Drohbrief-Serie in Mittelfranken

Entsetzen über Drohbrief an Laufer Moschee

Imam Saruhan Senol beim Gebetsruf in der Laufer Moschee (Symbolbild). | Foto: Andrea Beck2020/11/Imam-Moschee-Lauf-Saruhan-Senol-Ramadan-28-April-2020-Foto-Beck-scaled.jpg

LAUF/NÜRNBERG – Ein halbes Jahr, nachdem die Türkisch-Islamische Gemeinde in Röthenbach zum Ziel einer Drohbrief-Schreiberin aus Diepersdorf wurde trifft eine neue Serie von solchen Schreiben drei Moscheen in Mittelfranken. Diesmal zählt unter anderem die Türkisch-Islamische Gemeinde in Lauf zu den Adressaten. Bei ihr lag der Brief bereits am 1. November im Briefkasten.

Weitere Schreiben, die in Sprache und Bebilderung dem Laufer Drohbrief ähneln, gingen an die Moschee in Dietenhofen bei Ansbach und an die Islamische Gemeinde in Nürnberg. Laut Berichten aus Baden-Württemberg hat die Gemeinde in Hüfingen ebenfalls einen Drohbrief erhalten, in dem dieselben Bilder verwendet werden. Die Polizei hält es für wahrscheinlich, dass alle Briefe den selben Absender haben. 

Inhalt der Briefe sind Beleidigungen des Islams als „dumm“, „grossmäulig“ und als eine aus Lügen konstruierte Religion. Außerdem finden sich auf den Briefen Bilder von Schweinen und Karikaturen des Propheten Mohammed, zum Beispiel mit einer Bombe auf dem Kopf.

Die Kriminalpolizei ermittelt

Die Gemeinden erstatteten Anzeigen. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen und sichert aktuell Spuren, die eventuell zum Absender führen. Möglicherweise seien weitere Gemeinden betroffen.

Laut dem Polizeipräsidium Mittelfranken sollen die betroffenen Gemeinden verstärkt bewacht werden, unter anderem durch weitere Polizeistreifen. Arif Taşdelen, SPD-Abgeordneter im Landtag aus Nürnberg, forderte Innenminister Joachim Herrmann in einem Brief dazu auf, die Moscheen in Bayern insgesamt stärker zu schützen, vor allem an Feiertagen und zum Freitagsgebet.

Ich glaube nicht, dass es sich beim Absender um eine einzelne wütende Person handelt, dafür ist die Serie zu systematisch aufgebaut. Ich glaube, es handelt sich um eine Gruppierung und es besteht die Gefahr, dass Taten folgen“, sagte Taşdelen der PZ.


Laufer Ditib fühlt sich nicht direkt bedroht

Özlem Ödemiş, Mitglied des Ditib-Vorstands in Lauf, hält den Brief nicht für eine direkte Bedrohung der Gemeinde, sondern für eine Beleidigung ihrer Mitglieder. „Der Absender wendet sich nicht an eine bestimmte Moschee oder die Ditib, sondern schreibt sehr allgemein. Er will uns provozieren“, sagt Ödemiş. 

Vertreter der Türkischen Gemeinde in der Metropolregion und des Nürnberger Konsulats besuchten die Laufer Moschee, um ihre Unterstützung zuzusichern. 

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