Der zweite Bürgermeister ist eine Sie

Die stärkste Fraktion in Lauf geht leer aus

Auf Abstand: Wegen der Pandemie war die Sitzung vom Rathaus in die Stadtbücherei verlegt worden. Künftig sollen mehr Beschlüsse in den Ausschüssen fallen statt im großen, 30-köpfigen Gremium. Die Geschäftsordnung wurde entsprechend angepasst. | Foto: Andreas Sichelstiel2020/05/Stadtrat-Lauf-erste-Sitzung-2020.jpg

LAUF – Sie ist nicht die erste Frau auf diesem Posten, aber ihre Wahl ist für viele ein Signal dafür, dass die Laufer Kommunalpolitik wieder ein Stück weiblicher wird: Nina Bezold (CSU) ist Zweite Bürgermeisterin. Der Stadtrat wählte sie in seiner Auftaktsitzung am Montagabend in der Stadtbücherei einstimmig, nämlich mit 30 von 30 gültig abgegebenen Stimmen.

Das Amt des Dritten Bürgermeisters in der Wahlperiode bis 2026 übernimmt Alexander Horlamus (SPD). Auf ihn entfielen 19 von 31 Stimmen. Nur zwölf Stimmen erhielt hingegen Erika Vogel, die die Grünen-Fraktion ins Rennen geschickt hatte.

Die Wahl der Stellvertreter von Bürgermeister Thomas Lang (FW), der an diesem Abend in sein Amt vereidigt wurde, bot insofern keine Überraschung, als der Wahlsieger bereits zuvor hatte durchblicken lassen, dass er zwar für eine „breite Zusammenarbeit“ offen sei, er aber natürlich erst einmal mit jenen beginnen werde, die ihn in der Stichwahl gegen Benedikt Bisping (Grüne) unterstützt hatten.

Die CSU hatte eine Wahlempfehlung für den 46-jährigen FW-Kandidaten abgegeben. Die SPD auch, dann hatte es aber parteiinterne Kritik gegeben – diese Debatte spielte keine Rolle mehr.

Gut vernetzt in der CSU

Die 30-jährige Bullacherin Bezold ist neu im Stadtrat, aber in der CSU bereits gut vernetzt. Sie ist seit Februar 2019 Vorsitzende des wiederbelebten Ortsverbands der Frauen-Union, arbeitet für das Büro der Europaabgeordneten Marlene Mortler. Nominiert wurde sie von Felix Locke (Freie Wähler), ihre Kandidatur wurde aber auch von den Grünen begrüßt. 

„Wir freuen uns, dass die Laufer CSU eine Frau ins Rennen schickt“, so Christine Platt für die Fraktion, der der in der Stichwahl unterlegene Benedikt Bisping nun als Stadtrat angehört. Wohl im Gegenzug erhofften sich die Grünen „breite Unterstützung“ für ­Erika Vogel, die für das Amt der Dritten Bürgermeisterin kandidierte. Die langjährige Stadträtin werde ihren Schwerpunkt darauf legen, „Kultureinrichtungen gut durch die Krise zu bringen“, so Platt. 

CSU-Fraktionssprecher Christian Mayer erteilte den Grünen allerdings eine Absage. Er sagte zwar Dankeschön für die Wahlhilfe, schlug dann aber Alexander Horlamus (SPD) vor. Die Grünen, seit der Wahl mit neun von 30 Stadträten stärkste Fraktion, gingen leer aus. Immerhin: Der „konstruktiven Sachpolitik“, deren Wichtigkeit Platt betont hatte, verschließe sich auch die CSU nicht, so Mayer.

Horlamus seit 2008 Stadtrat

Horlamus, 35, hat viel politische Erfahrung: 2014 trat er für die SPD als Landratskandidat an, 2017 bewarb er sich um das Direktmandat im Bundestag. Im Kreistag ist der Jurist Fraktionssprecher der Sozialdemokraten, im Laufer Stadtrat sitzt er seit 2008.

Die Sitzung, die wegen der Corona-Pandemie nicht im Rathaus stattfinden konnte, weil dort der nötige Abstand zwischen den Teilnehmern nicht zu gewährleisten ist, hatte Lang mit einem Appell eröffnet: „Wir finden uns in einer Situation wieder, die niemand erahnen konnte“, so der neue Bürgermeister. Aber gemeinsam könnten die Stadträte einen Weg durch die Krise finden. Lang, zu den Teilnehmern der Sitzung gewandt: „Wir brauchen jeden von Ihnen.“ 

Seine Amtskette hatte ihm zuvor sein Vorgänger Benedikt Bisping überreicht, allerdings nicht umgehängt. In den vergangenen Wochen, so der Grünen-Politiker, hätten er und Lang die Amtsübergabe gemeinsam vorbereitet. Die Zusammenarbeit sei gut gewesen, für ihn „eine Selbstverständlichkeit“.

Corona ändert die Geschäftsordnung

Die Pandemie führt auch zu Änderungen der Geschäftsordnung: Um das große Gremium, den Stadtrat, nicht zu oft zusammentreten zu lassen, erhalten die Ausschüsse mehr Handlungsfreiheit. Sie können vorerst bis Ende des Jahres Beschlüsse bis zu einem Rahmen von 500 000 Euro fassen. Neu ist ein Entwicklungs- und Infrastrukturausschuss.

In den Ausschüssen sitzen neben dem Bürgermeister als Vorsitzendem je vier Grünen- und CSU-Vertreter, drei FW-, zwei SPD- und ein FDP-Stadtrat. Die Linke, mit Werner Schäfer neu vertreten, erhält nach dem gewählten Zuteilungsverfahren keinen Sitz. Schäfer stimmte deshalb gegen die Besetzung der Ausschüsse – die einzige Gegenstimme. 

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