PZ begleitete Erstklässlerin in Schnaittach

Ein toller erster Schultag trotz „Schnutenschutz“

Nach Katharinas erster Schulstunde trifft sie sich mit Papa Jörg (li.), Mama Christina (2. v. r.) und dem Rest der Familie zum gemeinsamen Schulanfangsgottesdienst. | Foto: Haase2020/09/erstklasslerin-einschulung-2020-schnaittach.jpg

SCHNAITTACH – Für 1501 Erstklässler im Landkreis war es ein ganz besonderer Tag: Sie alle wurden gestern eingeschult – coronabedingt teils in Schichten, mit Mundschutz und mit nur zwei Begleitpersonen. Die Pegnitz-Zeitung hat, stellvertretend für sie alle, die Erstklässlerin Katharina Mahlein begleitet, um zu zeigen, wie ein erster Schultag in Corona-Zeiten aussehen kann. Die Sechsjährige ist eines von insgesamt 72 Kindern, die gestern an der Grundschule in Schnaittach ihren ersten Schultag hatten.

Schüchtern ist die frisch gebackene Erstklässlerin nicht, doch in der Nacht vor ihrem ersten Schultag ist sie dann doch noch einmal ins Bett von Mama Christina und Papa Jörg gekrabbelt. „Sie ist schon seit Tagen aufgeregt, aber ihre Geschwister haben sie beruhigt“, bestätigt ihre Mutter. Zwei von Katharinas insgesamt drei Schwestern gehen nämlich ebenfalls auf die Grundschule in Schnaittach. Katharina ist nun die dritte im Bunde, aber die erste, die einen Schulstart unter Corona-Bedingungen miterlebt.

Wie viele andere Kinder an diesem Tag hat sie am Morgen bereits neben Spielsachen und Süßigkeiten zwei neue Mundschutze in ihrer Schultüte gefunden. Während die Erstklässlerin auf dem Schulweg noch von der Familie begleitet wurde, dürfen nun zur Einschulungsfeier im Pausenhof der Schnaittacher Grundschule nur zwei Begleitpersonen dabei sein. „Ich durfte entscheiden und habe gesagt, meine Patin darf mitkommen, denn sie wollte sehr gerne“, sagt Katharina, die nun gemeinsam mit Patin Annita Igelhaut und Mama Christina erst einmal am Eingang wartet, denn dort heißt es: Hände desinfizieren. Danach müssen sich die Eltern in eine Anwesenheitsliste eintragen.

Zuschauen vom Straßenrand aus

Mutter Christina und Katharinas Vater Jörg, der derweil zu Hause auf die vierte Tochter aufpasst, können sich mit den Maßnahmen arrangieren. „Man muss es eben so nehmen, wie es ist. Als ich gehört habe, dass nur zwei Personen mitkommen dürfen, habe ich es Katharina erklärt und ihr die Entscheidung überlassen“, sagt Mahlein. Dabei schaut sie zu Katharinas beiden Omas und Patin Igelhauts Mann, die von der anderen Straßenseite herüberwinken.

Derweil setzen sich die 24 Schulanfänger der Klasse 1c im Pausenhof auf Bänke und werden von Konrektorin Annette Lindner mit einem „Ellenbogen-Check“ zwar unter Einhaltung des Abstands, aber immerhin ganz persönlich begrüßt.

Weil die 72 Schüler klassenweise und in vier Schichten eingeschult werden, ist die neue Schulleiterin Angela Gehring zur selben Zeit in der Grundschule in Kirchröttenbach, um dort 19 weitere Schulanfänger zu begrüßen. Ein Teil der Kinder sitzt derweil im Schulanfangsgottesdienst, den Pfarrer Ashok Mathew und Pfarrerin Dorothee Mann an diesem Tag ebenfalls viermal abhalten werden.

Mit „Schnutenschutz“ und Schultüte

Neben den Schultüten mit Kinderbuchfiguren, Prinzessinnen, Autos oder auch einer „1.-FCN-Schultüte“, gehören in diesem Jahr auch viele bunte Mund-Nasen-Masken – oder „Schnutenschutze“, wie Katharina sie nennt – zum typischen Bild des ersten Schultags.

Denn an bayerischen Grundschulen müssen Kinder zwar während des Sitzens im Unterricht keine Maske tragen, sobald sie sich auf dem Schulgelände bewegen aber schon. „Die Kinder nehmen es gelassen. Aus meiner Sicht sind es eher die Eltern, die sich mehr Sorgen machen“, meint Mutter Christina.

Und so wirkt es auch: Gespannt und still hört die Klasse 1c einer Geschichte von Konrektorin Annette Lindner zu: „Beim Fahrradfahren hat man auch manchmal Gegenwind und muss sich mehr anstrengen. So ist es auch in der Schule“, sagt sie abschließend, bevor Schnaittachs Bürgermeister Frank Pitterlein noch ein paar Worte an sie richtet.

Der Gang ins Klassenzimmer

Danach ist es endlich so weit: Die 24 Kinder gehen mit ihrer Lehrerin Marlene Filax und dem von ihr mitgebrachten Plüsch-Erdmännchen „Tafiti“ – das ebenfalls einen Mundschutz trägt – ins Klassenzimmer.

Dort angekommen desinfiziert Marlene Filax allen 24 Kindern erst einmal die Hände mit einem Klecks Desinfektionsmittel. „Was ist das?“, fragt ein Junge. „Ein Schaum zum Händewaschen“, antwortet sie und bittet die Kinder, sich einen Platz zu suchen: „Wenn ihr an euren Tischen sitzt, dürft ihr die Masken abnehmen“, sagt sie noch. Doch das haben die Kinder längst verstanden, denn einige Masken baumeln bereits an Haken an den Tischen.

Während ein Junge noch etwas zögerlich in Begleitung seiner Mutter in der Tür steht und nicht so recht weiß, ob er sich auf das Abenteuer Schule einlassen will, haben die anderen schon ihre Plätze gefunden und unterhalten sich. Doch mit der Geschichte von „Löwe Leo“, die Klassenlehrerin Filax erzählt, taut auch der Junge langsam auf und traut sich, die Hand seiner Mutter loszulassen und sich einen Platz im Klassenzimmer zu suchen.

Danach „sammeln“ die Kinder Dinge, die sie gut können: Das ist zum Beispiel Schnipsen, Mikado, Saltos, Lego spielen und Trampolin springen – und eine „Ninja-Rolle“, wie Katharina noch hinzufügt.

„Zum Vorlaufen an die Tafel braucht ihr wieder eure Maske. Wer möchte, kann sie schon einmal aufsetzen, dann geht es schneller“, rät die Klassenlehrerin, denn nun sollen die 24 Kinder einzeln an die Tafel kommen und dort nach ihrem Namensschild suchen. Doch Marlene Filax hat ihre Worte kaum zu Ende gesprochen, da haben schon alle 24 Kinder ihre Masken auf und sind startklar. „Ich kann mich an die Schule echt gewöhnen“, sagt eine Erstklässlerin. „Ja, Schule ist toll“, erwidert ihre Banknachbarin und nach den ersten 20 Minuten haben alle Schüler der Klasse 1c die Angst vor der Schule verloren und sich an den Maskenalltag gewöhnt.

Aufregung bei Groß und Klein

Im Pausenhof versüßen sich die Eltern derweil die Wartezeit auf ihre Kinder mit Kaffee und Kuchen – den sie über eine Einbahnstraßenregelung im Schulcafé abholen können – und sprechen über die Aufregung am ersten Schultag, denn die ist nicht nur bei den Kleinen, sondern auch bei den Großen zu spüren.

Da hört man auch schon Schritte und Gelächter: die 24 Kinder der 1c stürmen auf ihre Familienmitglieder zu. „Es war toll!“, lässt Katharina ihre Mutter wissen. „Heute Morgen hatte ich noch Angst, aber jetzt nicht mehr.“ Dann machen sie sich über den Pausenhof auf in Richtung Kirche, doch Katharina fällt ein: „Mama, du hast noch meinen Schnutenschutz, den brauche ich.“ Vor der Kirche warten schon Oma Traudl, Oma Hedwig und der Rest der Familie.

Bevor es in den Gottesdienst geht, heißt es noch einmal: Hände desinfizieren. „Ich habe mir ein Restaurant aussuchen dürfen. Dort gehen wir im Anschluss hin“, freut sich Katharina. Und auch der Rest der Familie zeigt sich zufrieden: „Es ist einfach schön, auf diese Weise dabei sein zu können“, ist auch Oma Hedwig glücklich.

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