Musik-Event setzt auf Integration und Offenheit

MIA-Festival wertet den Altdorfer Kultur-Kalender auf

Günther Kraußer, Jörg Hoffmann und Leo Kalavrouziotis (v.l.) begutachten die MIA-Flyer, die noch einmal neu aufgelegt werden müssen, weil sich die Zahl der teilnehmenden Künstler weiter erhöht hat. | Foto: Spandler2016/07/soulbuddies.jpg

ALTDORF – Große Ereignisse werfen ihre Schaffen voraus: MIA, das musikalische Mammutprojekt der SoulBuddies, steht vor der Tür – vom 22. bis 24. Juli. Zahlreiche internationale und renommierte Künstler, darunter Echo- und Latin-Grammy-Gewinner, werden an diesem Wochenende in der Stadt zu Gast sein. Was die Festival-Macher antreibt, einen solchen logistischen Kraftakt zu stemmen, und warum überhaupt die Region um Altdorf ein weiteres Kunst-Festival braucht, wollte der Bote von den Veranstaltern Günther Kraußer, Leo Kalavrouziotis und Jörg Hoffmann wissen.

Bote: In Ihren ersten Planungen für das Festival Mia – Musik in Altdorf, das nun für „Die Welt macht Musik in Altdorf“ steht, hatte man den Eindruck, das dreitägige Event sollte ein großartiger, teils internationaler Musik-Rausch werden, im Verlauf dessen auch die Attraktivität des Städtchens Altdorf hervorgehoben werden soll. Wurde genau dieses Konzept umgesetzt oder haben sich noch andere Zielsetzungen ergeben?

Günther Kraußer: MIA sollte von Anfang an einen integrativen Charakter haben, weswegen wir auch die Rummelsberger Diakonie als Hauptsponsoren und Hausherren für die Locations im Wichernhaushof und am Schlossplatz mit ins Boot geholt haben. Mittlerweile hat sich der integrative Begriff ausgedehnt: Asylbewerber werden in Kooperation mit dem Altdorfer Asylunterstützerkreis und dem Bündnis für Respekt und Toleranz mit eingebunden, nicht nur als gern gesehene Gäste, sondern als zupackende Helfer während der Veranstaltungen.

Jörg Hoffmann: Offenheit spielt auch eine ganz große Rolle. Das wird kein Festival von Altdorfern für Altdorfer. Wir sind froh, dass sich auch der Landkreis als Multiplikator mit einschaltet und unseren Flyer in allen Landkreiskommunen verteilt. Vielseitigkeit und Verschiedenheit sind ein wichtiger Aspekt. Man könnte sagen, die Altdorfer Skulptur „Buntes Völkchen“ wird von einer Privatinitiative musikalisch interpretiert.

Auf welche Weise wollen Sie denn die Asylbewerber oder Menschen mit Behinderungen einbeziehen?

Kraußer: Sie kontrollieren zum Beispiel die abgesperrten Bereiche oder helfen beim Bühnenabbau zusammen mit Mitgliedern des Unterstützerkreises.
Leo Kalavrouziotis: Das Festival wird zum Beispiel mit Studio D eröffnet. Das ist eine Gruppe behinderter Menschen des Blindeninstituts Rückersdorf, die Theater- und Musikprojekte, zum Beispiel durch musikgestützte Videoclips, entwickelt und bereits von der Stiftung „Leben pur“ ausgezeichnet wurde. Die haben wir übrigens ins Programm genommen, nicht weil Behinderte auch mal aufs Podium dürfen sollen, sondern weil sie richtig guten tanzbaren Pop und Funk machen.

Welches sind die Besonderheiten von MIA, etwa im Vergleich zum Feuchter FkK-Festival oder zum Burgthanner Jazz in der Burg, wenn man neben den sonstigen Ansprüchen trotzdem nur das Musikprogramm im Auge hat?

Kraußer: MIA präsentiert Künstler, die man sonst in Altdorf nicht zu hören bekäme. Unser Line-up ist schon ein besonderes, viele der Künstler sind „Echo“- oder „Grammy“-dekoriert. Die Veranstaltung wertet den Altdorfer Kultur-Kalender auf. Ausstattung und Technik sind absolut professionell, Musik Klier stellt einen fantastischen Flügel zur Verfügung, der von Könnern bedient wird, auch wird es zusätzlich zu den beiden Hauptbühnen noch viele Angebote in den Gassen und Höfen der Altstadt geben.

Welche Künstler sind noch hinzugekommen, die im aktuellen Flyer noch gar nicht erwähnt werden?

Kalavrouziotis: Der Pianist Johannes Billich kommt am Freitagabend mit seinem Solo-Programm „Piano De Verao“ (Klavier des Sommers). Daneben gibt es am Samstag einen Auftritt des Stefan Poetzsch Trios, das Streicher mit Live-Elektronik kombiniert. Am Sonntag konnten wir die Sängerin Rayka Wehner zusätzlich verpflichten. Was wir außerdem noch nicht wussten, als wir die Headliner engagierten: Malia, der Haupt-Act vom Samstagabend, stellt ihre neue Platte vor, die es auf dem Markt noch gar nicht gibt und auf der sie ihre ursprüngliche afrikanische Musik mit lebendigen Jazz-Einflüssen mixt. Aber auch das künstlerische Rahmenprogramm hat sich ausgeweitet. Es werden mehrere Events gleichzeitig laufen müssen.

Wo sind die Acts zu erleben, wie kommt man an Karten und was passiert, wenn es regnet?

Hoffmann: Neben den zwei Hauptbühnen gibt es Straßenkunst von Tanz über Jonglage bis zur Light-Show in den umliegenden Straßen. Tickets gibt es bei allen Eventim-Verkaufsstellen, in der Buchhandlung Lilliput und über www.MIA2016.de. Erwerben kann man Festival-Tickets, Tages-Tickets oder nur das Sonntags-Ticket, die dann gegen entsprechende Armbändchen getauscht werden, die einem den Zugang ermöglichen. Sollte es regnen, gibt es keinen Plan B. Die Bühnen sind zwar überdacht, aber die Gäste müssen sich selbst gegen das Wetter schützen, am besten mit Capes statt mit Schirmen, damit die Sicht nicht beeinträchtigt wird.

Sie legen Wert darauf, dass die Stadt Altdorf – sowohl die Stadtverwaltung als auch die Bevölkerung – in das Projekt mit eingebunden ist und es nicht die klassische Situation: Veranstalter hier – Besucher dort geben wird. Wie soll das genau aussehen?

Kraußer: Die Stadt Altdorf unterstützt uns ideell, logistisch und finanziell, so wie viele Unternehmer oder auch Privatpersonen. Altdorfer Gastronomiebetriebe engagieren sich bei der Verköstigung, andere Firmen bei der Werbung. Und um wirklich jeden mitzunehmen, suchen wir auch den Kontakt mit den Anwohnern, die schriftlich über die Veranstaltung informiert werden und Ansprechpartner bei Problemen bekommen, damit bei MIA auch wirklich alle mitgenommen werden.

Interview: Gisa Spandler

www.MIA2016.de
www.soulbuddies.de
www.facebook.com/festival-altdorf/

N-Land Gisa Spandler
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