Markt Feucht zeichnet nachhaltige Haushalte aus

Am Haus was Grünes

Ina und Bernd Märzluft zeigen, dass jeder seinen Teil zur Nachhaltigkeit beitragen kann. | Foto: Klara Rocholl2020/03/Feucht-Gruene-Hausnummer-Menschen-1-scaled.jpg

MOOSBACH – Der Markt Feucht zeichnet umweltbewusste Haushalte mit der Grünen Hausnummer aus. Familie Märzluft hat sie bereits erhalten.

Das Haus sieht von außen aus wie jedes andere. Und genau das ist es auch. Ein Weg führt auf die Garage zu, direkt daneben der Hauseingang. Vor der Tür sind ein paar Paletten Rindenmulch gestapelt, für den Garten. Der einzige Unterschied: An der Garage prangt eine Grüne Hausnummer. Diese Günen Hausnummern gibt es in Feucht seit 2018. Die Marktgemeinde verleiht sie an Haushalte, die eine gewisse Punktzahl in einem dafür angelegten Katalog erreichen.

Das Punktesystem ist in vier Teile untergliedert:
Teil A beurteilt Energie und Haustechnik. Dabei kommt es zum Beispiel darauf an, ob man eine Zisterne hat oder wie man heizt.
Teil B beleuchtet die Baustoffe, mit denen das Haus gebaut wurde: neben Fassadendämmung und Isolierung werden auch die einzelnen Materialien genauer betrachtet.
In Teil C wird das Naturkapital analysiert. Hier geht es vor allem um den Garten. Von Bedeutung ist dabei, ob man ein Hochbeet und heimische Gehölze hat oder welche Blumen im Garten wachsen.
Im letzten Teil D liegt der Fokus auf der Nachhaltigkeit. Diese wird gemessen an Kriterien wie Flächenverbrauch und Fotovoltaikanlagen. Alle Angaben müssen mit Bildern, Rechnungen oder ähnlichem belegt werden.

Grundstück in Moosbach gefunden

Auf einen Schlag erscheint das alles sehr viel. Tatsächlich sei es aber gar nicht so schwer, zumindest einige der Kiterien zu erfüllen. Das stellten auch Bernd (50) und Ina (42) Märzluft fest. Die gelernten Betriebswirte lernten sich bei der Arbeit in Nürnberg kennen, beide stammen eigentlich aus München beziehungsweise Kiel. Gemeinsam haben sie sich dann nach einem Grundstück umgesehen, und sind schließlich 2016 mit ihren Kindern Luca (fünf) und Lara (zwei) gemeinsam in Moosbach ansässig geworden. „Wir hatten von der Grünen Hausnummer gelesen und dachten uns, wir könnten uns diesen Fragebogen ja mal anschauen. Auf den ersten Blick fragt man sich, wer das denn erfüllen soll!“ erzählt Bernd Märzluft. „Wir haben auch nicht sofort die volle Punktzahl erreicht,“ ergänzt Ina Märzluft, „aber dann hat sich herausgestellt, dass wir durch so etwas einfaches wie den Aufbau eines Insektenhotels die nötigen Punkte zusammen bekommen können.“ Wenn man es sich mal konzentriert anschaut, sei es wirklich machbar. „Auch alte Häuser können Punkte sammeln, zum Beispiel durch alte Bäume im Garten“, erläutert Ina Märzluft.

Nachdem die junge Familie den Fragebogen eingereicht hatte, kam die Gemeinde auf sie zu. Nach einem Besuch, bei dem die Angaben der Märzlufts überprüft wurden, hat die Gemeinde ihnen den Status eines Grünen Haushalts anerkannt. Im März letzten Jahres wurde Familie Märzluft gemeinsam mit dem Ehepaar Sieglinde Heiseler und Hermann Hagel die Hausnummer übergeben. Bisher sind die beiden Familien die einzigen, die sich an der Aktion beteiligen.

„Wollen andere motivieren“

Wir hoffen, damit noch mehr Menschen motivieren zu können. Es ist ja keine wirkliche Umstellung. Wir hatten das Haus schon gebaut, bevor wir uns über die Hausnummer informiert haben“, erklärt Bernd Märzluft. Das Haus der Familie besteht bis auf den Putz und die Fenster komplett aus Holz. „Wenn wir länger weg sind und dann wieder kommen, riecht es hier wie in einer Südtiroler Holzhütte,“ erzählt der Familienvater schmunzelnd. Die Fenster sind mehrfach isoliert, und eine Zisterne bewässert den Garten. „Wir haben das nicht für das Schild gemacht. Es hat einfach ins Konzept gepasst. Man verzichtet ja auf nichts, sondern achtet einfach mehr auf alles. Ich denke, dieses Klischee, das lange mit Bio oder Öko verbunden war, bricht langsam auf. Und das muss es auch. Nachhaltigkeit ist kein Trend oder Lebensmotto, sondern Alltag“, sagt Ina Märzluft.

Der Hochgarten und das Insektenhotel. Foto: Klara Rocholl2020/03/Feucht-Gruene-Hausnummer-Garten-2.jpg

Die Familie ist sich bewusst, dass man nicht immer zu 100 Prozent alles erfüllen kann. So haben sie selbst zum Beispiel eine Gasheizung, statt wie im Idealfall eine Hocheffizienzpumpe. Aber ein bisschen auf alles zu schauen, könne und müsse schon ein Anspruch sein. Zudem möchten die Elten ihren Kindern ein Bewusstsein dafür beibringen, woher das Essen kommt. „Wir haben ein paar Obstbäume und das Hochbeet. Die Kinder sollen lernen, dass das Essen nicht einfach so aus dem Supermarkt kommt.“ In vielen bayerischen Gemeinden wird dieses Projekt gefördert und unterstützt. Umso bedauernswerter sei es, dass die Resonanz in der Marktgemeinde noch nicht so groß ist. Ina und Bernd Märzluft zeigen, dass jeder seinen Teil zur Nachhaltigkeit beitragen kann.

Info:
Weitere Informationen und der Fragebogen sind zu finden unter www.feucht.de/cat/gruene_hausnummer.

N-Land Klara Rocholl
Klara Rocholl