Malerei und Grafik in Kirchensittenbach

Auerhahn und Schnecke im Tetzelschloss

Tiermaler Michael Horn vor der Morgennebelstimmung eines seiner Gemälde. Foto: U. Scharrer2012/08/5_2_3_2_20120808_TETZEL.jpg

KIRCHENSITTENBACH – Flora, Fauna und fränkische Ansichten: Im Rahmen des Freiluft-Kinosommers schleust der seit zwei Jahren in Kirchensittenbach lebende Tiermaler Michael Horn aus Neukirchen seine Vögel und tropischen Pflanzen ins Tetzelschloss ein und verblüfft durch stupend gemalte Naturbeobachtungen und überraschende Ideen.

Kinofilme unter freiem, mitunter lauem Sommerhimmel zu sehen, ist die eine Möglichkeit, die sich im Park des Kirchensittenbacher Schlosses momentan bietet. Schlossherr Ortolf Stromer bietet den Besuchern noch ein kulturelles Leckerli der besonderen Art an: Vor dem Pläsier der cineastischen Kunstwerke darf man in die Räume des Schlosses vordringen und dort Malerei und Grafik vom Feinsten genießen.

Landrat Armin Kroder bedankte sich in seiner Begrüßungsrede für diese Öffnung und freute sich an dem unvergleichlichen Ambiente des Patrizierschlösschens. Er verglich Grafiker Michael Horn mit dem i-Phone-Erfinder Steve Jobs. Beiden gehe es in den Projekten, die der Beruf fordere, nicht nur um Funktionalität, sondern immer auch um Schönheit, meinte Kroder und wünschte Horn einen ähnlichen wirtschaftlichen Erfolg wie Jobs.

Bildhauer Uli Olpp aus Algersdorf, der in Vertretung von Bürgermeister Stief die Laudatio übernahm, staunte über Horns unter heutigen Künstlern etwas unzeitgemäßes enormes Wissen und tiefes Interesse für die Beobachtung und Abbildung der Natur, die sich in preziosen Tier- und Pflanzenstudien ebenso wiederfinden lasse wie in den atmosphärischen Landschaften . Michael Horn, selbst mit der Natur „auf Du“, nehme die Betrachter mit hinaus ins Freie. Doch zunächst geht es über die Windungen einer Wendeltreppe, vorbei an einem Aaronsstab und Pflanzenstudien, die jedem Blumenliebhaber das Herz höher schlagen lassen, hinein ins Schloss. Olpps Hinweise auf die vielen bereits im Gebäude verborgenen Tier-und Pflanzendarstellungen schärft den Blick der Ausstellungsbesucher für den wunderbaren Hirschkopf über einer Tür.

Der von Horn mitten in der guten Stube aufgerichtete Stamm mit an Vogelstudien weist mit den sich nach oben reckenden Zweigen auch auf die an der schweren Balkendecke seit Jahrhunderten vorhandenen Muscheln und Schneckenhäuser hin. So wie die Natur sich diesen Raum bereits mehrfach erobert hat, so intensiv können auch die Naturerfahrungen vor den ganz normal gehängten Ölgemälden sein: eine neblige Morgenstimmung aus fränkischen Wäldern fast zum Hineinfallen, ein bis zur letzten Feder genauestens gepinselter Auerhahn, dessen stolze Brust sich umgekehrt fast aus dem Bild zu wölben scheint.

Verlässt Horn die Akkuratesse der Buchillustration, gelingen ihm Impressionen von luzider Schönheit. Der in geheimnisvoll blauem oder herbstlich glühenden Licht fast durchsichtig scheinende Hohenstein oder das in Dürerpose gehaltene Porträt des Schlossherrn Ortolf Stromer bezeugen, dass der Oberpfälzer Michael Horn auch in der Hersbrucker Schweiz zuhause ist und ihre Schönheit meisterhaft abzubilden versteht.

Ute Scharrer

Die Ausstellung ist bis 18. August an den Filmsommertagen geöffnet. Samstags und Sonntags bietet der Künstler von 15 bis 19 Uhr auch Führungen an. Näheres unter www.horn-art.com oder www.tetzelschloss.de

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