carisma-Gebrauchtwarenmarkt in Altdorf

Integrieren statt aussortieren

Seit Jahren ein gutes Team (v. l.): Michal Groß, Kirbach Gutmann, Walter Häring, Hanne Neumeier. | Foto: Hofbauer2019/02/Altdorf-carisma-Gebrauchtwaren.jpg

ALTDORF – Vor 10 Jahren eröffnete der carisma-Gebrauchtwarenmarkt in der Altdorfer Meergasse. Seitdem reduziert der Inklusionsbetrieb der Caritas Nürnberger Land, neben dem seit 1995 bestehenden Gebrauchtwarenmarkt in Hersbruck, auf nachhaltige Weise die Müllmenge im Landkreis. 2018 wurden knapp 103 Tonnen Gebrauchtwaren im Altdorfer Markt verkauft und landeten somit nicht in der Tonne.

Im gesamten Landkreis Nürnberger Land belief sich im vergangenen Jahr die so eingesparte Müllmenge auf knapp 400 Tonnen, die zum größten Teil verkauft wurden. Reste, die sich als nicht verkaufbar erweisen, entsorgen carisma-Mitarbeiter beim Wertstoffhof.

Hanne Neumeier, Marktleiterin in Altdorf, freut sich über die gebrauchten, teils neuwertigen Spenden: „Wir nehmen Kleidung, Möbel, Fitnessgeräte, Spielsachen, Geschirr, Elektroartikel, Bücher und Tonträger an. Also fast alles, was noch in Ordnung ist.“

Die Sachen werden auch vom carisma-Team in den Haushalten abgeholt. Dazu kommt zuerst der sogenannte Besichtiger vorbei. Er entscheidet, ob die angedachten Spenden verkaufbar sind. „Denn sonst wäre zu viel Sperrmüll dabei,“ erklärt Neumeier. Der Besichtiger müsse auch „nein“ sagen können.

Wenn die Spenden in Ordnung sind, wird ein Abholtermin vereinbart. Die Abholung ist im Landkreis kostenfrei. Möbel bauen die carisma-Mitarbeiter am liebsten selber ab. Denn dann fällt der Aufbau im Laden leichter. Walter Häring, Leiter des Bereiches Arbeit, Beschäftigung und Qualifizierung der beiden carisma-Märkte in Altdorf und Hersbruck erklärt: „Alle Elektrogeräte werden geprüft, bevor sie im Markt angeboten werden. Teils im Laden, teils in der Werkstatt in Hersbruck. Wenn ein Gerät defekt ist, wird es von uns entsorgt.“

Generell sei das Geschäft mit den Spenden arbeitsintensiv und muss mit äußerster Vorsicht ausgeführt werden. Damit auf dem Weg vom Spender bis zur Präsentation im Laden weder die Ware noch das Umfeld beschädigt werde.

Jeder kann einkaufen

Die Kunden schätzen die günstigen Preise. Schnäppchenjäger kommen laut Neumeier auf ihre Kosten. Immer wieder sind echte Raritäten zum kleinen Preis im Laden zu finden. Neumeier recherchiert oft im Internet zwecks Preisfindung für die Ware.

Kirbach Gutmann, stellvertretende Leiterin in Altdorf sagt: „Pro Tag kommen gut 100 Kunden in den Gebrauchtwarenmarkt. Bunt gemischt – aus einem Querschnitt der Gesellschaft. Vom schmalen bis zum breiten Geldbeutel ist alles dabei. Auch Kunden aus dem Ausland kommen, teilweise mit einem Lkw. Sie verkaufen die Ware zu Hause, in ihrem Land, weiter.“ Wertvolle Gegenstände werden in Internetportalen angeboten. Bei Waren, die lange keinen Abnehmer finden, gibt es Preisreduzierungen.

Wie im konventionellen Möbelgeschäft, bietet carisma Lieferung und Aufbau der Möbel an. Die Lieferung kostet im Stadtgebiet Altdorf bis zur Bordsteinkante, egal welche Menge, 20 Euro. Der Transport ins Haus und der Aufbau werden je nach Aufwand zusätzlich berechnet.

„Hohes Maß an Normalität“

Insgesamt arbeiten im Altdorfer carisma-Gebrauchtwarenmarkt zwölf fest angestellte Mitarbeiter, davon fünf mit seelischer Behinderung, und eine ehrenamtliche Mitarbeiterin.

Michael Groß, geschäftsführender Vorstand des Caritasverbandes im Landkreis Nürnberger Land, erklärt den Grundgedanken des Inklusionsbetriebes von carisma: „Wie können Menschen mit Behinderung in Arbeit gebracht werden und gleichberechtigt mit nicht behinderten Menschen eine verwertbare Arbeit haben, bei der der Unternehmergedanke im Vordergrund steht.“ carisma wurde 1995 als Inklusionsbetrieb mit dem Gebrauchtwarenmarkt in Hersbruck gegründet.

Hinzu kamen in Hersbruck eine Werkstatt für Elektronikarbeiten und eine Montagewerkstatt für Tankstutzen als Autozulieferer für unter anderem Audi, BMW und Opel. Insgesamt arbeiten 56 Menschen bei carisma, davon die Hälfte mit Behinderung.

Groß nennt die Philosophie von carisma: „Die Würde von Menschen mit Behinderung ernst zu nehmen und ein möglichst hohes Maß an Normalität zu bieten. Dazu gehört auch ein Arbeitsplatz.“ Unterstützung erhält carisma vom Inklusionsamt Nürnberg, dem Bezirk Mittelfranken, dem Zentrum Bayern Familie und Soziales und dem Landratsamt Nürnberger Land.

Das Gebrauchtwarenmarkt-Team freut sich weiterhin auf gut erhaltene Spenden und zahlreiche Kunden. Denn auf diese einfache Weise kann jeder – direkt vor Ort – zum Umweltschutz beitragen. Nachhaltig bei carisma einkaufen ist nicht nur im Laden möglich. In Hersbruck finden zusätzliche Märkte statt: Ostermarkt, Gartentage, Weihnachtsmarkt und ein Nostalgiemarkt.

N-Land Tanja Hofbauer
Tanja Hofbauer