Fitness-Studios ab heute wieder geöffnet

Zwischen Schweiß und Spuckschutz

Andreas Bürger, der Studioleiter des Provita Freizeit- und Sportzentrums in Altdorf, freut sich auf die Wiedereröffnung. | Foto: Daniel Frasch2020/06/Altdorf-Provita-Andreas-Buerger-scaled.jpg

ALTDORF. „Anfänglich waren wir noch positiv gestimmt und sind von von ungefähr 14 Tagen ausgegangen“, erinnert sich Tanja Bürger an die Nachricht vom 17. März, ihren Betrieb mit sofortiger Wirkung schließen zu müssen. Aus den erhofften zwei Wochen wurden schließlich drei quälend lange Monate.

„Es war eine schwere Zeit und für uns natürlich auch hochgradig existenzbedrohend“, führt die Geschäftsführerin des Provita Freizeit- und Sport-Zentrums aus. „Wir hingen die ganze Zeit über in der Luft, waren ausschließlich auf die Medien angewiesen und haben stets gehofft, endlich positive Meldungen zu hören.“

Massive finanzielle Einbußen

Eine Zeit, in der sie sich von Seiten der Politik „klarere Zeichen und Ansagen“ gewünscht hätte. Stattdessen sei die Branche über Wochen nach hinten gerutscht, obwohl sie vor allem in Sachen Prävention und Operationsnachsorge elementar für die Menschen sei. Das alles jedoch bei fortlaufenden Betriebskosten wie Pachtgebühren und Rückzahlungen von Leasing-Geräten. „Wir hatten seit Mai keinerlei Einnahmen“, verweist die Geschäftsführerin auf die schwierige finanzielle Lage ihres Unternehmens. Der durch Corona angehäufte Schuldenberg liege bereits jetzt im sechsstelligen Bereich, sagt sie. Umso erfreulicher, dass bis heute „kein einziger Angestellter entlassen werden musste“, wie sie beteuert. Auch die Kurzarbeit, die seit Mai für alle Angestellten gilt, wird mit Wiederaufnahme des Betriebs zumindest vorübergehend komplett beendet.

Mit der wochenlangen Ungewissheit ist es nun vorbei. Denn ab heute dürfen auch im Freistaat die Fitness- Sport- und Gesundheitszentren wieder öffnen. Unter strikten Hygienebestimmungen, versteht sich. Doch wie sieht ein Besuch der Räumlichkeiten ab sofort aus?

„Unsere Umkleidekabinen sowie der Wellnessbereich bleiben vorerst auf unbestimmte Zeit geschlossen. Auf den Laufwegen, wie beispielsweise der Weg zur Toilette, herrscht Maskenpflicht“, erklärt Bürger, die aber zugleich klarstellt: „Beim Training selbst besteht jedoch keine Maskenpflicht, wir sehen das ohnehin als kontraproduktiv an. Denn beim Training ist ein ständiger Luftaustausch von großer Bedeutung, und der ist durch einen Mund-Nasen-Schutz eingeschränkt.“

Schutzmaßnahmen für die Besucher

Schützen sollen die Trainingsgäste unter anderem extra angebrachte Spuckschutzwände, die insbesondere im Kardio-Bereich (Laufband und Corsstrainer) aufgestellt wurden. Zusätzlich wurden in allen Trainingsbereichen weitere Desinfektionsstationen errichtet, darüber hinaus werden die Trainingsgeräte nach dem Benutzen gereinigt und desinfiziert. Die verschiedenen Trainingsgeräte wurden räumlich etwas entzerrt, was aufgrund der rund 650 Quadratmeter großen Fläche „kein großes Problem“ darstellte, wie Bürger sagt.

Darüber hinaus werden die Geräte – wie bislang auch schon – täglich nach Betriebsschluss durch eine Reinigungsfirma gesäubert. Beim Eingang gilt: Hände desinfizieren und in eine Liste eintragen, deren Daten dann zwei Wochen gesammelt und für eine etwaige Rückverfolgung eventuell mit Corona infizierter Personen genutzt werden. Auch das Personal wird vor dem Start am Montag noch einmal speziell geschult und bekommt mitgeteilt, worauf es in der nächsten Zeit vermehrt zu achten hat. Mit 1400 Mitgliedern und nochmals rund 300 Reha-Sportlern und Kursbesuchern verfügt Provita über einen großen Kundenstamm, der nun verstärkt betreut werden soll. „Viele unserer Kunden haben ja seit fast drei Monaten nicht mehr trainiert, da gibt es bestimmt viel aufzuholen. Außerdem gibt es jede Menge Fragen, die wir auch in aller Ruhe beantworten wollen“, sagt Tanja Bürger. Potenzielle Neukunden, so genannte Walk-Ins, werden zwar nicht weggeschickt, sollen jedoch terminiert werden.

Neue Zuversicht

Trotz der verschärften Hygienevorschriften überwiegt bei Tanja und ihrem Mann und Studioleiter Andreas Bürger die Freude, endlich wieder direkten Kontakt zu ihrer Kundschaft zu haben. „Wir haben in der vergangenen Zeit so viele Briefe und E-Mails erhalten, das war schon sehr emotional und zeigt, wie wichtig die soziale Komponente ist“, gibt sie zu bedenken, ehe sie letzte Vorkehrungen in ihrem Zentrum trifft. „Für die psychische Gesundheit ist es wichtig, positiv in die Zukunft zu schauen. Wir dürfen bei all den kleinen Abstrichen, die wir jetzt alle hinnehmen müssen, nicht vergessen, dass das gleichzeitig auch einen Hinzugewinn unserer Normalität bedeutet.“ Drei Monate nach der Zwangsschließung weicht beim Provita-Team allmählich die Existenzangst neuer Zuversicht.

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