Europawahl 2019

Altdorf demonstriert für Europa

Demonstration für Europa auf dem Marktplatz in Altdorf: Die überparteiliche Europa Union hatte zur Teilnahme eingeladen und Parteien und Organisationen waren dabei. Dauerregen und Kälte sorgten allerdings dafür, dass die Veranstaltung kein größeres Publikum hatte | Foto: Alex Blinten2019/05/Altdorf-Europa.jpg

ALTDORF. Der Leiter des Verbindungsbüros des Europäischen Parlaments, Tobias Winkler, warb auf Veranstaltung der Europa Union in Altdorf für den Urnengang am 26. Mai.

Wettertechnisch hat Europa in Altdorf einen schweren Stand. Zuerst fiel das Europafest der SPD buchstäblich ins Wasser, dann drohte auch der Veranstaltung der überparteilichen Europa Union (EU) auf dem Marktplatz die kurzfristige Absage, weil es ununterbrochen regnete. Hartgesottene Europäer lassen sich aber auch von Dauerregen nicht beeindrucken.

Gut besucht trotz Dauerregen

Deshalb kamen trotz des schlechten Wetters mehr Teilnehmer zur Veranstaltung der EU, als von Christian Lamprecht erwartet. Der Kreisvorsitzende der Europa Union hatte befürchtet, dass sich möglicherweise nur eine Handvoll Interessierter das Statement von Tobias Winkler am nasskalten Maiabend auf dem Altdorfer Markt anhören wollten.

Winkler ist Leiter des Verbindungsbüros des Europäischen Parlaments in München, tourt derzeit durch Bayern und Baden Württemberg und appelliert an die Bürger, am 26. Mai zur Europa-Wahl zu gehen. Innerhalb weniger Wochen war er jetzt bereits zum dritten Mal im Nürnberger Land. Zuerst auf einer Veranstaltung des Leibniz-Gymnasiums mit der SPD-Europaabgeordneten Kerstin Westphal, dann in Oberferrieden mit Edmund Stoiber und jetzt eben auf dem Marktplatz in Altdorf.

„Frieden sichern“

Der ehemalige Büroleiter des EU-Parlamentspräsidenten brennt für Europa. Eindringlich warnte er vor nationalistischen und radikalen Kräften, die das in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaute Europa zerstören wollen. „Diese Kräfte wollen zurück zum Nationalismus, den wir doch überwunden und damit unseren Frieden gesichert haben.“ Für Winkler steht deshalb fest, dass die jetzigen Wahlen anders sind als alle Europa-Wahlen zuvor.

Harter Wettbewerb

Wirtschaftlich ist Europa zwar stark, wird aber von China überholt werden, das innerhalb von zehn Jahren seine Wirtschaftskraft verdreifachte. „Mit einem System, das auf Ausbeutung beruht“, mahnte Winkler. Im Wettbewerb mit Chinesen und Amerikanern können einzelne europäische Nationalstaaten nach Überzeugung Winklers allerdings kaum konkurrieren. Das gelingt nur gemeinsam, als europäische Union.

Stichwort Wettbewerb: In Afrika haben die Chinesen derzeit sowohl Amerikaner als auch Europäer aus dem Rennen geworfen beim Kampf um Einfluss in den einzelnen Staaten. Menschenwürde, Selbstbestimmung, Freiheit – all das spielt für die Investoren aus Fernost laut Winkler kaum eine Rolle. „Wir müssen aber den Afrikanern die Chance geben, ein würdevolles Leben selbst zu gestalten“, sagt er.

„Europäisches Facebook und Google“

Europa müsse sich wieder auf seine Stärken besinnen. Es ist im Bereich Internet und Digitalisierung inzwischen abgehängt. Deshalb Winklers Forderung: „Wir brauchen ein europäisches Facebook und ein europäische Google.“ Möglich ist vieles. Während die Europäer im IT-Bereich aufholen müssen, haben die Amerikaner Nachholbedarf beim Datenschutz. So hat der Apple-Chef Tim Cook kürzlich gesagt, dass die USA etwas ähnliches brauche wie die in Europa auf den Weg gebrachte Datenschutzgrundverordnung.

„Europaparlament ist Ihre Stimme“

Winkler schloss mit dem Appell an sein Publikum, nicht nur wählen zu gehen, sondern viele Menschen davon zu überzeugen, an der Europawahl am 26. Mai teilzunehmen. „Das Europaparlament ist ihre Stimme, es war noch nie so stark wie jetzt.“ Deshalb gebe es keine Ausrede zum Nichtwählen.

Bei den Europawahlen 2014 lag die Wahlbeteiligung in Bayern bei 41 Prozent, deutlich unter der bundesweiten Beteiligung von 48 Prozent. Winkler ist zuversichtlich, dass sich jetzt mehr Menschen entscheiden werden, ihre Stimme für das Europaparlament abzugeben.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten