Überzeugendes Konzert der vier Musiker aus Burgthann

Dillberg – ein wirklich weites Feld

Perfektes Zusammenspiel mit Texten zum Zuhören (v. l. ): Dominik Hinney, Rolf Scharrer und Johannes Voltz und Oliver Spieß. Foto: Spieß2014/07/dillberg_New_1404219602.jpg

BURGTHANN – Am regnerischen und leider auch viel zu kühlen Sonntagnachmittag stand mit Dillberg ein Vertreter der regionalen Musikszene auf der Bühne bei „Jazz in der Burg“ in Burgthann.

Leider hatte sich die Programmabfolge beim Festival – wie schon oft zuvor – deutlich verzögert und der Konzertbeginn sich dadurch um 45 Minuten verschoben. Doch dafür konnten die vier Musiker nichts und auch dafür nicht, dass während der ersten Hälfte ihres Auftrittes die Frau am Mischpult dafür sorgte, dass Piano, Gitarre und Bass viel zu leise waren, das Schlagzeug, vor allem die Snare-Drum, hingegen bis an die Schmerzgrenze ging. Erst in der zweiten Hälfte war das Soundgefüge auf einer akzeptablen Ebene. Schade, denn damit ging viel von dem unter, was die „Neopopularmusiker“ auf der Bühne boten: Filigrane Technik an den Tasten und Saiten und ein druckvolles und exakt agierendes Rhythmus-Duo.

Virtuose Soli

Die Setliste, die sie aus gegebenem Anlass um einige Stücke reduziert hatten, bestand aus Titeln ihrer verschiedenen CDs, die seit 2007 erschienen sind. Auffallend war die Tatsache, dass deutlich mehr virtuos gespielte Gitarrensoli von Oliver Spieß die Nummern erweiterten, das macht sie angriffslustiger, lebendiger, deutlich wurde dies schon beim zweiten Song „Blaue Stunde“.

Ein weiteres Charakteristikum der Band ist der Satzgesang von Rolf Scharrer und Oliver Spieß: Der „sitzt“ nicht nur, er erweitert die Lieder. Geradezu hymnisch etwa der dreistimmige Schluss von „Das gibt’s nicht mehr“.

Hinneys Texte handeln von Sorgen, Problemen, von Sehnsüchten, aber auch von Verlusten. Dabei sind die menschlichen Gegebenheiten auch manchmal unmenschlich und die Wirklichkeit irreal – ein weites Feld, auf dem er sich bewegt.

Fein und gefühlvoll

Sehr melodiös ist das Zusammenspiel von Piano und Gitarre, so etwa in „Ich muss mal wieder mit mir sprechen“. Nach einem feinen Solo Dominik Hinneys klinkte sich jazzig die Gitarre ein – dieses Mal die akustische – dann zeigte Rolf Scharrer seine Bass-Künste, und das Ganze schiebt mit mächtigem Druck zum Ende.

Wie perfekt sich Hinney und Spieß ergänzen, das war bei „Welten“ besonders beeindruckend zu hören: Das sind die sprichwörtlich „richtigen“ Töne, reduziert auf Wesentliches, nichts ist überflüssig. Absolut rund auch die Nummer „Nach Plan“, da ist eben nichts „nur zum Schein“, wie eine Zeile Hinneys lautet.

Geradlinig rollt der Dillberg-Express dann dem Konzertende zu: „Die Engel fliegen tief“ und „Mit dem Rücken zur Wand“ in bester Deutsch-Rock-Manier werden noch von einer Zugabe abgerundet: „Sie holt nur Zigaretten“, das Lied von der Frau, die nicht mehr zurückkommt. Gut, dass es sie gegeben hat, sonst gäbe es diesen tollen Song nicht.Erich W. Spieß

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