Alternative in Corona-Zeiten?

Ja und nein zur „Kirwa to go“

Einen Kirwabaum im kleinen Format hatten die Henfenfelder in diesem Jahr trotzdem. | Foto: J. Dechant2020/08/Kirwabaum-am-Rathaus-9636.jpg

HARTMANNSHOF / HENFENFELD – Der Sommer im Nürnberger Land steht ganz im Zeichen der unzähligen Kirchweihen – doch die entfielen in diesem Jahr coronabedingt größtenteils. Mancherorts gibt es eine „Kirwa to go“ – mit Speisen und Getränken zum Mitnehmen. Warum dieses Modell aber nicht bei allen Kirwavereinen auf Zustimmung stößt, erklärt der Vorsitzende der Kirwagemeinschaft Henfenfeld.

Eine Vorreiterrolle in Sachen Kirwa haben die Hartmannshofer übernommen: Im Juni feierten sie eine erfolgreiche „Kirwa to go“, wie Koordinator Michael Müller berichtet: „Es war natürlich anders als sonst – aber sehr schön.“ Den Hartmannshofern war damals klar, es brauche in Corona-Zeiten wieder etwas „Schönes“, und so stellten sie die Kirwa zum Mitnehmen auf die Beine – mit Hähnchen, Haxe, Schaschlik, Fischsemmeln, Süßwaren und Bier für das Kirwaflair auf dem Balkon.

Doch nicht nur das: Sie wollten damals den heimischen Betrieben auch eine Plattform bieten, um nach dem Lockdown zu zeigen: „Wir sind noch da“ – ob Brauerei, Zeltverleih oder Süßwarenstand. „Alle Beteiligten waren den Umständen entsprechend zufrieden“, so Müller. Die Hygieneregeln hielten die Gäste diszipliniert ein – ein Grund, warum die „Kirwa to go“ so ein Erfolg war.

Ob Müller und sein Team noch einmal so eine „Ausnahme-Kirwa“ organisieren würden, da ist er sich nicht sicher, auch in Anbetracht des großen Aufwands für Genehmigungen und Vorbereitung der außergewöhnlichen Kirwa. Derzeit laufen schon die Planungen für das große Feuerwehrfest im kommenden Jahr. Doch die wieder steigenden Fallzahlen stimmen ihn eher skeptisch, dass das wie geplant stattfindet.

Ausreichend Vorlaufzeit

Wie viel Organisation schon für eine „normale“ Kirwa nötig ist, weiß auch Darius Holweg, Vorsitzender des Kirwavereins Henfenfeld. „Nach der Kirwa ist vor der Kirwa“, sagt Holweg. Schon im September des Vorjahres beginnt der Vorstand, die Kirwa im kommenden Jahr vorzubereiten: Zelt, Musikband, Speisen und Getränke benötigen Vorlaufzeit, und das nicht zu knapp.

Im März wurde das Veranstaltungsverbot zum ersten Mal verhängt, im Juni dann verlängert. Der Vorstand musste zügig beschließen, ob eine Kirwa stattfinden soll oder nicht. Die Henfenfelder entschieden sich gegen jegliche Form des Festes: „Das war auch für uns kein einfacher Entschluss, aber wir wollten die Gesundheit der Gäste und Vereinsmitglieder nicht aufs Spiel setzen“, so Holweg.

Die Gründe sind einfach: Coronaregeln wie Abstand halten und Maske tragen seien auf einer Kirwa oftmals schwierig einzuhalten, erklärt Holweg: „Neben den Vereinsmitgliedern unterstützen auch viele freiwillige Helfer – es sind also viele Personen gleichzeitig vor Ort. Ob alle die Maske ständig tragen oder sich beim Betreten und Verlassen des Geländes jeder die Hände desinfiziert, ist dann kaum noch kontrollierbar.“

Wenn die Masken fallen

Dazu kommt noch der Alkohol: Ab einem gewissen Konsum verfliege die Disziplin zu Desinfektion, Maske und Abstand – dieses Risiko wollten der „Kirwachef“ und sein Team nicht eingehen. Eine „Kirwa to go“ kam für Holweg nicht in Frage: „Ist die denn wirklich ‚to go‘? Letztendlich sammelt sich die Menschenmasse dann nicht mehr im Festzelt, sondern rund um den Pilsstand.“ Auch hier würde der Alkoholkonsum die Einhaltung der Regeln beeinträchtigen. Und um auf Vorbestellung zu grillen, wie es in Hartmannshof der Fall war, dafür sei der Aufwand zu hoch.

2021 im Blick

Ausschlaggebend zur Absage des Festes war jedoch das Bewusstsein, durch unvorsichtiges Verhalten andere zu gefährden und im schlimmsten Falle zu einer zweiten Welle mit beizutragen. Das erläuterte der Vorstand auch auf der Facebookseite des Kirwavereins in einem offiziellen Statement. Den Kopf in den Sand stecken, das will Darius Holweg nicht: „Wir freuen uns schon jetzt auf nächstes Jahr und verwenden alle gesammelten Kräfte für die Kirchweih dann 2021.“ Immerhin wurde der Kirchweihsonntag mit dem traditionellen Gottesdienst und einem kleinen Baum festlich begangen.

In anderen Orten im Landkreis, wie etwa in Alfeld, steht die Kirwa noch aus. Ob oder in welchem Ausmaß die in diesem Jahr gefeiert wird, ist derzeit vielerorts allerdings noch unklar.

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