Hersbrucker Kunstmuseum

Ein Museum in nur einem Zimmer

Retro wohin man blickt: Eine Fotoinstallation in der Ausstellung gibt Einblick in das durch die Sammelleidenschaft der Appelts entstandene „Zimmermuseum“. | Foto: G. Münzenberg2020/02/P2060033.jpg

HERSBRUCK (gm) – „Ist der Sammeltrieb die Konsequenz kaum logischer Faszination beim Finden von Dingen, Ideen und Kommentaren zum Leben?“ Diese Frage stellte sich Wilfried Appelt selbst, um herauszufinden, was die Antriebskraft seiner Sammlung von über 1000 Objekten aus dem Bereich Kunst gewesen sein könnte. Ein Teil davon ist derzeit im Hersbrucker Kunstmuseum zu sehen.

Appelt begann 1990 mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Renate mit einem ausgeprägten Sinn für Qualität Bilder und Objekte von Künstlern aus der Region zusammenzutragen und in ihrer Wohnung in Leinburg auszustellen. Diese wurde jedoch bald zu klein, so dass 2003 in den acht Zimmern der Laufer Matthes-Villa, die jetzt Villa am Eck heißt, das Laufer Zimmermuseum entstand. Seit 2014 wird es von einem rührigen Förderverein unterstützt.

Teile dieser umfangreichen Sammlung werden derzeit im Hersbrucker Kunstmuseum beim Spitaltor gezeigt. Mit einführenden Worten eröffnete der Vorsitzende des Fördervereins des Kunstmuseums Hersbruck, Uli Olpp, mit Landrat Armin Kroder eine der ungewöhnlichsten privaten Kunstsammlungen Süddeutschlands. Einige raumbezogene Fotoinstallationen zeigen, in welchem Kontext diese Werke normalerweise stehen. In der andersgearteten Raumsituation, in der sie jetzt ausgestellt werden, bekommen sie völlig neue Bezüge und vermitteln in ihrer Gegenüberstellung neue Erkenntnisse über die Welt und über das Wesen der Kunst.

Aus privatem Besitz

Sie zeigen ein Panorama des Menschen inmitten der Dinge, mit denen er sich umgibt. Neben Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken werden auch Zeugnisse der Kulturgeschichte, zum Beispiel historische Rechenmaschinen, Haushaltsgegenstände und Spielzeug gezeigt. In ihrer Laudatio verglich die Leiterin der Nürnberger Kunstvilla im KunstKulturQuartier, Andrea Dippel, das Appeltsche Zimmermuseum mit den Privatsammlungen der Wallace Collection in London und der Sammlung von Peggy Guggenheim in Venedig. Sie wies darauf hin, dass geschätzte 75 Prozent aller in Kunstmuseen ausgestellten Werke aus Stiftungen, das heißt ursprünglich aus Privatbesitz, stammen.

Auch erinnerte sie daran, dass der Sammeltrieb ein genetisches Erbe aus der Frühzeit der Menschheit ist, zu den Grundkonstanten menschlicher Gesellschaften gehört und eine eigene sinnstiftende Ordnung darin herstellt. „Man muss eine Obacht geben“, der Untertitel der Ausstellung, ist ein sprachlich durchaus eigenwilliges, aber gut gewähltes Zitat von dem früh verstorbenen Philipp Moll, der heuer 50 Jahre alt geworden wäre. Von ihm ist ein Quartettorakel in der Ausstellung zu sehen, in dem es heißt: „…aber oft reicht schon das sehr genaue hin schauen damit man einen Zweifel bekommt.“

Neben einer kleinen Arbeit von Joseph Beuys und dem Computerpionier Konrad Zuse finden sich in der Ausstellung vor allem Werke regionaler Künstler in der Sammlung Appelt, zum Beispiel von Toni Burghart, Horst Antes, Bodo Boden, Peter Angermann, Rainer Zitta und anderen, die einen Bezug zur Nürnberger Akademie der Bildenden Künste haben, die lange Zeit eine Dependance im Laufer Wenzelsschloss unterhielt.

Die Ausstellung, der man viele Besucher wünscht, ist noch bis 26. April bei freiem Eintritt von Mittwoch bis Samstag, 15 bis 18 Uhr, und Sonntags von 14 bis 18 Uhr im Kunstmuseum am Spitaltor zu sehen.

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