Werden gefällte Bäume bei Hochwasser den Fluss aufstauen?

Biber erobern das Schwarzachtal

Der Biber ist das zweitgrößte Nagetier der Welt. In Bayern gibt es inzwischen wieder rund 20 000 Exemplare, nachdem der Bund Naturschutz Anfang der 80er Jahre 120 Tiere aus Russland und Skandinavien an verschiedenen Stellen im Freistaat ausgesetzt hatte. | Foto: Fotolia2018/01/Biber1.jpg

RASCH – Fritz Merkel und Erwin Költsch machen sich Sorgen. An der Schwarzach oberhalb von Rasch haben Biber dutzende von Weiden umgelegt, die in die Wiesen und direkt in den Fluss gefallen sind. Was passiert beim nächsten Hochwasser? fragen sich die beiden Rascher.

Die von Bibern gefällten Baumstämme könnten Richtung Sportheim treiben, an der dortigen Engstelle im Fluss hängen bleiben und die Schwarzach aufstauen. Dann wären die Häuser an der nach Schleifmühle führenden Straße bedroht.

„Kreuz und quer alles umgelegt“, klagen Erwin Költsch und Fritz Merkel und befürchten, dass die in den Fluss gefallenen Bäume das Wasser aufstauen könnten. | Foto: Blinten2018/01/Biber.jpg

 

Fritz Merkel hat bereits auf der jüngsten Bürgerversammlung auf das Problem aufmerksam gemacht und sich jetzt direkt an die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt gewandt und dort mit dem Biber-Experten Dr. Karl Friedrich Rauenbusch gesprochen.

Rauenbusch kennt die Biberpopulationen an der Schwarzach zwischen Rasch und Schleifmühle. „Die Tiere fühlen sich hier ausgesprochen wohl“, sagt er. Was unter anderem damit zusammenhängt, dass die Uferflächen vom Wasserwirtschaftsamt aufgekauft wurden und deshalb nicht mehr bewirtschaftet werden. „Hier stört die Biber niemand, da wird nicht gemäht, und da wird nicht mit Motorsägen gearbeitet“, sagt Rauenbusch. Außerdem wachsen am Ufer viele Weiden, deren weiches Holz den Bibern besonders gut schmeckt.

Flußlauf wurde renaturiert

Vor einigen Jahren wurde die Schwarzach bei Rasch renaturiert, das Wasserwirtschaftsamt baute ein neues Flussbett, so dass das Gewässer nun nicht mehr schnurgerade in Richtung Ochenbruck fließt, sondern in vielen Schleifen. Dabei bilden sich kleine Inseln mit dichter Vegetation, alles in allem eine ideale Umgebung für die Biber, die man hier am hellichten Tag beobachten kann.

Ob es nun eine konkrete Gefahr durch die umgefallenen Stämme bei Hochwasser gibt, muss das Wasserwirtschaftsamt prüfen und dann gegebenenfalls Baumstämme aus dem Flussbett herausziehen lassen. Die Biberburgen würden allerdings nur im äußersten Notfall beseitigt, erläutert Rauenbusch.

An der Schwarzach bei Rasch tauchten die ersten Biber vor etwa zwei Jahren auf. Inzwischen wächst hier bereits die zweite Generation der großen Nager heran. Weil im Nürnberger Land weder Wölfe noch Luchse leben, haben die Biber keine natürlichen Feinde.

Bejagt werden dürfen die geschützten Tiere nur in Ausnahmefällen. Ein solcher Fall könnte jetzt für eine Population am Ludwig-Donau-Main-Kanal im Bereich des Dörlbacher Einschnitts eintreten. Dort besteht die Gefahr, dass die Tiere die aus Lehm bestehende Dammschüttung des historischen Kanals aufgraben. Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde und des Wasserwirtschaftsamts wollen nun klären, wie man mit den Bibern am Alten Kanal verfährt, ob man die dortige Biberburg bestehen lässt, oder ob man im schlimmsten Fall sämtliche Tiere eliminiert.


Im Nürnberger Land haben sich die Biber-Bestände in den vergangenen Jahr besser entwickelt als erwartet. Es gibt inzwischen Populationen an der Pegnitz, am Röthenbach und an der Schwarzach, außerdem am Alten Kanal, am Birkensee, an den Krugsweihern und am Jägersee bei Feucht. Gab es vor 40 Jahren in ganz Bayern nur 120 Biber, so schätzen Experten deren Zahl heute auf rund 20 000 Tiere. Die 120 „Pioniere“ wurden seinerzeit mit Genehmigung des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums an verschiedenen Stellen im Freistaat vom Bund Naturschutz ausgesetzt.

Die durch Biberbauten entstehenden Überschwemmungen sind nicht zum Schaden, sondern zum Nutzen des Waldes, betont Rauenbusch. Auf den unter Wasser stehenden Flächen sterben die nicht standortgerechten Bäume ab, als Nachfolger bleiben die Baumarten, die mit dem nassen Untergrund besser zurecht kommen. Erlen, Pappeln und Weiden folgen beispielsweise Fichten.

Wenn der Biber nachgewachsene Pappeln umlegt, sprießen ganz schnell hunderte und aberhunderte neuer Triebe am selben Standort.
Wie geht es jetzt an der Schwarzach bei Rasch weiter? Soll es den Tieren dort an den Kragen gehen? „Gegen die Biber habe ich ja grundsätzlich nichts“, beteuert Erwin Költsch. Aber die in den Fluss gefallenen Bäume sind halt eine Gefahr, wenn es zu einem Hochwasser kommt. Das ist seine feste Überzeugung.

Fritz Merkel kennt Gegenden in Bayern, in denen es viel mehr Biber gibt als im Flußtal bei Rasch. „Aber dort leben die Tiere weit ab von der nächsten Ortschaft.“

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