LAUF – Die sympathische Berlinerin Alena Schröder hat ihren aktuellen Roman „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ bei „Sommer in Lauf“ vorgestellt. Es ist der dritte Band von Schröders Familien-Trilogie über mehrere Generationen von Frauen. „Geschichte lässt sich wunderbar aus der Perspektive von Frauen erzählen“, erklärt die Autorin.
Und weil ihr manchmal vorgeworfen werde, die Männer kämen zu kurz in ihren Büchern, hat sie eine kleine Präsentation auf Pappen dabei, die beweist: Dem ist nicht so. Zumindest zahlenmäßig steht die Männerwelt den weiblichen Figuren in (fast) nichts nach.
„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ erzählt zwei Handlungsstränge. Der eine spielt kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Malerin Wilma sich der frisch verwaisten jugendlichen Marlen annimmt. Der zweite nimmt die Mitte 30-jährige Hannah in Berlin im Jahr 2023 in den Blick. Auch sie ist quasi verwaist – Mutter und Großmutter sind tot, ihren Vater kennt sie nicht. Als er nun plötzlich Kontakt mit ihr aufnimmt, gerät ihr Leben in Aufruhr.
Der Roman thematisiert Familie als Konstrukt, stellt Fragen nach Zugehörigkeit und Verbindlichkeiten: Wer schuldet wem was – und warum? Manchmal müsse man sich von komplizierten Familiengeschichten emanzipieren und eigene Wege finden, ist der Tenor. Auch das Ringen um Selbstbestimmung ist ein zentrales Thema, es ist für die Hauptfiguren Marlen und Wilma wie auch für Hannah eine Lebensaufgabe.
Mit einer Leinwand und Humor
Wenn man so will, gibt es eine weitere Hauptfigur – eine heimliche: Eine kleine Leinwand, die immer wieder übermalt wird, hat im Buch eine übertragene Bedeutung und verbindet alle drei Bände der Reihe miteinander. Ihre großen und wichtigen Themen stellt Schröder in ein Setting voller liebenswerter Figuren, die sie sprachlich mit Humor in echte Charaktere verwandelt. Im Kopf der Lesenden entstehen sofort Bilder, man sieht die Handlung wie einen Film förmlich vor sich. Erst recht, wenn Schröder selbst vorliest.
Sie bewies an diesem Abend im Laufer Spitalhof im kurzweiligen Gespräch mit Moderatorin Ina Gombert (Stadtbücherei Lauf), dass sie nicht nur eine begnadete Romanschreiberin, sondern auch eine hervorragende Vorleserin ist.
