Pfand-System bei Café Riedner

Mehrweg-Becher schwappt nach Altdorf über

Christina und Johannes Krasser vor dem Info-Poster zum neuen Mehrweg-Becher-Angebot. Die beigen und rosa Kunststoffbehälter sind zu 100 Prozent biologisch abbaubar und werden von der Kundschaft prima angenommen. | Foto: Gisa Spandler2019/02/Altdorf-Riedner-Mehrwegbecher.jpg

ALTDORF – „Coffee to go“ ist mittlerweile keine neudeutsche Phrase mehr, sondern ein Lebensgefühl. Keiner hat Zeit, aber guter Kaffee muss sein, und so sind sie denn überall unterwegs, die Kunststoff- und Pappbehältnisse mit heißem Inhalt, Deckel und Strohhalm. Leider auch auf den Straßen, im Park und, wie man neuerdings weiß, in den Meeren dieser Welt. Kleine Initiativen wollen dem umweltschädlichen Einweg-Verhalten gegensteuern, die Ideen dazu sind vorhanden. Erster Betrieb in Altdorf, der seit ein paar Tagen Mitnehm-Kaffee im Mehrweg-Becher ausgibt, ist das Café Riedner am Marktplatz.

Auf der Gastronomie-Messe Hoga in Nürnberg fand die Initialzündung statt, berichtet Eva Krasser, Seniorchefin des Konditorei-Cafés. Dort zeigte das kleine Start-up Cupforcup, wie Mehrweg ohne großen Aufwand funktionieren kann. Dieser Ansatz rief Interesse bei der Geschäftsfrau hervor. Wer sein Heißgetränk, im Sommer auch seinen Eiskaffee, nicht in Ruhe im Sitzen genießen kann oder möchte, braucht ein transportables Gefäß und kann nun bei Riedner in der Oberen Badgasse einen zu 100 Prozent biologisch abbaubaren Kunststoffbecher ausleihen, einen Euro Pfand hinterlegen und das Behältnis beim nächsten Cafébesuch wieder abgeben.

Der Vorteil: Es fällt kein Abfall an, denn die beige- und rosafarbenen Becher werden in einem kleinen Eimer im Geschäft gesammelt – über die Theke reichen darf man sie aus hygienischen Gründen nicht –, in der Spülmaschine gereinigt und wieder verwendet. Bis zu 400 Mal, versprechen die Verantwortlichen des Mehrweg-Systems, kann ein Becher benutzt werden, bis er dann doch zu Müll wird. „Eine Idee, die unterstützt werden sollte“, fand Eva Krasser, und die Juniorchefs Christina und Johannes waren sofort mit dabei.

Nicht nur die Umwelt liegt den Betreibern des Cafés am Herzen, auch faire Produktionsbedingungen fördern sie durch den Verkauf von fair gehandeltem Kakao und Orangensaft. Ganz ausgereift ist ihrer Meinung nach das Konzept von Cupforcup noch nicht. Die Warmhaltedeckel sind leider immer noch aus konventioneller Herstellung, während die Gefäße selber, die in Deutschland produziert werden, keine schädlichen Kunststoff-Verbindungen wie zum Beispiel Bisphenol A oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten. Auch umweltfreundliche Strohhalme müssen erst noch entwickelt werden, aber „da sind sie dran“, wissen die Krassers und wollten trotzdem ein Zeichen setzen, zumal in der Kundschaft nachhaltiges Geschirr tatsächlich hin und wieder nachgefragt wurde.

Nudelhalme nicht bewährt

Juniorchef Johannes hat sich im Internet schlau gemacht, wie man sich hier auf umweltfreundliche Weise behelfen kann und ist auf Röhrennudeln gestoßen. Im Selbstversuch hat sich aber herausgestellt, dass die Makkaroni in heißen Flüssigkeiten anfangen weich zu werden und sich auflösen. Nichts für einen Kaffee-Connaisseur. Er und das gesamte Team stehen voll hinter der Initiative der Mama. „Wir sind die nächste Generation, wir müssen jetzt umdenken“, begründet er die Motivation der Familie.

Erfreulich finden die Geschäftsleute, dass schon nach wenigen Tagen eine eindeutige Akzeptanz erkennbar ist. „Zwar ist der To-go-Verkauf nicht überwältigend“, findet Eva Krasser, aber das Angebot wird angenommen, die Kunden informieren sich anhand des von Johannes selbst gestalteten Info-Posters, und auch Flyer der Firma, die ihr Mehrweg-Produkt „Good cup“ nennt, werden mitgenommen.

Natürlich sind die Verkäuferinnen dazu angehalten, die ökologische Variante des Unterwegs-Kaffees anzubieten. „Vor allem Stammkunden greifen gern zum neuen Becher“, stellt man fest. Kein Wunder, sie kommen ja sowieso wieder, da steht das 0,3-l-Gefäß nicht ewig zu Hause in der Küche herum. Und wer es nicht mehr zurückbringt, benutzt es vielleicht in den eigenen vier Wänden – besser als den Wegwerf-Becher, allemal.
Im Moment profitieren die Krassers noch von der Einführung, denn wer sein Pfand zurück haben will, muss wieder bei ihnen aufkreuzen. Das soll sich allerdings noch ändern, wenn sich mehr Betriebe in der Umgebung dem System anschließen. Das junge Start-up und die Vorreiter am Marktplatz würden sich darüber freuen.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler