haben durch die Streckenführung eine Chance zum Einstieg in das Projekt. Denn: „Die Hewa ist selbstverständlich an weiteren Anschlussnehmern entlang der Trasse interessiert und bietet befristet sogar einen Aktionspreis“, sagte Geschäftsführer Harald Kiesl.

Hewa-Energieberater Harald Günzrodt ist bereit, für die in Frage kommenden Haushalte einen Kostenvergleich zwischen Öl, Gas und Hackschnitzeln aufzustellen. Statt einer Heizung brauchen neue Kunden lediglich einen Wärmetauscher im Keller. „Die Umwelt profitiert bei einem Wechsel auf jeden Fall“, unterstrich Harald Kiesl den Sinn des Umrüstens.

Armin Kroder sieht auch einen anderen Vorteil. Die hiesigen Waldbauern profitieren von dem Vorhaben und werden durch das Geschäft mit Holz und Hackschnitzeln zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung ermuntert. Das Nürnberger Land gehört schließlich zu den baumreichsten Landkreisen in Bayern. Niemand muss somit Angst vor einem Kahlschlag der Forste haben.

Mit dem Anschluss des Gymnasiums muss die Fernwärmetrasse übrigens nicht zu Ende sein. Robert Ilg hofft, dass auch die Psorisol-Hautklinik zumindest ihren geplanten Neubau auf der Turnhalleninsel dranhängt. Danach wäre auch der Einstieg des Hersbrucker Schul- und Sportzentrums an der Happurger Straße kein Problem mehr. Armin Kroders lang gehegter Wunsch, diesen Komplex mit Hackschnitzeln zu beheizen, würde dann Wirklichkeit werden (siehe Kasten).

Für weitere Informationen zum Fernwärmenetz Amberger Straße steht Harald Günzrodt von der Hewa unter der Hersbrucker Telefonnummer 81.97.126 oder der e-mail-Adresse [email protected] zur Verfügung.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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