Altdorfer berichten von unerträglichen Belastungen

Klagen über S-Bahn-Lärm

Anwohner in der Schulzestraße in Altdorf sagen, dass die Lärmbelastung an der S-Bahn-Strecke in den vergangenen Jahrzehnten noch nie so schlimm war wie jetzt. Hier misst Uwe Friedel im Garten von Martin Pöllot die Dezibel-Werte. Erneut sind es um die 90 dB. Foto: Alex Blinten2020/07/Altdorf-Rumpelzug-1-scaled.jpg

ALTDORF – Rumpelkurve nennen die Altdorfer die S-Bahn-Strecke zwischen dem Bahnhof und dem Haltepunkt Altdorf West. Hier scheppert und rumpelt es so heftig, dass Anwohner ihre Schlafzimmer in den Keller verlegt haben. Bis zu 90 Dezibel werden auf den Anliegergrundstücken gemessen. Tag und Nacht. Dabei liegt der Lärmschutzrichtwert für vergleichbare Wohngebiete wie im Altdorfer Norden bei 45 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel in der Nacht. Seit Jahren klagen Anwohner über den Lärm, haben Briefe an die Bahn geschrieben und das Rathaus um Unterstützung gebeten. Bislang mit nur mäßigem Erfolg. Es rumpelt weiter.

Uwe Friedel und Martin Pöllot wohnen in der Schulzestraße unmittelbar neben der Bahnstrecke. Die ist nur durch einen Maschendrahtzaun vom Garten der Familie Pöllot getrennt.
Als die beiden vor geraumer Zeit in den angrenzenden Straßen Nachbarn ansprachen und Mitstreiter gegen die Lärmbelastung suchten, hatten sie schnell die Anwohner der Umgebung auf ihrer Seite. Morgens um 4.26 Uhr setzt der Zugverkehr ein, dann kracht und scheppert es, wenn die S-Bahn im Takt zwischen Altdorf-West und Bahnhof durchfährt – bis um sechs Minuten nach Mitternacht der letzte Zug durchrollt.

Dabei gab es in der Vergangenheit durchaus auch ruhigere Zeiten. Vor einigen Jahren wurde das Gleisbett saniert, danach war die Lärmbelastung deutlich geringer. Die Bahn schleift auch immer wieder die Gleise, zuletzt im April 2019. Auch dann wird es erträglicher an der Bahnlinie, erzählen Friedel und Pöllot. Umso schlimmer, dass der alte Rumpeleffekt sich dann nach wenigen Wochen wieder einstellt.

Je schneller, je lauter

Die Anlieger sind realistisch: Wegbringen können sie die S-Bahn nicht. Aber der bestehende Zustand ist ebenso unerträglich wie unakzeptabel. Sie haben deshalb ein ganzes Paket von Vorschlägen geschnürt, die die Situation im Altdorfer Norden verbessern könnte. Da wären zunächst einmal die alten Zuggarnituren, die gegen die neuere Generation ausgetauscht werden müssten. Damit ließe sich ebenso eine Lärmminderung erreichen, wie durch eine Verminderung der Zug-Geschwindigkeit zwischen dem Altdorfer Bahnhof und dem Haltepunkt West. „Je schneller die Züge fahren, desto lauter ist es hier bei uns“, sagt Uwe Friedel. Er schlägt vor, die Fahrzeit zwischen Bahnhof und Haltepunkt von zwei auf drei Minuten zu verlängern.

Viel weiter gehend ist der Vorschlag, einfach weniger Züge bis zum Bahnhof fahren zu lassen und stattdessen den Hauptverkehr über den Haltepunkt Altdorf-West abzuwickeln. Dann würden die Bahnpendler, die mit dem Auto zur S-Bahn fahren, künftig nicht mehr am Bahnhofsparkplatz in der Stadt parken. Es müssten aber Park-Kapazitäten im Bereich des Haltepunkts West geschaffen werden, möglicherweise müsste dort ein Parkdeck entstehen. Die Autos wären dann aus der Stadt heraus, und am Bahnhof würden Flächen für andere Nutzung frei.

Martin Pöllot und Uwe Friedel wissen, dass sie die Unterstützung der Stadt und der Altdorfer Politik brauchen, wenn sie in Sachen Lärmbelästigung weiter kommen wollen. Dabei können sie eigentlich ganz zuversichtlich sein, hatten ihnen doch alle Rathausparteien und die Bürgermeisterkandidaten während des Kommunalwahlkampfs signalisiert, dass sie auf ihrer Seite stehen.

Unerträgliche Lärmbelastung angemahnt

Anfang vergangenen Jahres bereits hatte der damalige Bürgermeister Erich Odörfer bei der Bahn auf die für die Anwohner unerträgliche Lärmbelastung hingewiesen und Verbesserungen angemahnt. Im April ließen die DB-Verantwortlichen dann die Gleise zwar abschleifen, das brachte aber nur kurzzeitige Erleichterung. Zwischenzeitlich, das erzählen Anlieger aus der Schulzestraße, die seit Jahrzehnten hier wohnen, ist es so schlimm wie noch nie.


Sven Radant und Matthias Tyrowski, verantwortlich für die S-Bahn-Netze in der Region, können den Anwohnern nur wenig Hoffnung auf eine Reduzierung der Zuggeschwindigkeit machen. Das habe „keinen positiven Effekt auf das Kurvenquietschen“ und würde das Fahbahnkonzept der Bahn empfindlich stören, stellen sie in einem Schreiben an die Stadt Altdorf im Februar vergangenen Jahres fest.

Und eine Lärmschutzwand? Zu einem Bau ist die Bahn nicht verpflichtet. Sie könnte aber irgendwann einmal kommen, wenn Mittel aus dem freiwilligen Lärmsanierungsprogramm des Bundes zur Verfügung stehen. So lange können die Anwohner nicht warten. Die Häuser, berichten Pöllot und Friedel vibrieren, wenn die S-Bahn vorbei rumpelt. „Rumpelzüge aus der Steinzeit reißen uns und unsere Kinder Tag für Tag und Nacht für Nacht ab 4.26 Uhr im 10-Minuten-Rhythmus mit 90 Dezibel aus dem Schlaf“, klagt Uwe Friedel. Er nennt das Körperverletzung.

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