Kunstmuseum Hersbruck

Hersbrucker Künstlerstammtisch zeigt Arbeiten aus reichem Schatz

Der nervöse Strich von Ruth Wittmann ist in ihren kolorierten Zeichnungen und den Klein-Keramiken gleichermaßen erkennbar. | Foto: U. Scharrer2019/05/Ruth.jpg

HERSBRUCK – Mit einer quietschenden Tür im Gasthaus Roter Ochse fing alles an. Von den lose zusammengewürfelten Hersbrucker Künstlern flink mit einem Kännchen Öl behoben, fand der Künstlerstammtisch am Oberen Markt vor 20 Jahren eine Stammkneipe für die seither ungebrochen stattfindenden Mittwochstreffen. Nun kann man die elf Künstler „at work“ (bei der Arbeit) sehen: Unter dem Titel „[email protected]“ zeigen sie im Kunstmuseum Hersbruck eine Vielfalt von Arbeiten.

Wie bringt man elf Künstlerpersönlichkeiten mit den unterschiedlichsten Techniken und Ausdrucksformen unter einen Hut? Es ist machbar, wenn die Künstlercrew so aufeinander eingespielt ist wie der seit 20 Jahren existierende Künstlerstammtisch – und wenn der Hut der von Gerlinde Berger ist. Die Silberschmiedin und bekannte Hut-Trägerin hat die vielen Talente schon immer um einen Tisch gebracht und nun ihre Werke in einer ansprechenden und – selbstredend – vielseitigen Schau im Kunstmuseum Hersbruck gebündelt.

Die Künstler, die mit ihren Werken als Urgestein der Hersbrucker Kunstszene gelten können, stellen erstmals im musealen Umfeld gemeinsam aus – auch wenn die Schauen am Kunstmarkt im Stadthaus auch schon in diese Richtung gehen.

Museumsleiter Uli Olpp würdigte in einer launigen Rede jeden einzelnen „Stammtischbruder und jede Stammtischschwester“ in ihrer künstlerischen Einzigartigkeit: Gina Bauer, deren Liebe zu Afrika in ihrer Keramik und Malerei zutage tritt, Gerlinde Berger, deren vollendete Silberschmiede-Arbeiten im Obergeschoss funkeln, Manfred Elbert, dessen digital erstellte Traumwelten mit der Zeit gehen, und Walburga Herrmann, die trotz kleinen Formats ausdrucksstark in Stein meißelt.

Feinsinnig und duftig

Kornelia Klonen, deren farbstarke Arbeiten das müde Auge wach rütteln, Nora Matocza mit ihrer feinsinnigen Malerei, Agathe Meier, die sich durch handgewebte Stoffe und meterlange Holzschnitte arbeitet, und Dieter Serfas, dessen Skulpturen aus „Abfall“ das Gewissen des Konsumbürgers anpiksen. Bernd Wagner, dessen Skulpturen es bis in italienische Museen geschafft haben, Fridolin Weis, der in dieser Ausstellung mit duftigen und fast pointillistischen Fotografien punktet, und Ruth Wittmann, deren Kleinkeramiken und Zeichnungen von ihrer meisterhaften Linienführung profitieren.

Die eigenwillig improvisierende Musik von Saxophonist Achim Göttert und Dieter Serfas an der Djembe spiegelte die Vielfalt fürs Auge kongenial in Tönen wider.

In wie vielfältiger Weise die nun Ausstellenden in den vergangenen zwei Dekaden das Kunstleben Hersbrucks geprägt und bereichert haben, lässt sich kaum aufzählen und bemessen. Der seit 2001 stattfindende Kunstmarkt im Stadthaus ist in der Vorweihnachtszeit eine feste Adresse für die Liebhaber kunstvoller Geschenke. Mit den dort geladenen Gastkünstlern erweiterte sich diese Institution auf einen Überblick über regionales Kunstschaffen.

An die höchst individuell gestalteten Lampenschirme im Roten Ochsen erinnern sich viele noch. Die Künstlerfeste im Hof der Traditionswirtschaft führten in die beschauliche Kleinstadt auch Performances und Installationen ein – neben der üblichen musikalischen und gestalterischen Vielfalt.

Die Ausstellung ist geöffnet bei freiem Eintritt bis 21. Juli, immer Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag von 15 bis 18 Uhr sowie Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Am 23. Juni findet von 14 bis 20 Uhr das Künstlerfest rund ums Museum in der Amberger Straße 2 statt.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer