Altdorfer Altstadtfreunde luden zu einem Rundgang

Mit den Nachtwächtern durch die Stadt

Lutz und Sabine Reinwald in historischen Nachtwächter-Gewändern beim Rundgang durch Altdorf. | Foto: privat2016/10/nachtwaechter.jpg

ALTDORF – Die Altstadtfreunde hatten zu einer Nachtwächter-Führung entlang der Mauer zu den Standorten der Türme und zu den Arbeitsplätzen der ehemaligen Stadtbediensteten, den Nachtwächtern, den Pasteier oder Turmhütern, den Torsperrern und Zöllnern eingeladen. Auch das Quartier des Flurers, von Stadtknecht und Landsknecht wurde gezeigt.

Die Führung fand außerordentlich großen Zuspruch und wird sicher auch in Zukunft wieder angeboten werden. 2. Vorsitzender Lutz Reinwald und seine Frau Sabine waren in historische Gewänder geschlüpft und konnten dank der mitgeführten Laterne den Weg auch durch düstere Gassen zeigen.
Bereits am Treffpunkt beim Marktbrunnen gabs Informationen über den spendablen Kaufmann Georg Amberger, das vielseitig genutzte Rathaus, die Laurentiuskirche mit der Türmerwohnung und den Feilturm, der bis ins 19. Jahrhundert als Gefängnisturm genutzt wurde.

Die große Gruppe wurde ausgehend von der Wehrmauer mit erhaltener Stadtmauer am Oberen Tor entlang der Trasse des ehemaligen Stadtmauerrings geführt. Der Nachtwächter machte unterwegs immer auf interessante Details aufmerksam. Auf das Zollhaus vor dem Oberen Tor mit dem Nürnberger Wappen oder auf die Weiher vor dem Oberen Tor als Annäherungshindernis für die Feinde.

Observatorium im Turm

In der Treuturmgasse errichtete 1636 Abdias Treu ein Observatorium, das 1737 bei einem Stadtbrand zusammen mit dem ganzen Viertel Obere Wehd zerstört wurde. Der neue Treuturm wurde ab 1638 als Observatorium genutzt. 1657 erfolgte der Umbau des Turmobergeschosses, ein drehbares Dach mit Fensteröffnungen wurde geschaffen. 1703 wurde der Turm wieder der Nutzung als Wachstube zugeeignet und im 19. Jahrhundert schließlich abgerissen.

Die Gassenüberbauungen im nördlichen Ring sind besonders interessant.
Sie vermitteln ein Gefühl der Abgeschlossenheit dieser Wege. In der Weißturmgasse findet man dort originale Mauerstücken mit Buckelquadern bei Stiller und Stör.

Lutz Reinwald erinnerte an das alte seit 1863 städtische Hirtenhaus in der Türkeistraße 19. Der Hirte kümmerte sich um die Rinder der Stadt und hatte auch den städtischen Zuchtbullen zu versorgen. Die Bauern mussten ihre Kühe zum Bullen bringen. Das eindrucksvolle Gebäude wurde in den 60/70er Jahren abgerissen.

Verschwundenes Tor

Das ehemalige Stadttor Weißturmgasse 5, müsse wohl seit dem Landshuter Erbfolgekrieg 1504 zugemauert ein, so der Nachtwächter. Auch einen weißen Turm gab es nach den alten Unterlagen, zu sehen ist dieser Turm aber auf keiner Abbildung. „Vielleicht war der Weiße Turm auch der Torturm zum verschwundenen Tor“, so Reinwald.

Der Flurersturm hinter der Stadthalle wurde 1874 abgebrochen. Der Flurer, dessen Aufgabe darin bestand, gegen Flurfrevel vorzugehen, wohnte dort.
Vorbei am Unteren Tor erreichten die Nachtspaziergänger die Schmiedgasse die nach der ehemaligen Schmiede „Schmieschreiner“ benannt ist. Am Eingang zur Silbergasse befindet sich eines der ältesten Häuser Altdorfs von 1537. Das Hauptgebäude der ehemaligen Universität ist in die Stadtmauer integriert, das chemische Laboratorium wurde außen aufgebaut. Vor dem Pulverturm der 1812 auf Veranlassung des späteren Bürgermeisters Jabob Neidharts abgebrochen wurde befindet sich im Doktorsgärtlein am Museum noch das Fundament. Das
Rentamtsgebäude von 1810 wurde der Neue Bau genannt, später (1834) dann Gasthaus zur Post, war vorher die Stadtschreiberei und ist heute Jugendtreff.

Die Nachtwächter führten die Gruppe auf den Schlossplatz und zeichneten ein Bild der großzügigen Anlage, das Schloss umgeben von Wirtschaftsgebäuden und einem großen Hof der mittels einer Mauer mit Tor zum Markt hin abgeschlossen war. An der Jägergasse Herrenstallung und Schupfen, gegenüber der große Schlossstadel. Am Eck zum Markt hin das Wohnhaus des Försters (heute Bäckerei). Der Zugang zur Neubaugasse erfolgte über die Jägergasse.

Ehemalige Gaststätten

Besonders interessiert zeigten sich die Teilnehmer an den Standorten ehemaliger Gaststätten. 1731 waren folgende Wirtschaften bekannt:
Schwarzer Bär (Oberer Markt 1), Grüner Baum („Bleisteiner“ Obere Badgasse 1), Weißes Kreuz (Hut-Möller, Unterer Markt 11), Weißes Lamm (Unterer Markt 9, „Hypovereinsbank“), Gelber Löwe (Goldener Löwe, Untere Badgasse 1, „Rossmann“), Roter Ochse (Goldener Ochse, Unterer Markt 16), Rotes Roß (Oberer Markt 5), Blauer Stern (Rüger 1881 Feilturmgasse 1), Goldener Stern (Obere Brauhausstr. 2, der Garten der Neuen Apotheke, das Haus dazu hat eine andere Flurnummer), Zum Ungarn (Zum Hasen, Kranichseegasse 1), Goldener Engel (Stricker, Oberer Markt 7), Goldene Sonne (Oberer Markt 6), Weißes Roß (Hafner Leonhardt Obere Brauhausstr. 3), Zum Weißen Affen (Adria, Oberer Markt 12).

Ein Teil der Gruppe kehrte mit dem Nachtwächterpaar noch in einer der Traditionsgaststätten ein.

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