Graffiti-Areal

Bürgerbegehren hat Erfolg

Am 24. September soll es einen Bürgerentscheid zur Bebauung des Graffiti-Areals in Altdorf geben, nachdem sich inzwischen über 1400 Bürgerinnen und Bürger in einem Bürgerbegehren gegen die Bebauung des Grundstücks aussprachen. | Foto: Fotolia2017/06/Buergerbegehren.jpg

ALTDORF – Das Bürgerbegehren zum Erhalt des Graffiti-Areals in Altdorf hat einen fulminanten Endspurt hingelegt. Zwischenzeitlich haben über 1400 Bürgerinnen und Bürger per Unterschrift ihre Zustimmung signalisiert. Damit ist das Limit (9 Prozent der Wahlberechtigten in Altdorf) mehr als erfüllt. Ein Befürworter des Bauprojekts, Bürgermeister Erich Odörfer, verfolgt das Geschehen dennoch „ziemlich gelassen“.

„Sind Sie dafür, dass der Stadtrat mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln den ursprünglich für das Graffiti-Areal angestrebten Bebauungsplan Nr. 40, mit geringer Bebauung und Erhalt des Baumbestandes, weiter verfolgen soll?“ 1100 Unterschriften waren nötig, um das Bürgerbegehren zum Erfolg zu bringen und in den Bürgerentscheid münden zu lassen. Der könnte in Altdorf nun am Tag der Bundestagswahl am 24. September stattfinden.

Wie berichtet, will die Firma Kölbl aus Neumarkt als Investor zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Nürnberger Land auf dem Gelände des ehemaligen Graffiti am Unteren Tor in Altdorf eine Senioren-Wohnanlage bauen. Eigentümer des Grundstücks ist die Münchner Firma Inselkammer, von der die Stadt Altdorf im vergangenen Jahr gerne das altstadtnahe Filet-Areal gekauft hätte. Doch Inselkammer hatte andere Interessen, nachdem die Stadt 2014 Pläne der Münchner für eine Bebauung des Graffiti-Areals abgelehnt und einen Bebauungsplan in Auftrag gegeben hatte. Die abgelehnten Pläne stammten von dem, von Inselkammer beauftragten, Altdorfer Architekten Martin Pöllot und sahen eine weitaus moderatere Bebauung des ehemaligen Gaststätten-Geländes vor, als jetzt von Kölbl und AWO geplant. Mit einer Veränderungssperre für das Gelände hat der Altdorfer Stadtrat die Pöllot-Pläne dann ausgebremst. Die Verantwortlichen hofften dann vergeblich darauf, dass Inselkammer an die Stadt verkaufen würde.

„Massive Bebauung“

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens wollen nun, dass der von Architekt Hubert Kress erstellte Bebauungsplan für das Graffiti-Grundstück weiter verfolgt werden soll. Zu massiv sei das von Kölbl und AWO geplante Vorhaben am Eingang zur Altstadt. „Eine massive Bebauung an diesem historischen und besonderen Ort darf es unserer Meinung nach nicht geben“, begründen Bernd Distler und weitere Initiatoren des Bürgerbegehrens ihren Widerstand gegen die Pläne für die Seniorenwohnanlage. Beim Graffiti-Areal handelt es sich für Distler und seine Mitstreiter um eines der letzten, unbebauten Grundstücke entlang der historischen Stadtmauer. Den Garten, den Baudergraben und den Baumbestand wollen die Gegner der Kölbl- und AWO-Pläne erhalten, die bestehende Bebauung sollte nur minimal erweitert werden. Unterstützt wird das Bürgerbegehren von SPD und Grünen in Altdorf.

Odörfer „ziemlich gelassen“

Die Mehrheit von CSU, FW/UNA und Bürgermeister Erich Odörfer sprechen sich jedoch für eine Senioren-Wohnanlage auf dem Graffiti-Areal aus. Das aktuelle Geschehen verfolgt Odörfer „ziemlich gelassen“, wie er selbst sagt. Noch liegen ihm schließlich keine Unterschriften vor. Somit könne die Stadt auch nicht prüfen, ob die Unterschriften echt und das Begehren formal korrekt sind. Nicht zuletzt merkt er die politische Halbwertszeit eines solchen Bürgerentscheids an: ein Jahr. Danach könnte die Stadt bereits neu entscheiden und eine andere Richtung einschlagen.

Wir brauchen jedenfalls dringend seniorengerechten Wohnraum“, erklärt Odörfer abschließend und verweist auf zwei Altdorfer Seniorenheime, die in jüngster Vergangenheit geschlossen haben: das ehemalige Altenheim Haas und der Waldfrieden in Röthenbach. Viele der Bewohner fanden eine neue Heimat in den AWO-Altenheimen in Schwarzenbruck und Mimberg. In Altdorf aber, da sind sich die Fraktionen von CSU und FW/UNA einig, werden dringend Wohnungen für Senioren gebraucht – unbedingt auch in unmittelbarer Nähe zum Zentrum.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten