Nur notwendige Reparaturen sind erlaubt

Autoschraubern fehlen die Aufträge

Nicht nur der Schnaittacher Betrieb von Horst Britting (im Bild), auch andere Werkstätten haben deutlich weniger Umsatz. Nur notwendige Reparaturen dürfen durchgeführt werden. | Foto: Schuster2020/04/Horst-Britting-Schnaittach-Kfz-Werkstatt-Corona-2-us.jpg

NÜRNBERGER LAND – Während andere Dienstleister aufgrund der bayernweiten Ausgangsbeschränkungen schließen mussten, bleiben die Kfz-Werkstätten geöffnet. Auf ihre Autos bleiben viele Bürger schließlich angewiesen. Doch nur notwendige Reparaturen sind erlaubt. Das sonst so wichtige Frühjahrsgeschäft verlagert sich nach hinten – oder bricht ganz weg.

„Es ist wesentlich weniger los“, sagt Horst Britting. Der Geschäftsführer einer freien Werkstatt in Schnaittach schätzt, dass im Vergleich zu einem normalen Frühling nur die Hälfte der Arbeit anfällt. Kein Wunder: „Alle Arbeiten, die nicht notwendig sind, (sollten) auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden“, informiert die Kfz-Innung Mittelfranken auf ihrer Webseite. Wegen stark abgefahrener Reifen oder verschlissener Bremsscheiben muss man also weiter eine Werkstatt aufsuchen.

Reifenwechsel nun erlaubt

Ein Reifenwechsel war im März laut Behörden kein Grund, das Haus zu verlassen, genauso wenig ein Kundendienst, der oft im März wahrgenommen wird. Die Regelung zum Reifenwechsel hat sich bayernweit mittlerweile geändert, er ist nun erlaubt. Britting, der vier Angestellte beschäftigt, sagt, er wird die Beschränkungen früher oder später auch wirtschaftlich spüren. „Es wird gewisse Einbußen geben. Ein Teil wird sich aber nur verschieben“, glaubt er.

Wann ist der Kundendienst dennoch notwendig? „Ein triftiger Grund ist so nicht definiert“, informiert die Kfz-Innung Mittelfranken. Dort heißt es, wer viel unterwegs ist, sollte sicherstellen, dass am Auto alles in Ordnung ist. Aber regeln müssten das die Behörden vor Ort. Seitens des Landratsamtes Nürnberger Land heißt es dazu: „Handwerker dürfen auch während der Beschränkungen weiter ihren Berufen nachgehen, sie dürfen also die Inspektion und eventuell anstehende Reparaturen durchführen. Die Kunden indes dürfen nur unbedingt notwendige Besorgungen erledigen, also die Kfz-Werkstatt nur aufsuchen, wenn das Auto reparaturbedürftig ist oder Schaden nehmen würde, wenn sich nicht jetzt darum gekümmert wird. Fragen Sie sich also: Ist es dringend oder kann es noch zwei, drei Wochen warten?“

Drastischer als Britting nimmt Ahmet Özgüler vom Schwaiger Bosch Car Service die Situation wahr. „Es war bei uns schon immer so, dass Januar und Februar die schlechte Zeit war“, sagt Özgüler. Doch während das Geschäft im Frühjahr ansonsten Fahrt aufnimmt, bricht es heuer ein. 80 bis 90 Prozent weniger als sonst hätten er, Co-Geschäftsführer Mehmet Özgüler und ihre fünf Mitarbeiter zu tun. „Wir spüren das sehr stark.“ Sie haben bereits Hilfe vom Staat beantragt und auf Kurzarbeit umgestellt.

„Ohne Hilfen können wir zusperren“, klagt Ahmet Özgüler. Die aktuelle Situation sei vielleicht noch einen Monat tragbar, nicht länger. „Die Kosten laufen ja weiter.“

Der TÜV prüft weiterhin

Ein Prüfer vom TÜV kommt weiterhin jeden Donnerstag zum Schwaiger Bosch Car Service von Ahmet und Mehmet Özgüler, denn ohne die Untersuchung geht es weiterhin nicht, „die Sicherheit muss gewährleistet sein“, wie Ahmet Özgüler sagt. Er und seine Mitarbeiter überlegen jetzt, wie sie darüber hinaus Kunden erreichen.

Natürlich achtet der Schwaiger Betrieb auf die Hygiene und den nötigen Sicherheitsabstand, im Interesse nicht nur der Kunden, sondern auch der eigenen Mitarbeiter. Aber „die Leute haben Angst, rauszugehen.“ Deshalb bietet die Werkstatt nun einen Hol- und Bringservice an, den man telefonisch ausmachen kann.

Maßnahmen zur Sicherheit

Vorsichtsmaßnamen hat auch Horst Britting umgesetzt. Er hat den Tresen umgebaut, eine große durchsichtige Plastikscheibe auf Kopfhöhe schützt nun Mitarbeiter und Kunden, ohne die Kommunikation zu verhindern.


Kontaktlose Reparatur

Auch Brittings Werkstatt bietet an, den Kunden die Autos vor die Tür zu fahren und den Schlüssel in den Briefkasten zu werfen. Am Dienstagabend machte das auch der Chef persönlich, dann ging es zu Fuß nach Hause.

So drastisch wie bei Özgülers in Schwaig ist es bei Auto Britting noch nicht. Seine Mitarbeiter feiern nun Überstunden ab oder sind im Urlaub. Danach ist auch in Schnaittach Kurzarbeit ein Thema. Der Inhaber hat sich überlegt, wie der Staat ihm helfen könnte. „Aber wir stehen noch nicht mit dem Rücken zur Wand“, sagt Britting. Er müsste erst sein Privatvermögen aufbrauchen, bevor Regelungen greifen. „Aktuell gibt es kein Förderprogramm, das uns hilft“.

 

Anmerkung der Redaktion: Wir haben einen Absatz zum Thema Kundendienst ergänzt. Zudem wurde der Absatz zum Thema Reifenwechsel den neuen Regelungen entsprechend verändert.

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