Drei Anrufe an einem Tag

Falsche Polizisten ergaunern 600 000 Euro von Seniorin

Über einen fiesen Trick haben die Verbrecher 600 000 Euro von der Seniorin gestohlen. (Symbolbild) | Foto: Daisy Daisy/ Adobe Stock2019/08/NL-Enkeltrick.jpeg

NEUMARKT/ WÜRZBURG/ NEUMARKT – Durch eine perfide Betrugsmasche haben falsche Polizeibeamte von einer Seniorin aus Stein bei Nürnberg insgesamt 600 000 Euro Bargeld ergaunert. Die Betrüger schickten die Frau dafür drei Mal am selben Tag zU verschiedenen Orten in Nürnberg, Würzburg und der Oberpfalz.

Wie das Polizeipräsidium Mittelfranken meldet, hat sich die Tat bereits am Mittwoch, 16. Februar, ereignet. Der Betrug begann mit einem Anruf, den die Seniorin an diesem Tag gegen 14 Uhr erhielt. Ein vermeintlicher Polizeibeamter meldete sich mit dem Namen Weber und teilte der Dame mit, dass ihr Sohn einen Verkehrsunfall verursacht hatte. Dabei sei ein 17-jähriges Mädchen getötet worden. Aus diesem Grund müsse die Dame eine Kaution von 65 000 Euro bezahlen, so der Betrüger.

Die Seniorin glaubte dem Anrufer und stand zusätzlich noch wegen der Nachricht unter Schock. Sie fuhr mit ihrem Auto und dem geforderten Geldbetrag nach Neumarkt in der Oberpfalz. Dort sollte die Übergabe stattfinden.

Im Vorfeld hatten die Betrüger der Dame eine Adresse genannt, an der sich das Gericht in Neumarkt befinden solle. In Neumarkt angekommen – die Täter waren nach wie vor über Telefon mit ihr verbunden – konnte sie das Gericht nicht finden und fragte nach, was sie nun tun solle. Man sagte ihr, „dies sei kein Problem, ein Gerichtsdiener käme sofort heraus“. Wie die Polizei weiter meldet, tauchte kurze Zeit später der vermeintliche Gerichtsdiener tatsächlich am Auto der Geschädigten auf. Die Seniorin übergab das Geld.

Weiterer Anruf am Abend

Als die Frau wieder zu Hause angekommen war, erhielt sie erneut einen Anruf des „Herrn Weber“. Dieser teilte ihr mit, dass neben der übergebenen Kaution auch noch Wiedergutmachungsgeld für die Familie des getöteten Mädchens zu zahlen sei. Dieses Mal forderten die Betrüger einen Geldbetrag von 285 000 Euro. Die Frau nahm auch diese Forderung als gegeben hin und machte sich zunächst auf den Weg nach Nürnberg, wo die zweite Übergabe stattfinden sollte. Auf dem Weg dorthin wurde sie jedoch durch die vermeintliche Polizei noch einmal angerufen und nach Würzburg beordert. Dort übergab sie dann gegen 20.30 Uhr das geforderte Wiedergutmachungsgeld.

Anruf der „Generalstaatsanwaltschaft“

Wieder zu Hause, wurde sie nochmals von „Herrn Weber“ kontaktiert. Dieser übergab das Telefongespräch an einen vermeintlichen „Herrn Ludwig“ von der Generalstaatsanwaltschaft. Auch hier handelte es sich wiederum um einen Betrüger und Komplizen des „Herrn Weber“. Der vermeintliche Staatsanwalt erklärte der Seniorin, dass der übergebene Geldbetrag viel zu gering sei. Für eine minderjährige Frau müsse mehr Geld bezahlt werden, dies sei von der Polizei falsch kommuniziert worden. „Herr Ludwig“ forderte weitere 450 000 Euro.

Neuer Übergabeort

Doch die geforderten 450 000 Euro hatte die Seniorin nicht. Sie gab an, lediglich über weitere 250 000 Euro zu verfügen. Mit diesem Betrag erklärte sich der Betrüger am anderen Ende der Telefonleitung einverstanden und vereinbarte mit ihr noch einen weiteren Übergabeort. Dieses Mal sollte die Frau von Stein in den Nürnberger Norden fahren. „Hier wurde die Dame auf dem Weg noch einmal umgelotst, sodass die dritte Übergabe dann gegen 0.20 Uhr im Bereich Nürnberg Langwasser stattfand“, so die Polizei Mittelfranken.

Misstrauen kam am nächsten Morgen

In einem letzten Telefonat nach der Übergabe teilten ihr die Täter mit, sie werde am nächsten Morgen vom Gericht angerufen um das weitere Vorgehen zu besprechen. Da dieser Anruf auf sich warten ließ, nahm die Geschädigte Kontakt zu ihrem Sohn auf, der ihr mitteilte, dass es ihm gut gehe und er nie einen Unfall gehabt habe.

Insgesamt wurde die Seniorin am besagten Mittwoch mehrere Male von unterschiedlichen Personen angerufen und bis tief in die Nacht an drei verschiedene Orte von Neumarkt, über Würzburg wieder zurück nach Nürnberg geschickt. „Die Dame wurde durch äußerst geschickte und seriös erscheinende Gesprächsführung dazu bewegt, in drei verschiedenen Städten insgesamt 600 000 Euro an vollkommen unbekannte Personen zu übergeben“, fasst die Polizei zusammen.

Kein Anlass zum Zweifeln

In einem ersten Gespräch mit einem Beamten der ermittelnden „echten“ Kriminalpolizei erklärte die Geschädigte, sie sei nach der Mitteilung über den Unfall ihres Sohnes in einer Art Schockzustand gewesen. Die Täter hätten ihr keinen Anlass zum Zweifeln gegeben, da sie äußerst seriös auf sie wirkten, in akzentfreiem Deutsch mit ihr sprachen und für sie zu keiner Zeit irgendwelche Widersprüche erkennbar waren.

Die Täter hätten sie fast durchgehend in der Telefonleitung gehalten und ihr eingebläut, sie dürfe niemanden etwas erzählen, da dies gegen datenschutzrechtliche Regelungen verstoßen würde. Getrieben von der Angst um ihren Sohn, tat die Geschädigte alles, was ihr aufgetragen wurde.

Bankmitarbeiter, die eventuell auf Grund der hohen Abhebesummen hellhörig hätten werden können, waren nicht involviert.

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