Aus Zeitung wird Kunst

Projekt von Ute Plank

Täglich vier Stunden arbeitete Ute Plank an dem acht Meter langen Werk, in das Erlebnisse aus zwölf Monaten als Journalistin einflossen. | Foto: M. Wildner2017/09/8345790.jpg

KÜHNHOFEN – Ein Jahr unterwegs als freie Mitarbeiterin für die Hersbrucker Zeitung — für Künstlerin Ute Plank ist das viel mehr als reine Berichterstattung. Die Vielfalt der Aufgaben ihres Alter Egos Ute Scharrer hat sie deshalb bildnerisch festgehalten: in einem Journal von einem Meter Höhe und acht Metern Länge. Zu sehen ist das Werk zunächst nur an einem Tag: am 10. September, dem „Tag des offenen Denkmals“, im Wehrgang über dem Hersbrucker Gänsturm.

Ute Plank ist stolz: „Noch nie habe ich so eine große Fläche bemalt.“ Und glücklich ist sie auch, denn die Ideen seien nur so aus ihr „herausgeflossen“. Sie habe vor der acht Meter langen Papierrolle keinerlei „Malhemmung“ erlebt. Inspiration für das besondere Werk zog die Künstlerin aus zwölf Monaten Arbeit als Lokaljournalistin für die Hersbrucker Zeitung. Als die Altstadtfreunde sie Anfang des Jahres einluden, am „Tag des offenen Denkmals“ im Gänsturm auszustellen, war für sie die Gelegenheit gekommen, ein schon länger geplantes Projekt endlich anzugreifen.

„Ich habe gemerkt, dass ich die vielen Gefühle, die mich bei manchen Zeitungsterminen überkamen, irgendwie verarbeiten muss“, erklärt die Künstlerin. Ob Konzerte, Feldbegehungen, Dorfportraits oder Kunstbesprechungen — es gab so vieles, was sie nicht in ihren Artikeln unterbringen konnte. Deshalb hat sie all das, was sie dabei besonders bewegte oder was ihr auch nach dem Termin noch lange im Kopf umherspukte, auf einer riesengroßen Papierrolle zum Ausdruck gebracht.

Jeder Monat von Juni 2016 bis Juli 2017 bekommt 65 Zentimeter breit Platz. „Aus meinen Artikeln habe ich mir immer drei für jeden Monat rausgepickt“, erzählt die Kühnhofenerin. Und jeder Abschnitt hat seinen eigenen Charakter: mal in knallbunten, frischen Farben, mal in nostalgischem Sepia, mal in schlichtem Schwarz-Weiß als Tuschezeichnung.

Da spielen zum Beispiel Musiker ganz versunken auf ihrem Instrument beim Gitarrenfestival im August. Im Oktober diskutieren passionierte Landwirte intensiv über Zwischenfruchtversuche und den „Deep Till Rettich“. Und im Dezember „hängt Kunst in der Luft“. Fotos von ihren Terminen dienten der Künstlerin als Gedankenstütze für ihre Bilder, an denen sie bisher insgesamt drei Monate gearbeitet hat. So kann es durchaus sein, dass sich der eine oder andere Betrachter in den Illustrationen wiederfindet.

Heiter und ernst
„Es ist diese Begeisterung, mit der mir die Leute von ihren Projekten oder Hobbys erzählt haben, die mich so bewegt. Damit konnte ich nicht einfach so abschließen“, erklärt Plank mit leuchtenden Augen. Ihre Bilder enthalten ernste, kritische Momente, aber auch heitere und freundliche. Kleine Textabschnitte zu jedem Erlebnis erklären die Illustrationen.

Als sie vor gut sieben Jahren mit der freien Mitarbeit für die HZ begann, habe sie das Tagebuchschreiben aufgehört. Gleichzeitig sei aber ihr Skizzenbuch stetig gewachsen und habe quasi die Nachfolge übernommen. Das vergangene Jahr hat sie nun als gezeichnetes Tagebuch auf der riesigen Papierrolle festgehalten.

Durch die Arbeit als Lokaljournalistin fühle sie sich jetzt mehr in ihrer Heimat verankert: „Ich bin gebürtige Hersbruckerin, aber irgendwie lebt man manchmal eher unbewusst und erfährt gar nicht wirklich, was im eigenen Ort passiert.“ Sie lernte nicht nur viele neue Leute kennen, sondern spürte auch deren Begeisterung. „Es ist schön, Teil einer Entwicklung zu sein.“ Mit dem ein Meter hohen und acht Meter langen Werk möchte sich Plank nächstes Jahr beim 
NN-Kunstpreis bewerben. Und eine persönliche Inspiration zieht die Kühnhofenerin auch daraus: „Ich habe Lust bekommen, einmal ein richtig großes, freies Aquarell zu gestalten.“

Das Werk ist zum „Tag des offenen Denkmals“ am 10. September von 10 bis 18 Uhr im Wehrgang über dem Gänsturm zu sehen. Die Künstlerin ist anwesend und beantwortet gerne Fragen.

N-Land Marina Gundel
Marina Gundel