Kunstlehrer Ulf Geer gestaltet Musikpreis „Ruth“

Individueller Preis für kreative Künstler

Ulf Geer hat jede „Ruth“ individuell für den geehrten Künstler gestaltet (v. links): mit durchsichtigen Linsen, Gitarre und Pinsel. Foto: privat2012/07/5_2_3_2_20120714_PREIS.jpg

RUDOLSTADT / HERSBRUCK – Eine weibliche Figur aus rot-braunem Holz mit Kopfhaar und Füßen, die wie Wurzeln anmuten: Das ist „Ruth“, der Weltmusikpreis, der jedes Jahr beim Folk- und Tanzfestival im thüringischen Rudolstadt verliehen wird. Wie schon in den Jahren zuvor hat Ulf Geer, selbst Musiker und Kunstlehrer am Paul-Pfinzing-Gymnasium, die kleinen Skulpturen gestaltet.

In einem hölzernen halbmondförmigen Sockel stecken die kleinen Figürchen mit ihren „Wurzelbeinen“ – in der Hand Gitarre, Violine oder Malpinsel – je nachdem, welcher besondere Aspekt des Preisträgers gewürdigt werden soll. Die gleiche Wurzelform findet sich auch als Haar am Kopf der „Ruth“, die so auch verkehrt herum im Kopfstand in ihrem Sockel stehen kann. Ulf Geer greift damit bildlich die starke Verwurzelung der Musiker in ihrer jeweiligen Kultur- und Musiktradition auf, die für viele von ihnen eine hohe Bedeutung hat. „Dass jede Ruth mit beiden Enden in den Sockel passt, soll verdeutlichen, dass unterirdische Verwurzelung und oberirdisch sichtbare Entfaltung sich symmetrisch entsprechen“, erklärt er.

Die Bezeichnung der Figur entstammt dem englischen Wort für Wurzel, nämlich „root“, kombiniert mit dem Frauennamen „Ruth“. Für jeden der fünf Preisträger hat Geer eine eigene passende Holzfigur gefertigt. Die „Ruth“ für die Sängerinnen der Gruppe „Al Andaluz Project“ hat ausladende bewegliche Flügel und ist mit orientalischen Ornamenten verziert.

Für das Quartett „Die Strottern & Blech“ hat der Kunstlehrer das dunkle Holz der sogenannten Thermobuche verwendet. Zwei der vier Musiker hat er als Miniatur samt Gitarre und Violine auf der Vorder- und Rückseite der Figur verewigt. „Entsprechend der von mir vermuteten Gruppenhierarchie wurden die beiden exzellenten Blechbläser als Schattenriss in den Sockelbereich der Ruth verbannt, wo sie ihren preiswürdigen Herren einen kräftigen Tusch blasen“, erläutert Geer seine Idee.

Die „Ehren-Ruth“ für das musikalische Lebenswerk ging an den Liedermacher Hannes Wader. Für seine Figur hat der Macher – auch symbolisch – das dickste Brett verwendet, es stammt von einem Nussbaum. „Formal habe ich versucht die Gestaltung auf das Wesentliche zu beschränken“, sagt Geer. Das sind in diesem Fall Gesang und Gitarrenspiel. Die kreisrunden Öffnungen an Mund und Schalloch, sind beide mit Goldpigment gefüllt. Die Gitarre ist frei drehbar, wobei Mund und Schallloch sich immer auf der Symmetrieachse der Figur befinden.

Zwei weitere „Ehren-Ruths“ für die besondere künstlerische Expertise schuf Geer für die Zeichnerin Gertrude Degenhardt und den Folk-Musiker und Grafiker Jürgen B. Wolff – beide Künstler sind eng mit der Folk- und Weltmusik verbunden. „Bei Gertrude Degenhardts Figur zeigt sich die größte Experimentierfreude“, so Geer, „ich habe das Birnbaumholz in drei Schichten bearbeitet, mit vielen Öffnungen und Durchblicken“. In durchsichtigen Linsen werden einige Werke der Künstlerin zitiert. Für Jürgen B. Wolff kamen Farbe, Lack, Ahorn und Thermobuche zum Einsatz. Der Holzpreis zeigt den Geehrten als „Held der (kreativen) Arbeit“, breitbeinig, aber mit Bändern gefesselt an seine Muse, die ihn ausgiebig küsst, bewaffnet mit seinem Werkzeug: dem Pinsel.

Individuell und kreativ ist die „Ruth“ – vielleicht allein schon deshalb ein Grund für Musiker und Künstler, auch im nächsten Jahr wieder nach dem von Ulf Geer gestalteten Preis zu streben.

N-Land Melanie Strauß
Melanie Strauß