„Biedermeiersches“ Idyll

GRÜNSBERG – Zwei Liederzyklen und einige ausgewählte Lieder des 1810 in Zwickau geborenen Komponisten Robert Schumann stehen auf dem Programm des Liederabends, den die Stromersche Kultur Denkmal und Naturstiftung am Sonntag, 19. September, um 19.30 Uhr in der Burgkapelle von Burg Grünsberg bei Altdorf veranstaltet. Es musiziert das „Trio Belcanto“ mit der Sopranistin Gabriele Weidinger, dem Bariton Kurt Weikert und der Pianistin Eva Herrmann, alle drei dem Grünsberger Publikum bestens bekannte Vollblut-Musiker.

Das Konzert beginnt mit dem Zyklus „Frauenliebe und -leben“ nach Texten von Adalbert von Chamisso. In sieben Liedern wird der seelische Zustand einer liebenden Frau von der ersten Begegnung mit dem Geliebten über Heirat, Geburt des Kindes bis hin zum Tod des Mannes beschrieben und musikalisch – psychologisch analysiert. Singstimme und Begleitinstrument Klavier sind in ständiger Kommunikation. Das Nachspiel nimmt die ersten Takte des Zyklus wieder auf, die Frau – zu Beginn des Zyklus unter ihren Schwestern lebend, aber trotzdem „alleine“, zieht sich in ihr „Inneres still zurück“, um nur noch im Gedenken an den gestorbenen Liebsten zu leben.

Natürlich: Für „Emanzipierte“ ist der Zyklus „nichts“. Eine biedermeierliche Geschichte aus dem Großbürgertum, aber mit viel Tiefgang. Und gerade die unglaublich einfühlsame Musik Schumanns nimmt auch für den modernen Zuhörer jede vermeintliche Peinlichkeit aus der Geschichte.

Gott sei Dank hat Schumann das letzte Gedicht nicht vertont. Von Chamisso schrieb nämlich noch ein abschließendes Gedicht, in dem die Witwe im Kreise ihrer Kinder und Kindeskinder einen geruhsamen Lebensabend führt. Das allerdings wäre dann wirklich etwas kitschig, ein „biedermeiersches“ Idyll. Hier sieht man deutlich, dass sich Schumann wirklich sehr mit den von ihm vertonten Liedertexten beschäftigte. Bei ihm findet man fast nur „hochwertige“ Textvorlagen, anders als zum Beispiel bei Schubert, der durch seine Vertonungen viele Gedichte, die man heute kaum mehr kennen würde, „geadelt“ hat.

Dies gilt natürlich in ganz besonderem Maße für die „Dichterliebe“ op. 48. Die Texte dazu stammen von Heinrich Heine, der in Deutschland oft sehr verkannt wurde. Vor allem im Dritten Reich kam es zu der kuriosen Situation, als man die Werke von Heine zwar als entartete Kunst bezeichnete und seine Bücher verbrannte, andererseits aber sich nicht traute, sein bekanntestes Gedicht, die „Loreley“, zu missachten. Dies bezeichnete man dann als „Deutsches Volkslied – Dichter unbekannt“.

Schumann vertonte sehr viele Gedichte Heines. Die „Dichterliebe“ op. 48 enthält 16 Gedichte aus Heines gleichnamigem Zyklus. Ebenfalls aus dieser Reihe von Gedichten wurde der Liederkreis op. 24 komponiert.

Von „Im wunderschönen Monat Mai, als alle Knospen sprangen, da ist in meinem Herzen die Liebe aufgegangen“ bis „wisst ihr, warum der Sarg denn so groß und schwer mag sein? Ich senkt‘ auch meine Liebe und meinen Schmerz hinein“ spannt sich der Bogen der unglücklichen Liebe, die der Dichter selbst durchlitten hatte.

Wie auch im Chamisso-Zyklus hat das nicht nur „begleitende“ Klavier die Aufgabe, die Stimmungen der einzelnen Lieder zu „malen“ und psychologisch zu hinterleuchten. Je nach Charakter der einzelnen Miniaturen führt die Pianistin den Sänger teilweise im „Volkston“, andererseits mit äußerst raffinierten Harmonien und mit wahrhaft virtuosen Passagen: ein „Klavierspieler“ ist bei der Dichterliebe überfordert. Hier braucht es Partner, welche jede Note und jede Stimmung des anderen genau kennen und sich die Energien gegenseitig zuspielen können.

Im dritten Teil des Abends dann noch einige sehr bekannte, aber auch weniger bekannte Lieder nach Textvorlagen verschiedener Dichter. Heine wird dem Publikum nochmals mit einigen Liedern (von der „Lotosblume“ bis hin zu den „beiden Grenadieren“) begegnen. Auch von Chamisso steht nochmals mit der eindrucksvollen Ballade „Die Löwenbraut“ auf dem Programm. Auch der Dichterfürst Goethe kommt unter anderem mit einem Duett „Ich denke dein“ zu Wort. Spanisches Kolorit verbreitet der „Hidalgo“ von Emanuel Geibel.

Karten für den Abend gibt es bei der Buchhandlung Lilliput in Altdorf, Obere Wehd 7, Telefon 09187/902760, unter den E-Mail-Adressen: [email protected] und Belcanto-Musikalien @arcor.de sowie an der Abendkasse.

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