Klezmerklarinettist zu Gast in Hersbruck

Überwindet Musik alle Grenzen?

Eröffnet heute Abend das 15. Gitarrenfestival: Klezmerklarinettist Giora Feidmann. Foto: Alex Neroslavsky2014/08/5_2_1_2_20140809_MUSIK.jpg

HERSBRUCK – Giora Feidman ist der Star unter den Klezmerklarinettisten. Am 9. August eröffnet er gemeinsam mit dem Gershwin Quartet das 15. Internationale Gitarrenfestival Hersbruck. Eine ungewöhnliche Kombination, könnte man meinen. Schließlich spielt der 78-Jährige kein Saiteninstrument. Bevor er im HZ-Interview erklärt, was ihn mit den Gitarristen, die bis 16. August in der Stadt sind, verbindet, spricht der jüdische Israeli über ein Thema, das ihn momentan viel mehr beschäftigt: der blutige Krieg in seinem Land.

HZ: Guten Morgen, Herr Feidman. Wie geht es Ihnen?

Feidman: Es könnte besser sein, in meinem Land herrscht Krieg.

Wie erleben Sie persönlich die Geschehnisse im Gaza-Streifen?

Feidman: Es ist schrecklich. Und es geht überhaupt nicht darum, wer Schuld daran hat. Keiner hat das Recht, Leben und Familien zu zerstören. Ich glaube, die Leute in Kriegsregionen wie Gaza, der Ukraine, Libyen und auch Nordirland haben den Bezug zur Schöpfung verloren. Ich hoffe jeden Tag, dass der Krieg bald endet.

Sie haben viel für die jüdisch-deutsche Aussöhnung getan – auch mit Ihrer Musik – dafür haben Sie das Bundesverdienstkreuz bekommen.

Feidman: Darüber bin ich sehr glücklich. Deutsche und Juden sind heute eine Familie. Und meine Karriere stand bei meinen Bemühungen dazu überhaupt nicht im Mittelpunkt, es ging mir mehr darum, wie sich die Gesellschaft entwickelt. Dass ich jetzt so mit Ihnen sprechen kann, ist doch ein tolles Beispiel dafür, dass es funktioniert hat. Was uns alle vereint, ist die Musik.

Wie kam es, dass Sie nun beim Gitarrenfestival in Hersbruck auftreten?

Feidman: Ich wurde eingeladen, da komme ich natürlich gerne. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich dabei sein darf. In Nürnberg habe ich schon tausendmal gespielt, in Hersbruck war ich noch nie. So ein Festival bringt die Menschen zusammen, das ist toll und entspricht genau meinem Geschmack von Gemeinschaft.

Für die Kleinstadt Hersbruck ist das Gitarrenfestival jedes Jahr ein musikalisches Highlight.

Feidman: Für mich gibt es keine kleinen oder großen Städte, genauso wenig ein kleines oder großes Publikum. Immer spielt man vor Menschen – egal, wie viele das sind. Am Ende eines Konzerts verlässt das Publikum den Saal mit einem anderen Gefühl. Und der Grund dafür ist nicht „Giora“, sondern die Musik.

Und wieso spielt ein Klezmerklarinettist auf einem Gitarrenfestival?

Feidman: Die Gitarre ist eines der beliebtesten Instrumente der Welt. Deshalb finde ich es fantastisch, bei so einem Event dabei sein zu dürfen. Und ich kann mich nur wiederholen: Was uns alle vereint – die Menschen, egal ob Gitarristen oder Klarinettisten – ist die Musik. Für mich ist die Klarinette das Mikrofon meiner Seele. Für andere ist es eben die Gitarre oder die Triangel.

Johannes Tonio Kreusch, der künstlerische Leiter des Gitarrenfestivals hat eine Überraschung bei Ihrem Auftritt angekündigt. Hat das vielleicht etwas mit einer Gitarre zu tun?

Feidman: Ach, das ist eine Überraschung? Dann werde ich sie Ihnen nicht verraten (lacht).

Als Klezmermusiker sind Sie bekannt, in Hersbruck steht aber noch mehr auf dem Programm.

Feidman: Richtig. Jazz, Spirituals, Tangos von Astor Piazzolla und Louis Armstrongs „What a wonderful World“, zum Beispiel.

Sie stehen jetzt seit über 60 Jahren auf der Bühne. Haben Sie mal darüber nachgedacht, irgendwann in den Ruhestand zu gehen?

Feidman: Da müssen Sie Gott fragen! Solange ich die Kraft dazu habe, werde ich weiterspielen.

Giora Feidman und das Gershwin Quartet spielen beim Eröffnungskonzert des Gitarrenfestivals am Samstag, 9. August, um 19 Uhr in der Dreifach-Turnhalle in Hersbruck. Nur noch wenige Tickets an der Abendkasse.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren