Laufer halten Mahnwache für die Opfer von Hanau

Gemeinschaft statt rechtem Hass

Die Veranstalter der Mahnwache bauten auf dem Laufer Marktplatz einen kleinen Altar auf und zündeten Kerzen für die Opfer an. | Foto: Andrea Beck2020/03/Mahnwache-Hanau-Lauf-scaled.jpg

LAUF – Ein Symbol der Gemeinschaft und eine Andacht für die Angehörigen. Am Samstagvormittag versammelten sich rund 200 Laufer Bürger auf dem Oberen Marktplatz und hielten eine Mahnwache für die Opfer des rechtsradikalen Anschlags in Hanau am 19. Februar. 

Die Veranstaltung war auch ein Aufruf, dem wachsenden Rechtsextremismus in Deutschland nicht still zuzusehen. Durch den günstig gewählten Zeitpunkt des Gedenkens um zwölf Uhr kamen vom Markt immer mehr Menschen dazu, als diese die Stimmen der Redner hörten. Unter den Zuschauern waren Vertreter aller Parteien des Laufer Stadtrats. 

Mit den Worten  „Alles was das Böse benötigt, um zu triumphieren, ist das Schweigen der Mehrheit“, zitierte Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping den ehemaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan und forderte die Zuhörer auf, Gesicht zu zeigen für die Demokratie. 

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Der Organisator der Mahnwache, Grünen-Stadtrat Ahmet Eryazici, erinnerte an die unantastbare Würde aller Menschen und ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit, die das deutsche Grundgesetz vorgibt. 

Özlem Ödemis, Dialogbeauftragte der Türkisch-Islamischen Mevlana Moschee in Lauf, stellte die Opfer von Hanau vor, für die in der Mitte der Menschenmenge ein Schrein aufgebaut worden war. Unter ihnen seien Väter gewesen, Männer, die seit 30 Jahren in Deutschland arbeiteten und eines der jungen Opfer stand kurz vor dem Beginn seines Studiums. „Wie soll man jetzt den Kindern der Opfer erklären, warum ihr Vater gestorben ist?“ fragte Ödemis. 

Sie schloss ihre Rede mit dem Satz „Wir gedenken heute aller Menschen verschiedener Religionen, Minderheiten und Herkünfte, die Opfer des Rechtsextremismus wurden“ und rief anschließend zu einer Schweigeminute auf. 

Zeitzeugen warnen vor Radikalismus

Zwei bekannte Laufer Zeitzeugen, Heinz Lausch und Fritz Pilz, beide 91 Jahre alt, traten ebenfalls ans Mikrofon und berichteten von ihren Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus. Erzählungen wie die von Fritz Pilz, Gründer der Laufer Wasserwacht, dessen Mutter 1944 im Konzentrationslager Ausschwitz getötet wurde, berührten die Zuhörer sichtlich. 

Pilz und Lausch, längjähriger Vorsitzender des Laufer VdK, halten seit Jahren Vorträge über ihre Kindheit im Krieg, unter anderem an Schulen, um auf die Gefahr des Rechtsextremismus aufmerksam zu machen. „Ich verachte dieses rum hacken auf anderen Leuten. Es ist wichtig, dass man sich gegenseitig achtet, hilft und liebt“, sagte Pilz

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren