Ausstellung mit Unterton

Themenkunstverein ruft sich ins Gedächtnis

Die musikalische Eröffnung der Ausstellung am vergangenen Freitag verbucht der Themenkunstverein als vollen Erfolg. | Foto: Johannes Gurguta2021/06/Feucht-Themenkunstverein-Eroeffnung-Kuhn-Fairer-Jakob-online-scaled.jpg

FEUCHT – Der Feuchter Themenkunstverein eröffnet eine Gemeinschaftsausstellung mit dem Titel „Literatur – für unsere Botschaften brauchen wir Raum!“ Ein nicht ganz subtiler Hinweis auf die drohende Raumnot, die dem Verein bevorsteht.

Während die Inzidenzen im Nürnberger Land weiter sinken, steigen langsam die Temperaturen. Diesen Zeitpunkt haben die Macher und Kulturförderer vom Themenkunstverein genutzt, um ihr Können und ihre Anliegen nach außen zu tragen. Am vergangenen Freitag eröffnete der Verein eine Ausstellung zum Thema Literatur. Der Untertitel bezieht sich auf das räumliche Problem der Künstler aus der Region.

„Wir suchen Raum und Wände für Kultur jeder Ebene“, betont Vereinsgründer und Mitinitiator Hans-Joachim Strauß. Seine Galerie im Café Bernstein in Feucht dient als Anlaufpunkt für Künstler der Region. Jedoch nicht mehr lange, weil er die Räume spätestens Ende 2022 wieder privat nutzen will (wir berichteten). „Deshalb brauchen wir jetzt die Gemeinde, um uns einen Raum zu schaffen.“

„Haben das Gefühl, die Kultur geht ein“

Er fühle sich zur Zeit wie ein Museumsdirektor in seinen eigenen vier Wänden. Und ganz allgemein sehe es für die Kultur seit einiger Zeit nicht rosig aus. „Wir haben das Gefühl, dass die Kultur eingeht“, erklärt Strauß am Freitag bei seiner Willkommensrede hinter seinem Keyboard. Eine Ausstellung in Zeiten der Pandemie zu eröffnen, sei keine leichte Aufgabe, aber ein wichtiges Anliegen für die lokalen Kunstschaffenden. Aus diesem Grund findet die musikalische Eröffnung unter freiem Himmel statt. Mindestabstand und Masken sind freilich Pflicht. Nichtsdestotrotz versteht Strauß dieses Treffen als ersten wichtigen Schritt hin zur Normalität. „Die Resonanz war hervorragend und wir waren am Ende alle happy“, sagt er im Nachgang der Veranstaltung.

Die meisten Bilder wurden von Vereinsmitgliedern gemalt und hängen in der Buchhandlung Kuhn und im benachbarten Fairen Jakob aus. Sie stellen zahlreiche Themen rund um den Begriff Literatur dar. Von wichtigen Zitaten bis hin zu Portraits von Persönlichkeiten wie des verstorbenen Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki. Dieses Gemälde von Eva Eiber beispielsweise ist ein persönlicher Favorit von Karl Kuhn, der sich sehr für das Literarische Quartett begeistert.

„Es geht langsam wieder aufwärts“

Die missliche Lage, in der sich die Kunstbegeisterten zur Zeit befinden, bestätigt Kuhn, der seinen Buchladen für die Ausstellung bereitstellt: „So geht es nicht weiter, denn es muss kulturell weitergehen!“ Es sei frustrierend zu sehen, wie sehr die Kultur unter der Pandemie leidet und wie wenig Einfluss man darauf habe. Dieses Event gebe den vermeintlich Vergessenen aber gleichzeitig viel Hoffnung. „Es geht langsam wieder aufwärts, wir wünschen uns alle ein normales Leben“, sagt Kuhn. Er blickt auf 20 Jahre gemeinsame Zusammenarbeit und etwa 50 Veranstaltungen mit Strauß zurück. „Ich freue mich auf weitere 20 Jahre“, erklärt er voller Freude.


Karl Kuhn erinnert sich bei diesen Gemälden nur allzu gern an das Literarische Quartett. Foto: Johannes Gurguta2021/06/Feucht-Themenkunstverein-Kuhn-Zuschnitt.jpg

Ohrenschmaus statt Häppchen

Man kann die zeitweise 60 Besucher unter ihren Masken lachen hören. Die Stimmung ist locker, man freut sich, wieder zusammen Musik zu hören, zu schunkeln und einfach den Tag zu genießen. Auch wenn wegen der Pandemie keine Verpflegung der Gäste möglich ist, tritt für einige Momente der Alltag in den Hintergrund. „Heute gibt es statt Häppchen einen Ohrenschmaus“, sagt Kuhn. Zwischen den kurzen, aber herzlichen Grußworten der Beteiligten spielt die Band immer ein Lied. An diesem Tag dominieren Coverversionen von Bob Dylan. Eine gezielte Hommage an den Literaturpreisträger, der vor einigen Tagen seinen 80. Geburtstag gefeiert hat.

Kunst und Nachhaltigkeit

Als dritter Redner tritt Helmut Schleif vom Weltladen Fairer Jakob auf. „Zu einem guten Buch gehört ein fairer Wein, Kaffee, Tee oder eine Tafel Schokolade einfach dazu“, erzählt er. Er freut sich über die Verbindung des Weltladens mit dem Themenkunstverein, der Buchhandlung Kuhn und der Bernstein Band, in der er früher auch schon gespielt hat. „Kunst ist immer mit fairem Handel verbunden, deshalb haben wir Bilder ausgesucht, die mit unserer Ladendeko übereinstimmen“, erklärt er. Fünf Wochen lang seien die Bilder im Fairen Jakob im Schaufenster zu begutachten, die Buchhandlung Kuhn stellt für einen Monat aus.

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