Abenteuerreise zum Kilimandscharo

Drei Generationen, zwei Versuche, ein Berg

Stolze Massai mit prächtigem Perlenschmuck. | Foto: Achill Moser2019/12/Altdorf-Moser_Massai.jpg

ALTDORF – Der Journalist Achill Moser hat mit seinem Sohn Aaron den Kilimandscharo bestiegen. Eine Abenteuerreise zu Afrikas weißem Dach, die von der Bedeutung emotionaler Bindungen und der Kostbarkeit der Natur erzählt.

Achill Moser ist ein Getriebener. Zu Fuß und mit Kamelen ist er durch 28 Wüsten der Erde gewandert, war mit dem Faltboot auf dem Nil unterwegs, wurde überfallen, entführt und hat Messerstiche abbekommen. Die Faszination für die Ferne blieb. Erst mit 28 Jahren wird Moser klar, wie tief diese Sehnsucht in ihm verwurzelt ist. Er lernt seinen leiblichen Vater kennen. Bei der Trennung der Eltern ist der Hamburger eineinhalb Jahre alt, die Mutter lässt jeden Kontakt mit dem Vater gerichtlich verbieten.

Reise auf den Spuren des Großvaters

Fast drei Jahrzehnte später hat Harry Karsten den Mut, auf seinen Sohn zuzugehen. Karsten hat einen Lebenstraum: die Besteigung des Kilimandscharo. Nach einer vorsichtigen Annäherung wollen Vater und Sohn diesen Weg gemeinsam gehen, doch Moser verletzt sich vor der Abreise und der Vater bricht alleine auf. Als Karsten stirbt, erbt sein Sohn eine Tonbandkassette, auf der der Vater seine tiefen Gefühle während der Afrika-Reise festgehalten hat.

Jahre später macht sich Moser mit seinem Sohn Aaron auf den Weg nach Afrika, im Gepäck die Erinnerung an den Großvater und dessen Kassette. „Wir wollten in Ostafrika eine Brücke schlagen“, sagt der Stern-Autor. Das Buch „Mein Vater, mein Sohn und der Kilimandscharo“ erzählt ihre Geschichte.

Vater und Sohn im Kulturtreff

Die Vhs Schwarzachtal hat in Kooperation mit der Stadtbücherei Altdorf und der Buchhandlung Lilliput Achill Moser und seinen Sohn Aaron in den Kulturtreff am Baudergraben eingeladen. In einer Multivisionsschau zeigen sie Bilder einer so malerischen wie schutzbedürftigen Natur und berichten von ihren Erlebnissen. Der 28-jährige gelernte Kameramann Aaron Moser liebt „diesen Mann auf der anderen Bühnenseite“, von dem er niemals als „mein Vater“, sondern konsequent als „Papa“ spricht. Der ist einerseits nordisch-zurückhaltend, andererseits als Journalist in der Lage, das, was ihn im Innersten bewegt, in Worte zu fassen. „Sehnsuchtsziele müssen nicht nur erlebt, sondern auch erlitten werden, um sich selbst kennenzulernen“, sagt er ohne Pathos und gewährt damit einen Einblick in seine tiefe Emotionalität.

Respekt vor Natur und Kultur

Die Route auf den Spuren von Harry Karsten führt Vater und Sohn auch zum Ngorongoro Krater, der halb so groß wie der Bodensee ist und die größte Wilddichte auf so kleinem Raum vorweisen kann. Im Ngorongoro und der Seregenti begegnen beiden Zebras, Giraffen, Löwen, Geparden, Elefanten und Büffel. Die Aufnahmen des großen Natronsees nördlich des Ol Doinyo Lengai und Heimat von Millionen Zwergflamingos, ziehen das Publikum in ihren Bann.

Und schließlich nähern Vater und Sohn sich dem Kili, dem höchsten Berg Afrikas und dem höchsten freistehenden Berg der Welt. Begleitet werden sie beim Aufstieg von Massai-Guides, deren ungebrochene Fröhlichkeit Achill Moser gelegentlich anstrengender als das Bewältigen der Strecke empfand. Sein Sohn erklärt, dass man sich keineswegs in Kisuaheli, sondern vorrangig nonverbal miteinander verständigt habe. Das Bild des Respektes der Reisenden vor der Natur wird durch den Respekt vor der anderen Kultur ergänzt.

Die Kraft positiver Gedanken

Konstantes Voranschreiten sieht Achill Moser als „eine Art Meditation“. Angesichts der wilden Naturschönheit Afrikas werde man sich als Mensch der eigenen Winzigkeit bewusst. So wandert er mit seinem Sohn am Fuß des aktiven Vulkans Ol Doinyo Lengai und empfindet die Schluchten der Gol Hills „wie einen gewaltigen Riss in der Erdkruste.“

Kurz vor dem Gipfel dann der Super-GAU: Achill Moser verletzt sich am Fuß, es ist fraglich, ob er den Weg fortsetzen kann. Für ihn ein Déjà-vu und für seinen Sohn die erste Situation, in der er den Vater zögerlich und verunsichert erlebt. Aaron sorgt sich, der Vater bleibt seiner Maxime treu: „Das wird schon.“ Es wird in der Tat, getragen durch positive Gedanken und das unerschütterliche Vertrauen in die eigene Kraft. Die Beziehung zwischen den beiden wird dadurch noch enger. Am Gipfel angekommen, ist es Aaron, der vorschlägt: „Wir sollten hier oben noch einmal Harrys Kassette hören.“

N-Land Susanne Voss
Susanne Voss