Schäden am Birkensee

Am Biber scheiden sich die Geister

Biber richtigen zwar manchmal wirtschaftlichen Schaden an, sind für Flora und Fauna aber nützlich. Durch ihre Höhlen bieten sie zum Beispiel Fischen einen Unterschlupf und sorgen für sauberes Wasser. | Foto: Bund Naturschutz/Archiv2020/11/biber-tour-bn-in-lauf.jpg

NÜRNBERGER LAND – Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Das gilt mittlerweile auch für alle Gewässer des Nürnberger Lands. Dort nämlich gestaltet der Biber seine Umwelt nach seinen eigenen Wünschen. Während er Tieren und Pflanzen damit mitunter sogar einen Gefallen tut, kommen seine Bauwerke und die dafür gefällten Bäume bei den Menschen oft nicht gut an.

Vor zehn Jahren war er noch froh, als im Landkreis die ersten Biber gemeldet wurden, erinnert sich Karl Rauenbusch, Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde des Nürnberger Lands. „Mittlerweile sind alle Gewässer besiedelt. Mit Bibern ist überall zu rechnen und wir haben sehr viel zu tun“, sagt der Biologe, der die Wiederansiedlung des unter Naturschutz stehenden Nagetieres über die Jahre mitbekommen hat.

Bei den Gewässern hat der Bockert, so der Fabelname des Tieres, durchaus seine Präferenzen, wie Rauenbusch weiß: „Der Birkensee eignet sich gut für Biber, denn es ist ein stehendes Gewässer. Sie können dort sehr gut graben“, erklärt er. Nicht nur dort verursachen die nagenden Ingenieure durch ihre Landschaftsgestaltung manchmal aber Probleme. In diesem Jahr musste die Polizei am Birkensee einen Bereich am Ufer absperren, da dort ein Biberbau an einem Waldweg eingestürzt war. Die Tiere nagen nicht nur Bäume an, sondern höhlen durch ihre Grab­arbeiten auch Uferbereiche aus. Ab und zu kommt es auch zu Überflutungen von Feldern, weil Biber ihre Dämme in anliegenden Flüssen bauen und sich das Wasser bis zum Überlaufen staut.

Und in Lauf knabbert Bockert immer mal wieder gerne am Holzsteg, der zum Laufer Schloss führt (die PZ berichtete). „Es gibt generell viele Bereiche, wo der Biber zugange ist, sowohl in der Stadt als auch in den Dörfern“, bestätigt Dieter Wölfel vom Bauamt der Stadt Lauf. „Wir wissen, wo es Probleme gibt, und wenn ein Handlungsbedarf da ist, dann kümmern wir uns darum. Um Dämme zu entfernen, braucht man eine Beseitigungserlaubnis vom Landratsamt“, weiß Wölfel.

Da sie besonders streng geschützt sind, dürfen Biber in Bayern nur in ganz speziellen Ausnahmefällen aus dem Gewässer entnommen, also abgeschossen, werden. Wer einen Biberbau zerstört oder die Nager verletzt oder tötet, dem droht ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro oder bei vorsätzlichem Handeln sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.
Hauptsächlich beschränken sich die Maßnahmen, die man gegen Biber treffen kann, auf die Beseitigung der verursachten Schäden. So werden am Birkensee zum Beispiel durch Biber verursachte Höhlen wieder mit Erde aufgefüllt. Drahtmanschetten an Bäumen oder spezielle Anstriche können als Vorbeugung dienen.

Auch Elektrozäune können Abhilfe schaffen: „Der Biber war früher immer im Becken im Laufer Freibad und hat dort natürlich auch sein Geschäft verrichtet“, erinnert sich Karl Rauenbusch. „Damals wurden auch ein paar Monate lang Elektrozäune installiert, bis der stabile Zaun stand.“
Über all diese Möglichkeiten beraten Biberberater des Landratsamts, an die sich Menschen wenden können, denen die tierischen Ingenieure durch ihre Bauwerke Probleme bereiten. Forst-, Land-, oder Teichwirte können sogar eine finanzielle Entschädigung beantragen.

Problematisch sei es, wenn Biber zum Beispiel durch ihre Dämme drohen eine Kläranlage zu fluten, dann müssten diese Bauten entfernt werden. Am Birkensee hingegen darf Bockert sich ausleben, solange durch Bauten oder umfallende Bäume keine Gefahr für Menschen besteht oder Schäden entstehen.


Biologie Rauenbusch warnt davor, die großen Nager zu verteufeln. „Der Biber gehört zur heimischen Natur“, man müsse sich keine Sorgen um den Baumbestand machen. Ohnehin sei die Zahl der Biber im Landkreis noch überschaubar. „Sie regulieren sich selbst, denn Eltern verbeißen ihre Jungen, damit sie fort gehen“, erklärt er. Das dieses Revierverhalten manchmal „bis aufs Blut“ geht, hat er auch schon miterlebt, als sich das Landratsamt um einen Biber kümmern musste, der von seinen Eltern fast totgebissen wurde.

Für die Pflanzen- und Tierwelt sind die großen Nager sogar ein Gewinn, betont der Fachmann, denn sie schaffen neue Lebensräume für Fische und Amphibien und lichten Uferbestände auf, wodurch die Bäume wieder kräftiger wachsen, und sorgen für sauberes Wasser.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren