Mitreißende Stimmung

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BURGTHANN — Scheinbar wahllos scheint er auf Tasten zu drücken. Milan Svoboda streichelt sie, hüpft darauf herum wie ein Kind – und lässt aus dem Schwarz-Weiß plötzlich eine Melodie aufsteigen. Spielerisch greift die Bassist Filip Spaleny auf, baut sie aus und lässt sie raumgreifend groß werden. Jetzt steigt Milan Krajic ein, macht sein goldglänzendes Saxophon selbstbewusst zum führenden Instrument des Stückes. Und spielt minutenlang ein Soli, das unter die Haut geht.
Beifall brandet auf, die Fangemeinde im Keller der Burg Burgthann erlebt gerade das, was den Jazz und ihre Gemeinschaft ausmacht: Die Faszination für eine Musik, die nicht durchweg harmonisch, dafür immer neu, unvorhersehbar und so spannend ist wie das Leben selbst. Auch da gibt es Disharmonien, sind die Höhepunkte am größten, wenn sich Menschen in Harmonie einander nähern, Gleichklang finden und gemeinsam Gipfel erreichen, wie sie die Gäste der gut besuchten Veranstaltung musikalisch genießen konnten.
Wer beim Jazz in der Burg im Rampenlicht steht, spielt vor kundigem Publikum. Da die Liebe zur Musik alle private Rahmen sprengte, hatten Insider 1985 den Jazz- und Kulturverein gegründet. Das Wochenende „Jazz auf der Burg“ ist der Veranstaltungshöhepunkt des Jahres.
Für die Auftaktveranstaltung braucht es natürlich einer der besten Jazzbands überhaupt. Das „Milan Svoboda Quartet“ ist Weltklasse. Svoboda selber ein herausragender Musiker und Komponist. 1951 geboren, studierte er am Prager Konservatorium Orgel, an der Karls-Universität Musikwissenschaft. 1974 gründete er die „Prag Bigband“, 1979 sein „Quartet“. Svoboda komponierte Musikstücke für Theater, Film, Fernsehen, Musicals und Ballet. Der Mann mit dem schwarzen Hut überm grauen Haar spielt gekonnt und mit mitreißender Leidenschaft. Mit ganzer Kraft scheint er sich jedem neuen Stück hinzugeben, immer wieder spontane musikalische Ideen auszuleben. Auch Ivan Audes am Schlagzeug steht dem nicht nach, nimmt sich zurück, lässt die Becken nur sanft klingen – um dann wieder so virtuos auf dem Instrument zu spielen, das es groovt. Gern steigen die Bandmitglieder auf das swingende Fundament ihres Drummers ein, mitgerissen auch durch den Beifall und anfeuernde Zwischenrufes des Burgkeller-Publikums. Das ist durchweg begeistert vom Abend. Und dem gelungenen Auftakt der Reihe, die neben verrauchtem Kellerflair auch Freiluft-Veranstaltungen bietet, bei denen sich zum Kern der Kenner gern Gäste gesellen, um sich dem Jazz ein Stück weit zu nähern.

N-Land antje seilkopf
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