Zeugin einer Wirtschaftskultur im NO-Quartier

Lederesmühle nun ein echtes Schmuckstück

So schmuck präsentiert sich die Lederesmühle von außen nach der Sanierung. | Foto: Hungershausen2016/09/Lederersmuehle-neu.jpg

ALTDORF – „Die Lederersmühle, Baujahr 1604, der letzte Zeuge einer Wirtschaftskultur im NO-Quartier von Altdorf geht vor aller Augen unter.“ So überschrieb der Architekt  und engagierte Denkmalschützer Wolfgang Frickert  noch kurz vor seinem Tod (22. Juni 2014) einen Hilferuf, die Lederesmühle endlich zu sanieren und für die Nachwelt zu erhalten. Jetzt erstrahlt das Denkmal nach der Sanierung in der ganzen Schönheit. Schade, dass er das nicht mehr erleben durfte. Frickerts damaligen Appell, überschrieben „Mayday, Mayday“, möchten wir nicht in Vergessenheit geraten lassen und unseren Lesern anlässlich der sichtbaren Fertigstellung der Sanierung veröffentlichen.

„Eine Ruine mitnichten, eher ein rezentes Baudenkmal. Kürzlich wurde im See Genezareth ein antikes Fischerboot im Schlick  gefunden, das bereits x-mal repariert wurde und so Aufschlüsse über die Situation vor Ort um das Jahr 0 gibt, wie z.B. in der Bibel (Jesus * 7 v.Chr., nach Gregorian. Kalenderreform) als Fischzug des Petrus geschildert, der für jede Seefahrt nach der Niederschlagung des Galiläaaufstandes in Sepphoris (4 n. Chr.) röm. Steuern zahlen musste (da war Jesus 11 Jahre), auch wenn er nichts fing.

1545 hatte Kaiser Karl der V. (das 20-jährige Feindchen von Dr. Martin Luther auf den Reichstag zu Worms 1521, mit Regierungs- und Wohnsitz El Escorial, Madrid) aufgrund der Türkeneinfälle 1526–1529 bis vor Wien die sog. Türkensteuer in Deutschland erlassen.

1571 wurden die Türken zur See bei Lepanto (i. Golf v. Korinth, seitdem wurden abseitige, aber ereignisreiche Orte topographisch mit „in der Türkei“ in bayr. Städten bezeichnet. Schwerhörige wurden spöttisch gehänselt, ob sie in Lepanto dabei waren, da den Kanonieren durch den Geschützdonner die Trommelfelle geplatzt waren) durch den Oberbefehlshaber Juan d’Austria (Johann von Österreich) besiegt, dem außerehelichen Sohn Kaiser Karl V. (Span. Zweig der Habsburger) mit der Gürtlerstochter Barbara Blomberg aus Regensburg während der Reichstage ebenda gezeugt.

Die Seeschlacht wurde durch die größere Feuerkraft der hochverdichteten Dreylinggeschütze für das vereinigte venezianisch-spanische Heer entschieden.
Adam Dreyling aus Innsbruck, Neffe des Geschützgießers Löffler, wendete den vertikalen Guss wie bei Glocken also auch bei Kanonen an und verkaufte dieses Patent an die Republik Venedig.

„Vorsprung durch Technik.“

1604 wurde über der Bundbalkenanlage der Lederersmühle der „neue liegende Stuhl“, der ab 1430 immer weiter, im Gegensatz zum „stehenden Stuhl“, entwickelt wurde, mit dem Dachgerüst aufgeschlagen und so ein stützenfreier Lagerraum im ersten Dachgeschoß erschaffen, ideal für die Lagerung der Baumrinde, dem Mahlgut in der Lederersmühle.

Ein Dienstleistungskonsortium mit Verkauf oder Lohnmahlen der Schrotrinde für die ortansässigen Rot- und Weißgerber, die uns heute noch als Roth, Weiß und Blos mit den Altdorfer Familiennamen erhalten sind.

Die Mühle liegt am Ende, der zu ihr geneigten Rustikalachse, die Türkeistraße, die am Holzmarkt (für Brennholz, Bauholz wurde ab Wald verkauft) vor der Gaststätte Wolfschlucht beginnt und an der sich beidseitig die Kleinbauernhöfe der nördlichen Gewannen und Fluren reihen, die sich, ob ihrer schwarzen, saueren Böden (Wiesen) nur für die Schafs- oder Ziegenzucht eignen und bildet so eine Wirtschaftseinheit mit den stadtliegenden Hofstellen.

Wirtschaftliches Viertel

Damit erklärt sich auch das nach 1504 vermauerte Tor am Fuß der Türkeistraße, das vormals für den Viehtrieb in die Flur der Talaue und als Dungtor fungierte.
Alteingesessene Altdorfer Familien der Türkeistraße, wie die in der Hs. Nr 13, frühere Sattlerei Weber u. Baumgart,  besitzen heute noch Gärten und Wiesen am Ziegelweg und bezeugen diesen Sachverhalt oder früher der Dienstleister Barth mit seiner Beschlagschmiede unter einer Pferdebrücke Hs. Nr. 16. Die Türkeistraße wurde somit zum wirtschaftlichen Viertel innerhalb der Stadtmauer. Sogar das Observatorium des Abdias Trew hatte dort seinen Standort gen Mittnacht, weil dort der  Nachthimmel nicht lichtgestört war.

Der heutige Aussiedlerhof Müller vor dem Fürstenschlag stammt auch aus der Türkeistraße. Hs. Nr. 20. Vor ihm zog schon in den 1950er Jahren der Gerber’s Weiß, Türkeistr. 33, mit seiner Schafzucht vor die Stadt auf die „stinkerde Wies’n“ mit seinem Aussiedlerhof, der heute schon wieder in der Stadt liegt.
Die Landwirtschaftseinheit war natürlich auch mit der Fazilität einer bürgerlichen Versorgung der „Türkenbrauerei“ Türkeistr. 28, die dieses Stadtquartier bediente, ausgestattet.

Das Braurecht der Wolfschlucht konnte den Bedarf nicht mehr decken. Der Türkenbräu war das innerstädtische Brauhaus und der Nachfolger des unteren Brauhauses. Er wurde im letzten Viertel des 20. Jhds, wie wir alle noch wissen, mit seiner Kegelbahn aufgegeben und abgerissen.

Keimzelle der unteren Vorstadt

Einzig aus der Landwirtschaftsachse Türkeistraße steht noch die sanierte Hofstelle von 1758 des † MdB Georg Stiller, Türkeistr. 11 mit dem markanten Hauszeichen der handlöhnigen Metzger, die Nr. 13 und eben die Lederersmühle von 1604 am Achsenende, Keimzelle der unteren Vorstadt, den 30-jährigen Krieg vor des Städtleins Toren überstanden. Auch ein Monument für die frühe zarte, zähe Existenz der sozialen Marktwirtschaft in dieser Stadt mit dem Marktrecht von bereits 1368.

Ein Ludwig Erhard würde heute, ob dieser Zusammenhänge diese Anlage (histor. Gewerbegebiet) als Beispiel für ein frühes freies Unternehmertum außerhalb der Stadtmauer schnellstens erhalten wissen, nur seine Schüler haben es noch nicht begriffen, sonst würde sie nicht seit 15 Jahren in dem erbärmlichen Zustand vor sich hintreuen und langsam zum merkantilen Bodendenkmal verkommen.

Sie wird in dem Fall die oberste Schicht. Akzente der Demokratie im Postkapitalismus? Für die Pioniere der westlichen Wertegemeinschaft eine bodenlose Schande. Fortfahren und instandsetzen sagten unsere Vorfahren sonst wären wir nicht da wo wir heute sind nach den Desastern Weltkrieg I und Weltkrieg II und das waren die Kartoffelbäuche von Unten, die die Ärmel hochkrempelten, und nicht die Eisbeine von Oben, die kamen erst später daher, als der Käs’ scho g’essen war und schlachteten das Ganze nur noch politisch aus.

Sogar nach 15 Jahren der Untätigkeit durch den Eigentümer Stadt Altdorf steht das Middle-class-monument des ausgequetschten Mittelstands noch immer, nach 410 Jahren – aber es bröselt bedenklich. Liegt es erstmal am Boden wars zu spät.“

Wolfgang Frickert war 1986 Gründungsmitglied der Altdorfer Altstadtfreunde und hat die Lederesmühle ausführlich begutachtet und damit eine höhere Einstufung erreicht.

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