Wolfram-von-Eschenbach-Preis

Hohe Auszeichnung für „Original Hersbrucker Bücherwerkstätte“

Durften im Hirtenmuseum den Wolfram-von-Eschenbach-Preis von Landrat Armin Kroder (3.v.r.) entgegennehmen: Günther Tobisch, Armin Krohne, Siegfried Zimmermann, Michael Gölling, Dan Reeder, Johannes Stahl und Timo Reger (von links) von der Hersbrucker Bücherwerkstätte. | Foto: M. Ermer2020/10/IMG-8934.jpg

HERSBRUCK – Gleich zwei Jubiläen galt es an diesem Abend zu feiern: Seit 40 Jahren wird der Wolfram-von-Eschenbach-Preis vom Bezirk Mittelfranken verliehen. Und heuer durften ihn die seit 50 Jahren aktiven Drucker und Buchkünstler der Original Hersbrucker Bücherwerkstätte entgegennehmen. Das Hersbrucker Hirtenmuseum bot gerne die idealen Räumlichkeiten für die Feier im coronabedingt kleinen Rahmen.

„Hersbruck wird über die Bücherwerkstätte gerade in die Welt hinausgetragen.“ Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg freute sich sehr, im Hirtenmuseum die Preisverleihung eröffnen zu dürfen. Als „Heimat für Kreative“ bezeichnete denn auch Landrat Armin Kroder das Nürnberger Land. Umso mehr war es eine Freude für ihn, in seiner Doppelfunktion als Landrat und Bezirkstagspräsident des Bezirks Mittelfranken den Preis übergeben zu dürfen.

Kreative Szene fördern

Der Wolfram-von-Eschenbach-Preis wird unter dem Juryvorsitz von Manfred Rothenberger in diesem Jahr zum 40. Mal verliehen mit dem Ziel, das Bewusstsein für Kultur zu fördern und die kreative Szene Frankens zu bereichern. Dabei wurden heuer die drei mit je 5000 Euro dotierten Förderpreise schon vergeben. Pandemiebedingt wurde eine Splittung der Verleihung, die normalerweise in der dem Preis gleichnamigen Stadt im Landkreis Ansbach stattfindet, nötig. Teil eins fand im Neuen Museum in Nürnberg statt, worauf nun die Verleihung des mit 15 000 Euro dotierten Hauptpreises in den Wirkungsort der Drucker nach Hersbruck verlegt wurde.

Bereits 50 Jahre ist der inzwischen auf acht Mitglieder angewachsene Verbund aus Grafikern und bildenden Künstlern unter der „Leitung“ von Michael Gölling und Günther Tobisch aktiv. Besonders stolz zeigte sich Kroder auf die große zwischenmenschliche Leistung. Denn nie sei das Projekt durch Meinungsverschiedenheiten nachhaltig gefährdet gewesen, weshalb es wohl über diesen außerordentlich langen Zeitraum bestehen konnte. Begeistert war Kroder außerdem, dass er vor dem offiziellen Termin die Gelegenheit bekommen hatte, einmal in die „komplett andere Welt“ der Bücherwerkstätte einzutauchen. Er zollte den Künstlern allerhöchsten Respekt vor ihren Werken. Diese seien mal mit Augenzwinkern, mal zum Nachdenken anregend gestaltet worden. Für die nächsten 50 Jahre wünschte er ihnen gutes Gelingen und viele neue Ideen.

Alt und modern

Genau diese Ideen, die Gölling und seinen Mitstreitern nie auszugehen scheinen, begeisterten auch die Jury des Wolfram-von-Eschenbach-Preises. Vorsitzender Manfred Rothenberger nannte in seiner Laudatio Gründe, warum die Entscheidung zugunsten der „OHBW“ ausgefallen war. Besonders lobte er die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Autoren der Region, die daraus resultierende Verbindung von Druckgrafiken nach alter Technik mit zeitgenössischer Literatur und natürlich das Zusammenspiel der Kunstsparten Druck, Bild und Text. Unzählige Ausstellungen ihrer Bücher, das beständige Entwickeln neuer Werke, die in limitierter Stückzahl erhältlichen Kalender – all das mache die Arbeit einzigartig und auszeichnungswürdig.

Zwei Wünsche gab Rothenberger den Druckern noch mit auf den Weg. Einmal, dass auch Künstlerinnen langfristig aufgenommen würden, nicht nur periodisch bei neuen Projekten. Zum Zweiten appellierte er an die Stadt, denn auch wenn die Hewa zehn Kalender abnehme – dieses „kulturelle Aushängeschild“ müsse unbedingt mit einem jährlichen Zuschuss gefördert werden, um die Arbeit der Bücherwerkstätte noch mehr wertzuschätzen und zu unterstützen.

Anschließend übergab Armin Kroder in seiner Funktion als Bezirkstagspräsident die Urkunde stellvertretend für die Mitglieder der Bücherwerkstätte an Michael Gölling. Als sie für den Preis ihr Portfolio zusammenstellen mussten, seien sie überrascht gewesen von den Mengen an Drucken auf unterschiedlichsten Materialien, die sich im Laufe der Zeit angesammelt hätten. „Wir wissen jetzt, was wir gemacht haben“, sagte Gölling rückblickend. Mit dem Preis gerechnet hätten sie aber überhaupt nicht. Umso mehr freuen sich die Mitglieder der Bücherwerkstätte nun. Sie wüssten den Preis zu schätzen, das Geld tue außerdem gut als Rücklage, weil sie eben doch nicht so genau wüssten, wie es vielleicht einmal weitergehen soll. Trotzdem versprechen sie weiterzumachen, „bis es uns wegdruckt“. Und die Ideenfindung? Man müsse mit dem Zeug spielen können, brauche Kumpels mit dem gleichen Verständnis für Grafik und einen wachen Kopf – dann würden aus einer Idee auch mal 50 Jahre.

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