„Wir machen auf…merksam“ Kampagne startet

Einzelhandel fordert mehr Unterstützung

Öffnen will Katharina Heinl ihr Geschäft „Anna und Maximilian“ erst wieder, wenn es auch erlaubt ist. Allerdings will sie mit dem Plakat auf die schwierige Situation des Einzelhandels hinweisen. | Foto: Kirchmayer2021/01/Anna-Maximilian-Katharina-Heinl-wir-machen-auf-kir-bea.jpg

LAUF – Der Einzelhandel gehört zu den großen Leidtragenden dieser Pandemie, auch wenn immerhin das kontaktlose Abholen von Ware („Click and Collect“) ab Montag in Bayern wieder erlaubt ist (wir berichteten). In den vergangenen Tagen sorgte die Initiative #wirmachenauf für Schlagzeilen – es ist die Ankündigung, trotz des Regelverstoßes das Geschäft zu öffnen.

Die Initiative geht laut tagesschau.de auf einen Krefelder zurück, der der „Querdenken“-Bewegung nahesteht. Damit möchte Katharina Heinl vom Laufer Spielwarengeschäft „Anna und Maximilian“ nichts zu tun haben. „Den Laden aufsperren und sich rechtswidrig verhalten ist keine Option“, betont die Inhaberin. Dennoch hält sie es für wichtig, die schwierige Situation des Handels noch mehr in die öffentliche Diskussion zu rücken.

Auf…merksam machen

Das Schaufenster des „Anna und Maximilian“ am Oberen Laufer Marktplatz weist deshalb auf eine Aktion hin, die ohne Regelbruch auskommt: „Wir machen auf—merksam“ steht weiß auf schwarz auf dem Plakat, das Heinl am Freitag aufgehängt hat. Weitere Gewerbetreibende, darunter der Friseur Benny Jahns, dessen Salon gegenüber Heinls Geschäft liegt, wollen sich ebenfalls beteiligen.

„Die Aktion funktioniert dann, wenn viele mit aufspringen“, wirbt Heinl. „Es geht einfach nicht, den Handel hängen zu lassen“, klagt sie über die Politik, die ihrer Meinung nach finanziell zu wenig zum Überleben der Geschäfte beiträgt. Heinl sagt, seit Beginn des zweiten Lockdowns vor Weihnachten mache sie 80 Prozent weniger Umsatz im Vergleich zu Ende 2019/Anfang 2020.

Startschuss am Montag

„Liebe Regierungsmitglieder, lasst uns öffnen oder entschädigt uns angemessen für die Verluste“, heißt es auf dem Plakat. Dahinter steckt die Webseite freundschaftsdienst.eu, die vom Geschäftsführer einer Frankfurter Modemarke und den Inhaber eines Kommunikationsunternehmens ins Leben gerufen wurde, offizieller Startschuss ist am Montagvormittag um elf Uhr.

Heinl hat am Donnerstagabend in einer Besprechung mit weiteren Laufer Einzelhändlern für die Aktion geworben, womöglich schließen sich also auch noch andere Geschäfte an. Sie hofft nun, dass die Lokalpolitik auf die legale Protestaktion aufmerksam wird und sich für den Einzelhandel einsetzt.

„Viele Leute wissen nicht, was es bedeutet, nicht aufsperren zu dürfen“, glaubt Heinl. Ihre Mitarbeiter sind in Kurzarbeit und müssen entsprechend mit großen Gehaltseinbußen zurecht kommen. Einen Antrag auf finanzielle Hilfen vom Staat könne er erst im Februar stellen, habe ihr Steuerberater gesagt, so Heinl.


Freude über „Click and Collect“

Immerhin, das kontaktlose Abholen ab Montag dürfte dem „Anna und Maximilian“ und vielen anderen Läden in Bayern das Leben etwas erleichtern. Viele Händler freuten sich, dass „Click and Collect“ nun erlaubt wird, so Heinl.

Per Anruf kann man Kontakt zu dem Spielwarengeschäft aufnehmen, von der gewünschten Ware machen Heinl und Kollegen dann Fotos oder sogar Videos, sodass niemand die Katze im Sack kaufen muss. Am Montag wird das Geschäft einen Tisch in die Türe stellen, auf dem der Kunde die vorbestellte Ware abholen kann.

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