Psychosoziale Notfallversorgung übernehmen Geistliche aus dem Landkreis

Beistand nach erfolgloser Reanimierung

Pfarrer Volker Dörrich. Foto: Hungershausen2014/11/altdorfdoerrich_New_1416840901.jpg

ALTDORF – Seit acht Jahren besteht im Landkreis Nürnberger Land eine Arbeitsgemeinschaft PSNV (Psychosoziale Notfallversorgung). Dieser AG gehören an: Zwei Pfarrer aus dem Evang.-Luth. Dekanat Hersbruck, eine katholische Pastoralreferentin, ein katholischer Pfarrer aus Altdorf, zwei Mitarbeiter des BRK, sowie aus dem Evang.-Luth. Dekanat Altdorf die Pfarrer Volker Dörrich, Benjamin Schimmel, Barbara und Roland Thie, Jörg Petschat und Barbara Overmann, sowie Ernst Klier, Diakon im Ruhestand. Ein weiterer Diakon aus Hersbruck kommt noch dazu. Mit diesem Personenkreis können alle Tage des Jahres rund um die Uhr abgedeckt werden.

Diakon Martin Winkler steht mit einem Team für die Betreuung der Einsatzkräfte zur Verfügung. Das Einsatzgebiet umfasst nahezu den gesamten Landkreis Nürnberger Land.

Die Alarmierung erfolgt durch die integrierte Rettungsleitstelle Nürnberg. Diese wählt eine hinterlegte Handynummer oder löst Alarm über einen Fernmeldeempfänger aus. Der alarmierte Diensthabende versucht sofort, den zuständigen Ortspfarrer im Notfallgebiet zu erreichen. Das ist vor allem nachts nicht immer möglich. Viele Geistliche im Dekanat Altdorf haben deshalb ihre privaten Handynummern hinterlegt. Wenn niemand erreicht wird, übernimmt der Diensthabende selbst den Einsatz.

Überbringen einer Todesnachricht

Typische Einsätze für die Notfallseelsorger sind die Begleitung der Polizei beim Überbringen einer Todesnachricht, Beistand nach einer erfolglosen Reanimierung, plötzlicher Kindstod oder Beistand der Angehörigen nach dem Suizid eines Familienmitglieds. Meist sind es also innerhäusliche Einsätze. Die Notfallseelsorge wird aber ab und zu auch zu außerhäuslichen Einsätzen wie Autounfällen oder Bränden gerufen. „Im zurückliegenden Berichtsjahr hatten wir einen Großeinsatz bei einem vermuteten Amoklauf in einer Schule in Hersbruck“, so Volker Dörrich.

Der Bereitschaftsdienst geschieht meist wochenweise, die Mitarbeitenden des BRK übernehmen relativ regelmäßig Dienst am Wochenende, inzwischen vermehrt auch unter der Woche. In der Regel wird montags eine Rufumleitung auf das Handy der Diensthabenden geschaltet. Die Bereitschaftsplanung wird in einem von der Landeskirche zur Verfügung gestellten Internet-Terminkalender vorgenommen.

Pfarrer Volker Dörrich, der Beauftragte für die NFS, ist zuständig für Organisation der Treffen der Notfallseelsorger, die Überwachung der Dienstpläne, für die Schaltung der Handys und die Archivierung der Berichte und Bereitschaftspläne. Er übernimmt, wie alle anderen Helfer auch, wochenweise Dienst. Dörrich nimmt an der Konferenz der mittelfränkischen NFS-Systeme teil und an der Landeskonferenz der Beauftragten für die NFS. Bei der Einrichtung einer gesamt-psychosozialen Notfallversorgung auf Landkreisebene vertritt er das Dekanat bei den Verhandlungen.

Prozess vorangekommen

Beraten und gelegentlich auch personell unterstützt wird die AG von Diakon Andreas Stahl, einem der landeskirchlichen Beauftragten.

Die Herausforderung der kommenden Zeit bleibe die Etablierung eines PSNV-Gesamtsystems. Der Prozess sei – auch aufgrund personeller Veränderungen auf Seiten des BRK – deutlich vorangekommen, werde sich aber noch über einen längeren Zeitraum hinziehen, vermutet Dörrich. Das Landratsamt habe die Federführung übernommen und ein Gremium eingerichtet. Momentan gehe es in diesem Gremium vor allem um Pläne zur Bewältigung von Großschadenslagen.

Pfarrer Dörrich betont: „Ich halte die NFS für eine wichtige Aufgabe der Volkskirche“. Auch wenn der Bereitschaftsdienst und die Einsätze belasten, seien sie auf der anderen Seite sehr bereichernd.

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