Wunderbares italienisches Kultur-Event

Was für ein Abend

„30 Jahre Camminando“ – Singer-Songwriter Pippo Pollina beim Auftritt in der Feuchter Reichswaldhalle | Foto: Dorothee Krätzer2019/11/Feucht-Pollina_RWH_11-2019_202.jpg

Feucht. Pippo Pollina und Freunde gastierten in der Reichswaldhalle. Wer als Straßenmusiker Erfolg hat, beherrscht es, mit seiner Musik Vorbeigehende so zu berühren, dass sie innehalten und zuhören. Pollina, seit Jahrzehnten beliebter Singer-Songwriter und gefeierter Gast in Feucht, ging durch diese Schule auf der Straße.

Wie kaum ein anderer versteht es der gefeierte Musiker seine Geschichten zu erzählen, sei es in seinen mitreißenden Liedern oder in den unterhaltsamen Anekdoten zu ihrer Entstehung. Mit Franken und Feucht verbindet ihn vieles, nicht zuletzt spielte er hier schon als noch unbekannter junger Mann.

„Nach Hause kommen“
Es fühle sich an wie nach Hause zu kommen, konstatierte er gleich zu Beginn seines Konzerts und erinnerte locker plaudernd an seine ersten Konzerte, damals noch bei Veranstalter Schall & Rauch. Ein „Best of“ aus 30 Jahren Camminando – unterwegs sein – hatte der in Palermo aufgewachsene Cantautore im Gepäck. „Lieblingslieder und Geschichten“ nennt er sie, die er mit und für neue und alte Freunde sang sowie mit Gitarre / E-Piano begleitete.

Ausdrucksstark und gefühlvoll
Einer, der sicher zu den langjährigen Wegbegleitern zählt, ist Musikerfreund Roberto Petroli (Saxophon, Klarinette). Wie Pollina zog der studierte Musiker aus Italien (Bari) nach Zürich und begleitet Pollina seit über zehn Jahren. Mit seinen ausdruckstarken, gefühlvollen Soli unterstrich er die Stimmung der Lieder, mal wehmütig-nachdenklich, mal fröhlich wie zu einer „Festa“ aufspielend. Als Mann für den Rhythmus ergänzte Fabrizio Giambanco (Schlagzeug) das Trio zudem als Chor die Sängerinnen Claudia Sala, Adriana und Roberta Prestigiacomo.
Für die vielen Pippo-Fans, die ihm bis aus der Schweiz nachgereist waren, war das Wiederhören einiger der schönsten und berührendsten „Pippo-Lieblingslieder“ großartig. Doch Pollina wäre nicht er, wenn er sie nicht immer wieder anders interpretieren würde. So klingen „Centopassi“, „Sambadio“, „Leo“ – ein Lied gewidmet dem Chansonnier Leo Ferré – bekannt, aber etwas anders gesungen oder mit verändertem Rhythmus doch auch wieder neu. Wie immer mal an den Tasten, mal die Gitarre umgehängt, verzauberte Pollina mit seiner Musik, einer Mischung aus Italo-Pop mit Ohrwurm-Qualität und berührender Ballade. Dazu seine Stimme, die er virtuos einsetzt, zurückgenommen, zur Musik fast flüsternd, rau, dann wieder leidenschaftlich aus vollem Halse singend, erzählt er seine Geschichten, Beobachtungen, Begegnungen.

Kampf gegen die Mafia

Sie handeln von Freundschaft, Liebe und nicht zuletzt vom Kampf gegen Ungerechtigkeit. Für Pollina, dessen Berufsziel ursprünglich „Journalist“ lautete, sein Weg im Kampf gegen die Mafia: musikalische Denkmäler für Anti-Mafia-Kämpfer wie Guiseppe „Beppino“ Impastato (Lied „Centopassi“) oder den chilenischen Musiker und Regisseur Victor Jarra (Lied „Il giorno del falco“). Auch Boxlegende Muhammad Ali (Cassius Clay) zählt Pollina dazu, lässt dafür Videoaufzeichnungen abspielen („A mani basse“).
Pollina berührt
Ob allein zur Gitarre, ob zusammen mit Chor und Musikern – Pollina berührt. Restlos in die Herzen seiner Zuhörer spielte er sich mit den Zugaben. Als „Camminando“, „Bella ciao“ und Co. erklangen, gab es kein Halten, standen alle in der Reichswaldhalle, tanzten und klatschten im Takt.
Ein wunderbarer „italienischer“ Abend, oder, um es mit Pollina zu sagen: „La vita e bella cosi“ – was für ein Abend.

N-Land Dorothée Krätzer
Dorothée Krätzer