Fränkischer Mundartdichter im PPG

Im „Baradies“ mit Fitzgerald Kusz

Ließ die Zuhörer staunen über ihren Dialekt: Der fränkische Autor Fitzgerald Kusz. Foto: U. Scharrer2012/12/5_2_3_2_20121215_KUSZ.jpg

HERSBRUCK – Sparsame Ausdrucksweise und komprimierter Sinngehalt in Kurzform: Was der Sprachgebrauch des fränkischen Idioms mit einer japanischen Gedichtform gemein hat, brachte der Mundartdichter und Dramatiker Fitzgerald Kusz in der Aula des Paul-Pfinzing-Gymnasiums vielfach auf den Punkt. Zahlreiche Zuhörer erlebten Gefühle zwischen Selbsterkenntnis, Ertapptwerden und Amüsement über den widerborstigen Charme des eigenen Dialekts.

Möglich gemacht wurde der Leseabend aus Kusz´ neuestem Gedichtband „Zwedschgä“ durch die bewährte Zusammenarbeit zwischen der Buchhandlung Lösch und dem Förderverein des PPG. So entstand an den locker verteilten Sitzgruppen gleich Gasthausatmosphäre und entspannte Aufmerksamkeit für die neuesten Beobachtungen des Nürnberger Dichters, der dafür bekannt ist, seinen Zeitgenossen ganz genau „aufs Maul zu schauen“.

Doch Kusz ist nicht nur ein feiner Beobachter von Alltäglichkeiten, er überhöht scheinbar Profanes in die dichterische Form – und bricht diese durch den Gebrauch der Mundart gleich wieder herunter. In der scheinbar unverrückbaren Verwurzelung des fränkischen Charakters, in seinen erdigen Überzeugungen und Ansichten reißt er dann unvermutet Fenster auf, die den Blick ins Philosophische oder Hintersinnige freigeben.

Die Wortkargheit des Franken, sein Rede-Geiz, um ja nicht zu viel preiszugeben, erhebt Kusz dabei ebenso zur Kunstform wie seine selbsterfundene fränkische „Lautschrift“, die seine Poeme nicht nur vorlesbar sondern auch lesbar machen. In immergleichen, fast schon gebetsmühlenartig sich ähnelnden Zeilen variiert er oft nur ein einziges Wort – und kehrt dabei den Sinn komplett und mehrfach um. Auch vermeintliche Unlogik erhält auf einmal eine im Kuszschen Kosmos gültige Sinnhaftigkeit.

So wie Kusz wohl manchmal an den Lippen seiner fränkischen Musen hängt, die ihm Idee und Inspiration liefern, so willig folgt ihm sein Publikum durch ein – ebenso wie die Gedichte selbst – wohl komponiertes und konzeptuell aufgebautes Gedichtbändchen, durch antike Themen wie autobiographische Notizen. Vielleicht war es der Vater aus Berlin, dessen Gene einen gehörigen Teil schlitzohrigen Mutterwitzes zu Fitzgeralds Dichtkünsten beisteuerte, seiner fränkischen Mutter jedenfalls setzt er im Siebenzeiler „ Warme Soggn“ ein prägnantes Denkmal. Sie hat jedem Kind zu jedem Geburtstag ein Paar selbstgestrickte wollene Socken geschenkt, „als kummäd mä mid warme faiß leichdä durchs lehm.“

Zu Hochform läuft Kusz allerdings in seinen „Haikus“ auf. Die bereits erwähnte in Japan übliche kürzeste Gedichtform der Welt, die ins Deutsche meist als Dreizeiler mit streng begrenzter Silbenzahl übertragen wird, kommt dem fränkischen Naturell weit entgegen. In mürrischer und unaufgeregter Einsilbigkeit darf er glänzen und sogar Momente verhaltener Seligkeit erleben : „ dä erschde schnäi ä maadla schdrechd iä zungä raus fängd schnäifloggn“.

In den Tiefen des Dialekts

Die Zuhörer erkennen staunend die Tiefen und Untiefen ihres Dialekts und verfolgen schmunzelnd und applaudierend, wie Fitzgerald Kusz die Volksseele sprechen lässt, sei es erschreckend monoton und ignorant wie in „Bewältigung“ oder verschmitzt wie im „Fränkischen Anrufbeantworter“: Sprachlich ist die Zuhörerschaft an diesem Abend im „ Baradies “. In dem braucht auch Fitzgerald Kusz nicht viel: „Im siebdn himml aff wolke siem middi siem zwerch siem zwedschgä essn“. Mit diesem himmlischen Geschmack im Mund und im Sinn entlässt der Nürnberger die Hersbrucker in eine sternenklare Winternacht.

Ute Scharrer

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