Vorstand des Themenkunstvereins ruft l nach gemeindlicher Unterstützung

Kultur braucht Raum

Ernst Klier (links) und Hans-Joachim Strauß vor dem Café Bernstein, das derzeit den Themenkunstverein beherbergt. Nun aber ist gemeindliche Unterstützung angesagt, finden die beiden, und hoffen auf Hilfe aus dem Rathaus. Foto: Gisa Spandler2019/01/Feucht-strauss-klier-themenkunst-appell.jpg

FEUCHT – Der Themenkunstverein Feucht platzt aus allen Nähten, die Anzahl der Veranstaltungen ist kaum noch zu stemmen für eine private Initiative, nun ist die Marktgemeinde am Zug. Mit einem Brief an die Räte und den Bürgermeister bitten die Verantwortlichen um Hilfe und hoffen, dass im Zuge des städtebaulichen Gesamtkonzepts, das aktuell von Fachleuten für den Ortskern ausgearbeitet wird, auch für die Kulturschaffenden eine akzeptable Lösung in räumlicher und konzeptioneller Hinsicht gefunden wird.

Seit 2001 kümmert sich eine private Initiative von Kunst-Liebhabern, Künstlern, Kunst-Förderern und Kunst-Netzwerkern mit großem persönlichen Einsatz um die Kultur in der Zeidler-Gemeinde. An erster Stelle der Engagierten steht dabei Hans-Joachim Strauß, der nicht weniger als persönliches Wohneigentum für Ausstellungen und Veranstaltungen kostenlos zur Verfügung stellt, ganz zu schweigen von seiner Zeit und auch dem finanziellen Aufwand, die in die vielen Kunst-Ereignisse fließen. Doch dieser Rundum-Einsatz gilt nicht allein für den Urvater des Themenkunstvereins, der sich mit zahlreichen Projekten und Kooperationspartnern etabliert hat, sondern auch für die anderen Mitglieder der Organisation, die im Vorstand, beim monatlichen Künstlertreff oder bei der Organisation der vielen Events unermüdlich und unentgeltlich zu Werke gehen. Nun allerdings ist eine Grenze erreicht, finden die Verantwortlichen, die Immobilie in der Fischbacher Straße 10 ist ebenso überlastet wie die Mitarbeiter, jetzt ist die Marktgemeinde gefordert. Mit einem Schreiben, das auch auf der Homepage des Vereins nachzulesen ist, verlangen sie amtliche Unterstützung.
Man müsse sich nun melden, findet der erste Vorsitzende des Vereins und SPD-Markgemeinderat Ernst Klier. Denn der Moment scheint günstig, hatte man sich doch im vorvergangenen Jahr für die Erstellung einer städtebaulichen Machbarkeitsstudie für den Ortskern, den man beleben möchte, entschieden. Verschiedene Projekte im innerörtlichen Bereich, die seit Jahren den Marktgemeinderäten und der Verwaltung die Sorgenfalten auf die Stirn treiben, sollen aus fachlicher Sicht beurteilt und nach eventuellen baulichen Maßnahmen einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden – im Rahmen eines Gesamtkonzepts.
Auf diesen Zug müsse man aufspringen, finden die Themenkunstvereinsmitglieder, denn es gibt Gebäude, die sich ihrer Meinung nach für eine Nutzung besser eignen als der nun zu klein gewordene Ausstellungs- und Veranstaltungsraum über dem Café Bernstein. „Wir wollen partizipieren am Ortsplanungsprozess“, formuliert es Hans-Joachim Strauß, „denn unsere privaten Möglichkeiten sind mittlerweile erschöpft“. Aus Gesprächen wisse man, dass nicht nur der gesamte Verein hinter diesem Ansinnen steht, sondern auch das ganze Netzwerk derer, die in Kooperation mit dem Kunstverein die Veranstaltungen auf die Beine stellen, zum Beispiel die VHS, verschiedene Kulturprojekte aus der Marktgemeinde, die Buchhandlung Kuhn und weitere Kunstbeflissene.
Man habe sich im Bereich Kleinkunst in jedem Genre ein gewisses Renommee erworben, sei zu einem Aushängeschild für die Marktgemeinde geworden, „und das soll so weitergehen“, versichern Klier und Strauß, doch „so ein Verein funktioniert nur, wenn die entsprechenden Räumlichkeiten vorhanden sind“. Und dabei geht es ihnen um eine „nachhaltige“ Örtlichkeit, keine Zwischennutzung, die nach ein paar Jahren wieder aufgegeben werden muss. Daneben sei man aber auch in finanzieller Hinsicht auf die Gemeinde angewiesen, die ja auch in nicht geringem Maß vom Engagement des Themenkunstvereins profitiert habe.

Reichswaldhalle ausgeguckt

Dass Strauß, Klier und ihre Verbündeten sich hier schon ein Wunsch-Objekt ausgeguckt haben, wollen sie nicht verhehlen: Der erste Stock der Reichswaldhalle, die mit ein paar anderen Gebäuden im Mittelpunkt des neuen Ortsentwicklungskonzepts steht, wäre ihrer Ansicht nach ideal für die Fortführung der Themenkunst-Aktivitäten. Denn: Auch mit Kultur-Veranstaltungen kann man einen Ort zu neuem Leben erwecken, glauben die beiden Vorsitzenden der Initiative. In diesem Punkt sind sie mit Bürgermeister Konrad Rupprecht einig, auch wenn sich der die Belebung der Ortsmitte, die nach dem Auszug der Norma-Filiale von allen angestrebt wird – etwas anders vorgestellt hatte. Doch sein Favorit, eine „offene Bücherei“ mit Lesecafé und Veranstaltungsräumen auf dem Sailer-Areal wurde mit knapper Mehrheit im Juli 2017 im Hauptausschuss zunächst abgelehnt.
Zu den schon relativ konkreten Vorstellungen des Themenkunstvereins äußert er sich zum jetzigen Zeitpunkt freilich noch nicht. „Deren Wünsche werden in die Überlegungen und Besprechungen mit eingehen“, sichert er aber zu und weist ausdrücklich darauf hin, dass dies auch ohne den Brandbrief geschehen wäre. Selbstverständlich wird im Rahmen der Studie, die von den Planungsbüros Vogelsang sowie Standort und Kommune erstellt wird, auch das weitere Vorgehen in Sachen Reichswaldhalle ein Thema sein. „Man sollte alles besprechen“, betont Rupprecht mit einem gewissen Unverständnis für Gemeinderatsmitglieder, die gewisse Nutzungen von vornherein ausschließen wollten.
Das Konzept der Experten soll gegen Ende des Jahres vorgestellt werden. Mit ihm kann der Rat dann weiterplanen und die Ergebnisse auch bei der Verabschiedung des dann anstehenden Haushalts berücksichtigen. Zunächst werde es aber verwaltungsinterne Besprechungen geben, an denen vor allem das Bauamt beteiligt werde, aber natürlich solle auch der Bürger ausführlich zu Wort kommen.
Sich zu Wort melden wird sich auch der Kulturverein noch einmal, und zwar am kommenden Dienstag, 29. Januar, um 19 Uhr bei der Bürgerversammlung in der Reichswaldhalle. Dort will man einmal mehr dem Appell Nachdruck verleihen, der den Brief an Gemeindechef und Bürgervertreter beschließt: „Gebt den vielen kulturellen Aktivitäten – im wahrsten Sinn des Wortes – ausreichenden Raum. Wir machen bei der Ortsplanung gerne mit, im Sinne einer Kultur- und Kunstförderung. Lassen Sie uns gemeinsam etwas auf die Beine stellen, das Feucht als Ort der Kultur auszeichnet.“

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