Altdorfer Handelspforte nach Osten in Richtung Pfalz

Horst Petzinger (Mitte) überreichte ein Exemplar der neuen Schrift von Wolfgang Fricke (rechts) an Bürgermeister Erich Odörfer (links). Foto: Hungershausen2010/10/fricke_New_1286197922.jpg

ALTDORF – Bei der Feier zum 25-jährigen Jubiläum der Altdorfer Altstadtfreunde wurde ein Sonderdruck des Vereins vorgestellt. „Das Untere Tor in Altdorf“ ist der Titel der Monographie von Wolfgang Frickert. Vorsitzender Horst Petzinger und der Autor überreichten an Bürgermeister Erich Odörfer ein Exemplar der Schrift für das Altdorfer Stadtarchiv.

Den Rahmen dieser Monographie bildet die Chronologie Altdorfs im Mittelalter beziehungsweise im 14. Jahrhundert. In diese Zeit fällt nämlich der Bau der Stadtmauer und Stadttore. Hier ist die Aktenlage sehr dünn, aber der Autor konnte Eckdaten verschiedener Provenienz zusammentragen und die Besitzer und Zugehörigkeit Altdorfs stichpunktartig seit dem 10. Jahrhundert bis 1504 (nach dem Landshuter Erbfolgekrieg fiel Altdorf an Nürnberg) auflisten, als Grundlage für weitere Forschungen auf diesem Sektor.

Ein weiterer Rahmen beleuchtet die Ausdehnung der Stadt nach Osten als städtebauliches und sozialräumliches Memorandum.

Altdorf, laut Frickert „die Landschaftsperle Ostfrankens“, gehörte 1395 bis 1504 zur Pfalz und war damit Frontstadt gegen die Reichsstadt Nürnberg. Das Handelstor nach Osten, das Untere Tor, war in dieser Zeit der Stadtbefestigung mit Mauern und Türmen, der wichtigste und am meisten frequentierte Stadtzugang. Altdorf hatte zu der Zeit pfälzische Pfleger, bis es 1504 im Landshuter Erbfolgekrieg von Nürnberg annektiert wurde. Im 14. Jahrhundert war es zweimal verpfändet worden, hatte mehrere Landesherren und diente als Heiratsgut für König Albrecht I., Burggraf von Nürnberg.

Dieser historische Kontext der großen Hofmark Altdorf seit 1065 n.Chr. wird anhand der Eckdaten des 12., 13. und 14. Jahrhunderts als Strang über den Bau der Wehrbefestigung Altdorfs gelegt mit dem Fokus auf das Untere Tor. In den Jahren 1999 bis 2001 wurde der Turm saniert und als Gästeturm der Stadt hergerichtet.

Bis zu seiner Sanierung führte der Untere Torturm ein jämmerliches Dasein ohne besondere Widmung und Nutzung, ein Relikt aus vergangenen Tagen. 1996 wurden die Altdorfer Altstadtfreunde aktiv und sammelten für die Instandsetzung des Unteren Tores und seine Nutzungsaktivierung als Gästeturm für die Besucher aus den europäischen Partnergemeinden. Im September 2001 konnten der Turm und das angrenzende erschließende Gebäude Schmiedgasse 1, ihrer Bestimmung übergeben werden. Das Tor wurde so vor dem sicheren Verfall bewahrt und bildet heute den mittelalterlichen Abschluss des Marktplatzes nach Osten und das repräsentative Ost-Entree in die Stadt. Das Untere Tor hat sich innerhalb der letzten Jahre als Gästeturm der Stadt bewährt und den Besuchern viel Freude bereitet. Außerdem hat es sich zum Symbol der Unteren Vorstadt gemausert. Das Tor ist das erste Bauwerk Altdorfs, das mit Städtebauförderungsmitteln saniert, instand gesetzt und einer neuen Nutzung zugeführt werden konnte.

Wie Wolfgang Frickert dazu kam, sich so ausführlich mit der Stadtgeschichte zu befassen, das erklärt er mit Erfahrungen aus seiner Schulzeit, in der die Liebe zu seiner Heimatstadt geweckt wurde nach dem Motto: Identifikation durch regionale Eigenheit. In der vierten Volksschulklasse hatte der Autor einen rührig bemühten Klasslehrer in Heimatkunde, der anhand eines Geländemodells von Altdorf und Umgebung anschaulichen Heimatkundeunterricht gab. Am Lehrmittel im mit Blech ausgeschlagenen Sandkasten kennzeichnete er markante Gebäude mit Stricknadeln. Doch er konnte dem Schüler nichts Genaueres über die Stadt im Mittelalter berichten, das Gymnasium auch nicht. 50 Jahre hat Wolfgang Frickert also gewartet, aber es ist nie etwas über Altdorf im Mittelalter veröffentlicht worden. „Und was man nicht weiß, muss man sich erklären – also habe ich mich dieser Sache angenommen und anhand des Unteren Tors, dass ich sanieren durfte, erklärt“, so Frickert im Gespräch.

Bei der Jubiläumsfeier richtete er einen Appell an die Zuhörer, die Anliegen der Altstadtfreunde zu unterstützen und Spendengelder nicht obskuren Vereinigungen zukommen zu lassen, sondern lieber zugunsten des Stadtbilds einzusetzen.

Die reich bebilderte Abhandlung über das Untere Tor kann man in den Buchhandlungen Lilliput, Pranz und in der Missionsbuchhandlung erhalten. sb/16

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