Bread & Butter im Brauhaus Altdorf

Hochstimmung bei tieftraurigen Songs

Die Vier von Bread & Butter nehmen ihr Publikum vom ersten Moment an mit bei der Präsentation ihrer neuen CD. | Foto: Spandler (2)2019/03/Altdorf-Bread-Butter-Brauhaus.jpg

ALTDORF – Das Musikergespann, das im Brauhaus am Wochenende auftrat, hätte tatsächlich das Zeug zu einem Doppelkonzert gehabt. „Nun flog Dr. Bert Rabe“ kann längst mit anderen Musiker-Größen mithalten, doch Zweck der Veranstaltung war die Präsentation der neuen CD von „Bread & Butter“.

In bewährter Besetzung, gitarrenlastig und gesangsbetont, holt das  Quartett, das es nun seit fast 20 Jahren gibt, sein Publikum schon mit den allerersten Klängen ab. Darunter offensichtlich jede Menge alte Fans, die die neuen Lieder hören wollen.

Das Konzept der Altdorfer Rocker geht auch bei der neuen CD, die „Grown up“ überschrieben ist, so richtig auf: Sänger im Zentrum, geschmeidige Gitarren-Soli an der Lead-Klampfe, kräftiger Bass und Schlagzeug mit viel Wumms. Die englischen Texte werden von Leadsänger Hannes Welsner sparsam anmoderiert, wenn er in ein paar Worten die stets wahre Story hinter den Songs erklärt, und es stellt sich ein ums andere Mal he-raus, dass sehr individuelle Erfahrungen den Ausschlag für die Komposition gegeben haben.

Gelungener Stilmix

Stilistisch haben die vier Jungs, alle gut jenseits der 50, eine gelungenen Mix aus der Singer-Songwriter-Kiste plus Folk, Pop-Rock und mehrstimmigem Gesang auf Lager, spielen mal ein bisschen mit den Effekten, machen hie und da auf Crosby, Stills, Nash und Co., Eagles oder Britpop, setzen ab und zu auf einlullende Schmusesongs, bis sie es wieder an den Instrumenten ordentlich krachen lassen.

Der Neue im Team, der seit fünf Jahren den alten Strategen Peter Buttberg an der Klampfe ersetzt, ist Hans Günther Hupfer und spielt perfekte oldschool Rock- und Blues Leads, unaufgeregt und solide. Frank Aberhan am Bass ist eine feste Bank ebenso wie Wolfgang März am Drumset.

Routiniert, wie es bei einer solch erfahrenen und gut eingespielten Combo zu erwarten ist, spulen sie ihre neuen Nummern ab, jedoch immer mit der ganzen Präsenz und ausgeprägtem Kontakt zu den Leuten vor der Bühne. Neben den gefühlvollen und oft sehr melancholischen Eigenkompositionen mit teils traurigen Hintergrunderlebnissen gibt es auch einige eingängige Cover-Versionen, die beim Publikum bestens ankommen, wie „Golden Brown“ von den Stranglers.

Songs wie „Lorena“, bei dem sie dann doch einen Gang höher schalten, „Sad Mr. Seven“ mit einer witzigen Entstehungsgeschichte oder das leicht schräge, aber sehr ansprechende „Mediterranean Sea“ zeigen, wie vielseitig die vier Musiker sind. Einer der Höhepunkte, die unter die Haut gehen, ist „Deeper Blue“, das Welsner zusammen mit Hupfer nach dem Tod des Bruders des Gitarristen geschrieben hat, eine wunderschöne Ballade mit markanter Bass-Linie, die getragen wirkt, dann aber wieder trotzig und mit viel Power durch den Raum dröhnt.

„Besoffen um halb vier“

Persönliche Erfahrungen, insbesondere Beziehungsthemen, liegen auch den Lyrics von „Nun flog Dr. Bert Rabe“ zu Grunde. Das Trio mit der charismatischen Sängerin und Bratschistin Mila Fischer legt als Opener einen frischen, temperamentvollen Auftritt hin. Originelle Texte, die die junge Musikerin authentisch, ohne jegliche Allüren oder aufdringliches Gehabe präsentiert, tonsicherer Gesang und flotte Instrumentalpassagen kennzeichnen die Musik der Drei.

Mila Fischer überzeugt sowohl als Sängerin als auch als Bratschistin.2019/03/Altdorf-Mila.jpg

Die deutschen Texte beweisen Originalität, die Stimme der Sängerin verrät eine große Zukunft und Klavier (Hannes Scharrer) und Schlagzeug (Felix Vestner) überraschen mit einer rhythmischen Vielfalt, präsentiert mit einer angenehmen Abgeklärtheit, die man bei einer so jungen Band nicht unbedingt erwartet. „Gelbe Schuhe“, der „Entenmann“ oder „Schaukelstuhl“ haben ehrliche, nachvollziehbare Texte, die nur durch die Zugabe „Besoffen um halb vier“ noch getoppt werden.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler