Schweig, Benjamin?

2011/03/5_2_1_2_20110305_INTERV.jpg

Wenn man genau hinschaut, ihn reden hört, seinen trockenen Humor kennenlernt, dann entdeckt man auch ein Stück Fitzgerald Kusz im Sohn Benjamin (29). Der arbeitet in der Hersbrucker Buchhandlung Lösch, nimmt Vaters Gedichte auch mal mit nach Hause zum Signieren für die Kunden und verrät der HZ, warum es bei ihm daheim nie hieß: Schweig, Bub!

„Iich bau dürm aus bauschdaa / und du wirfders widdä ei / wenn des ka konschdrukdive / zusammenarbeit is!“ Können Sie sich noch erinnern, wie Ihnen Ihr Vater diese Zeilen im Kinderwagen vorgelesen hat?

Benjamin Kusz: Ja, das waren die sogenannten Benjamin-Gedichte, die mein Vater nach meiner Geburt schrieb. Natürlich kann ich mich nicht erinnern, aber damals hat mein Vater seinen Lehrerberuf aufgegeben und ist freier Schriftsteller geworden. Von daher war er viel daheim, was angenehm war. Aber es gab natürlich auch Zeiten, wo er im Studierzimmer abtauchte, weil Texte fertig werden mussten.

Und dann wurden sie der Familie vorgetragen?

Das ist bis heute so. Wir sollten als Kinder immer sagen, ob es uns gefällt. Aber wenn wir mal meinten: „Nicht so toll“, das war egal. Dann sagte er: „Ich finde es gut!“ Auf die Mutter hörte er allerdings mehr, wenn die es kritisch sah.

Und die Kinder sollten auch Dichter werden?

Nein, meine Eltern haben immer darauf gesehen, dass die Kinder das lernen, was ihre Neigung ist. Man muss seinen Beruf ja einige Zeit lang ausüben. Meine Schwester ist Schauspielerin und mein Bruder Theaterplastiker.

Dann wurde zu Hause „Schweig Bub“ gespielt?

Es gab immer wieder Verwandte oder Freunde, die uns dazu animieren wollten, aber die Eltern nicht. Richtig ist aber, dass manche Szene aus dem Familienleben gegriffen ist, manche Sprüche wirklich von meiner Oma oder Uroma stammen, eben ein bisschen zugespitzt.

Wenn ich im Café oder im Zug fränkischen Alltagsgesprächen lausche, denke ich manchmal: Das müsste der Kusz jetzt mitschreiben!

Das macht er ja! Mein Vater steht im Tchibo mit Stift und Block, oder in der Straßenbahn. Wir Kinder liefern auch manchmal aufgeschnappte Dialoge ab.

Haben Sie noch nie gedichtet?

Naja, mal so bissl ausprobiert. Aber das war nichts, das habe ich nicht einmal meinem Vater gezeigt.

Wurde man als Dichter-Sohn in der Schule gehänselt oder verehrt?

Eher geschätzt. Die Lehrer wollten immer meine Meinung zu diesem und jenem wissen. Und die meisten Mitschüler fanden es cool, einen Dichter zum Vater zu haben.

Und jetzt Buchhändler, ein Traumberuf?

Durchaus. Ich habe in Nürnberg in der Buchhandlung Jakob gelernt, die mich dann auch hierher zu Lösch empfohlen hat. In Hersbruck gibt es mehr nette Kunden als in der Großstadt. Die Leute haben Zeit, lassen sich gern beraten. Mir macht es Spaß, mit Menschen zu arbeiten, und meine Vorliebe gilt dem modernen amerikanischen Roman, den Krimis und der Philosophie.

Interview: Walter Grzesiek

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren