Gemeinderat diskutiert erneut über Investitionsprogramm

Engelthal: Pläne zur Dorferneuerung vorgestellt

An der Sanierung des Brunnäckers scheiden sich im Gemeinderat Engelthal die Geister. Foto: D. Heinz2016/01/GR-Engelthal_1.jpg

ENGELTHAL – Die Dorferneuerung ist weiterhin Tagesgespräch im Gemeinderat. Seit 2009 laufen die Planungen für das Programm – ohne dass im Kernort bisher etwas passiert ist. 2016 sollen nun endlich die ersten Maßnahmen in Angriff genommen werden. Zwar legte der Rat vergangenen November das Jahresinvestitionsprogramm 2016 fest, doch auch Monate später wird noch heftig diskutiert, ob die Projekte im Brunnäcker, dem Glasergässchen und dem Fußweg am Bioladen wirklich durchgeführt werden sollen.

„Es kann nicht sein, dass jetzt wieder diskutiert wird, was gemacht wird und was nicht.“ Bürgermeister Günter Rögner zeigte wenig Verständnis für Stimmen aus dem Gemeinderat, die in der zweiten Sitzung 2016 erneut die Frage aufwarfen, welche Projekte zur Dorferneuerung Priorität haben und welche nicht. Bereits im November 2015 stimmte das Gremium über das Jahresinvestitionsprogramm ab. Dadurch legte der Rat fest, dass in diesem Jahr das Glasergässchen, der Bereich um das Feuerwehrhaus, der Fußweg beim Bioladen sowie der Brunnäcker saniert werden sollen.

Zahlreiche Bürger folgten den Erklärungen der Ingenieure Harald Meyer und Anja Schön, die die Entwürfe für diese Projekte vorstellten. Meyer sieht vor allem zwischen Glasergässchen und Feuerwehrhaus Handlungsbedarf: „Die Brücke beim Feuerwehrhaus ist nicht mehr tragfähig und muss dringend saniert werden.“ Ein Neubau sei unausweichlich. Wegen der sehr engen Bebauung schlägt der Ingenieur Betonplomben an den vier Auflagepunkten vor. Eine Bauweise aus Stahlbeton soll eine hohe Tragfestigkeit garantieren. „Auch die Böschungsmauern müssen korrigiert werden. Für konkrete Entwürfe fehlt aber noch ein entsprechendes Baugutachten.“

Für den Bereich um das Feuerwehrhaus schlug Meyer mehrere Varianten vor. Der Gemeinderat entschied sich schließlich dafür, den Bereich vor dem Gebäude neu zu asphaltieren und jeweils davor und dahinter drei Parkplätze zu schaffen. Neben einer neu angelegten Grünfläche soll hinter dem Feuerwehrhaus geschottert werden, wobei die jetzt dort stehenden Container versetzt werden. Auch das Geländer entlang der Kruppach muss erneuert werden. Diese Maßnahmen um das Feuerwehrhaus und die Brücke sind mit etwa 150 000 Euro veranschlagt.

Für den vorderen Bereich des Glasergässchens zwischen Brücke und Kruppacher Straße stimmten die Räte für einen Belag aus Betonpflaster. War zuerst eine mittige Entwässerungsrinne – ein umgedrehtes „Dach“ – vorgesehen, bekam dann doch die leichte Querneigung mit einseitiger Entwässerung und mehreren Sinkkästen den Zuschlag. Auf einer Länge von etwa 140 Metern wird hier zudem die Fahrbahn auf drei Meter verbreitert, ab dem Feuerwehrhaus sogar auf viereinhalb Meter. Diese Maßnahme kostet etwa 146 000 Euro.

Einig waren sich die Gemeinderäte auch darin, den Fußweg entlang der Westseite des Bioladens zu pflastern. Zwar kostet dies etwa 6000 Euro mehr als die für eine geschotterte Oberfläche veranschlagten 14 000 Euro, aber hinsichtlich der starken Nutzung ist für das Gremium dieser Betrag akzeptabel. „Direkt daneben ist der Parkplatz des Gasthofs Weißes Lamm“, so Rögner. „Bei Veranstaltungen oder Feiern dort gehen sehr viele Leute diesem Weg entlang.“ Geklärt werden muss jedoch, ob die geplante Treppe zum Parkplatz – also Privatbesitz – so gebaut werden darf.

Größter Streitpunkt war der geplante Vollausbau des Brunnäckers. Während der Ingenieur im westlichen Zufahrtsbereich eine Grünfläche vorschlug, ist für die gegenüberliegende Seite ein gepflasterter überfahrbarer Gehweg als Mehrzweckstreifen geplant. Die asphaltierte Fahrbahnoberfläche soll an den Rändern von Granitpflaster eingefasst und vom Mehrzweckstreifen auch optisch getrennt werden. Veranschlagt dafür sind etwa 174 000 Euro.

Für alle diese Maßnahmen gab es vergangenes Jahr Baugrunduntersuchungen, so Anja Schön. Die Ergebnisse würden in wenigen Wochen vorliegen. Geprüft wurden neben der Tragfähigkeit des Bodens auch eine eventuelle Verunreinigung sowie die Trinkwasserversorgung, Kanalisation oder die Möglichkeit eines gleichzeitigen Breitbandausbaus. Zudem sei der Altortbereich Bodendenkmal. Deshalb wird jede Baumaßnahme archäologisch begleitet.

Gemeinderat und Teilhabergemeinschaft müssen bis zu den Anliegerversammlungen Mitte Februar fertig sein, um einen Baustart Mitte August zu schaffen. Zuvor muss in der nächsten Gemeinderatssitzung der Kostenanteil festgelegt werden, der auf die Anwohner umgelegt wird. Die Projekte einschließlich Baugrund sind insgesamt mit etwa 499 000 Euro veranschlagt. „Da kommen noch Gutachten und andere Behördenkosten dazu“, erklärt Wolfgang Neukirchner vom Amt für ländliche Entwicklung. 62 Prozent der Kosten übernimmt 2016 der Landkreis, 38 Prozent trägt die Gemeinde. Diese Prozentsätze sind jedoch von der Steuerkraft der Gemeinde abhängig und können von Jahr zu Jahr variieren.

Bürgermeister Rögner mahnt deshalb zur Eile: „Es werden Kosten auf die Anwohner zukommen. Aber es wird nicht billiger, wenn wir es hinausschieben. Im Gegenteil.“ Das Amt für ländliche Entwicklung fördert Vorhaben zur Dorferneuerung bis spätestens sechs Jahre nachdem sie eingeleitet wurden. Rögner ist realistisch. „Wir müssen auch beachten, was in diesem Jahr realisiert werden kann“, sagt er. „Und wir müssen ehrlich sein: Wenn etwa der Brunnäcker herausfliegt, wird er nicht mehr gemacht.“ Auch Wolfgang Neukirchner findet deutliche Worte: „Der Zeitplan ist eng, wenn dieses Jahr noch gebaut werden soll.“

N-Land Dominik Heinz
Dominik Heinz