Vernissage mit Bilder von Walter Raum

Von der Heilkraft der Kunst

Vernissage einmal anders: Anstatt in den engen Räumen des Kunstmuseums fand die Ausstellungseröffnung im Freien statt. Werner Knaupp (rechts) hielt die Laudatio zu Walter Raums Werken. | Foto: U. Scharrer2020/10/Vernissage-Walter-Raum.jpg

HERSBRUCK – „Hersbruck kann auf seinen großen Sohn stolz sein!“ – Professor Werner Knaupp, Freund der Familie und profunder Kenner der Kunst Walter Raums, machte klar, welche Ehre es sei, dass „ein außergewöhnlicher, großartiger, international erfolgreicher Künstler mit seinen Werken zu seinen Wurzeln, seinem Geburtsort Hersbruck zurückkehrt.“ Eine thematisch zusammengehörende Werkgruppe, die „Wund-Bilder“, sind bis 14. Februar im Kunstmuseum Hersbruck zu sehen.

Sich den Eindrücken dieser Bilder zu entziehen, ist unmöglich. Dicht an dicht gehängt in den zwei kleinen Ausstellungsräumen des Kunstmuseums am Spitaltor, sind die großformatigen Arbeiten auf Papier von drei Farben bestimmt: Schwarz, Weiß und ein leuchtendes Rot. Es steht für den Lebenssaft, das Blut. In den als archaische Torsi angelegten Körpern pulsiert es kraftvoll oder sickert unbarmherzig durch grob genähte Wunden.

Mit Strichen, die mit lang zurückgehaltener Energie aufgeladen sind, fetzte Walter Raum die Pinsel- und Kreidestriche aufs Papier. Er verdichtete sie zu schweren Körpergebilden oder ließ sie flirrend im Hintergrund vibrieren. Dem Betrachter im Kunstmuseum vermittelt die kraftvolle Malerei die Wucht der Erlebnisse, die hinter dieser Kunst steckt.

Uniform statt Liebe

„Als 18-Jährigem, wo andere spätestens die Liebe entdecken, wurde Walter Raum (1923 bis 2009) eine sichtbar zu große Uniform übergestülpt, und er musste von heute auf morgen lernen, im Ernstfall als Erster zu schießen.“ Werner Knaupp, ehemaliger Professor an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, zeichnet ein deutliches Bild der Schrecken des Zweiten Weltkrieges, die den jungen Walter Raum ein Leben lang nicht losließen. Deswegen, so Knaupp, seien die Wund-Bilder auch „keine blutrünstigen, sensationsheischenden Illustrationen, nein, da gingen erlittene, unvorstellbare, unmenschliche Grausamkeiten voraus!“ (Die vollständige Rede von Professor Knaupp kann auf der Homepage des Kunstmuseums nachgelesen werden.)

Werner Knaupp weiß, wovon er spricht. Einerseits hat sich ihm der enge Freund und Kollege Walter Raum in ihren Begegnungen als einem der wenigen Menschen in seinem Leben anvertraut. Andererseits setzt sich auch Knaupp in seinem Werk mit den Grenzsituationen menschlicher Existenz auseinander.

Wie ein Vulkanausbruch

Der Beginn ihrer Freundschaft fällt in die Zeit der 1980er Jahre, als, „einem gewaltigen Vulkanausbruch gleichend“, die Serie der Wund-Bilder aus Raum herausbrach und sich innerhalb eines Jahres in 100 Arbeiten entlud. Damals verspürte Walter Raum die heilende Wirkung der Kunst, versicherte sich im Malprozess seiner eigenen Existenz und verspürte sogar Glück in seinem Arbeiten.

Ein Gazeverband notdürftig über eine Wunde gebreitet und schon wieder durchgeblutet – Walter Raums Wund-Bilder sind nicht selten drastisch. | Foto: T. Raum2020/10/Wunde-Walter-Raum.jpg

Das alles ist keine leichte Kost. Die Last der Erinnerungen, denen Walter Raum nicht mehr ausweichen konnte und wollte und die er in die ausgestellten Bilder packte, ist kein leicht zu konsumierendes Feierabendhäppchen. Das haben laut Werner Knaupp zu Lebzeiten Raums ihm auch etliche Kunstinteressierte gesagt.

Malen als Katalysator

Doch wer sehen möchte, wie sich in schonungsloser Ehrlichkeit ein Maler den Traumata seines Lebens stellt, welche zeitlose Energie in den Arbeiten gespeichert ist und wie kreatives Schaffen als Katalysator wirken kann, der sollte sich diese Ausstellung ansehen. „Wenn ich male, bin ich!“, hat Walter Raum gesagt. Das ist in dieser Werkschau spürbar. In einer Vitrine ergänzen schriftliche, zeichnerische und fotografische Zeugnisse aus Walter Raums frühen Jahren das Bild.

Walter Raums Witwe Christine und sein Sohn Tobias waren aus dem Münchener Raum angereist, auch Künstlerseelsorger Hans-Peter Weigel aus Bamberg war da, und die stellvertretende Landrätin Gabriele Drechsler ließ es sich nicht nehmen, bei der Eröffnung dabei zu sein. Ebenso HZ-Verlegerin Ursula Pfeiffer, die 2019 auf die vorausgegangene Ausstellung Raums in München aufmerksam gemacht hatte. Ihr Vater, Eckhardt Pfeiffer, war ein Schulfreund Walter Raums, der schon in der Volksschule durch sein besonderes Zeichentalent aufgefallen war. Museumsleiter Uli Olpp konnte außerdem zahlreiche kunstinteressierte Gäste – coronabedingt mit Maske und im Freien – begrüßen.

Die Ausstellung ist abzüglich einer Winterpause (21. Dezember bis 12. Januar) bis 14. Februar im Kunstmuseum in der Amberger Straße 2 in Hersbruck zu sehen. Jeweils vier Personen dürfen mit Maske gleichzeitig in den Räumen sein. Wegen möglicher kurzfristiger Änderungen sollte man sich vor dem Besuch auf der Homepage des Kunstmuseums www.kunstmuseum-hersbruck.de vergewissern.

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