Premiere für Andrea Lipka in der Glückserei

Älterwerden – kein Problem … oder doch?

„Jede Zelle meines Körpers ist glücklich“ – mit diesem Motivationslied bringt Andrea Lipka die Besucher in der Laufer Glückserei zum Mittanzen und -singen2014/04/80221_lipkapremiereklimakatastrophegluecksereizuschauer1_New_1396798864.jpg

LAUF — In Würde altern – wie soll das gehen mit Hitzewallungen, Schlaflosigkeit und Depressionen? Beim Premierenabend des Stücks „Meine ganz persönliche Klimakatastrophe“ in der neuen Glückserei am Markplatz in Lauf zeigte Andrea Lipka, wie es gehen könnte. Grund zu Lachen gab es genüugen, aber auch einige nachdenkliche Passagen. Die Besucher im ausverkauften Theater waren begeistert und spendeten jede Menge Applaus.

Wie sagte schon Mae West: „Altern ist nichts für Feiglinge“. Andrea Lipka stellt sich in ihrem gemütlichen Wohnzimmer tapfer dem Problem. Sie schlüpft in verschiedene Rollen und singt sich dazwischen, begleitet von Michael Burzlauer am Keyboard, immer wieder den Frust von der Seele. Natürlich stehen die Probleme der Frau beim Älterwerden im Vordergrund, aber auch die Männer bekommen ihr Fett weg. Pointenreich und scharfsinnig beschreibt sie die Unterschiede von Mann und Frau und so manch einer im Publikum ihren voll aus dem Leben gegriffenen Ausführungen mit zustimmenden Zwischenrufen Recht.

Kabarett mit Herz und Verstand

Nach einer kurzen Begrüßung kommt die Kabarettistin gleich zur Sache. So zeigt sich ihrer Meinung nach das Älterwerden auch an der Änderung von Gewohnheiten: „Früher haben wir den Rotwein aus der Flasche getrunken, heute muss er vorher dekantiert werden“, wobei sie der „Dekanter“ immer an eine Urinflasche erinnere. Lipka erläutert auch, warum sich Frau beim Älterwerden entscheiden muss, als Ziege oder Kuh zu enden – klapperdürr mit ausgemergelten Gesichtszügen oder fröhlich und rund im Sackkleid. Im darauffolgenden Song nach der Melodie von „Pretty Women“ behauptet Lipka: „Älter werden macht doch Spaß“ und sie bereits mitten im Thema Wechseljahre. Sie sitzt in einem Café und bemerkt, dass der „süße“ Kellner förmlich durch sie hindurchschaut, ein Schock, der ihre erste Hitzewallung auslöst.

Danach verschwindet Lipka kurz hinter dem Vorhang und kommt als 1,65 Meter große „Problemzone“ mit geschätzten 100 Kilogramm zurück. Sie philosophiert darüber, dass der Bauch weiter vorsteht als der Busen und möglicherweise die Waschmaschine schuld am Einlaufen ihrer Kleider sei.

Motivation für die Zellen

Aber auch für dieses Problem offeriert sie Lösungen: Als Ärztin verkleidet geht sie das Thema wissenschaftlich an und liefert überraschende Ergebnisse aus der Altersforschung. Jeder Mensch verfügt über circa 14 Billionen Zellen, die sich im Alter nicht mehr so leicht erneuern. Aber auch dafür hat „Frau Dr. Lipka“ ein Rezept: Man müsse die Zellen motivieren. Wie das geht, zeigt sie mit dem „Glückszellenrock“, dessen Text „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich“ vom Publikum mit vollem Körpereinsatz mitgesungen wird.

Eine Pause einzulegen hätte Lipka „wegen des Alterungsprozesses“ fast vergessen. Kleine technische Pannen mit der Elektrik bringen sie und ihr Team nicht aus dem Konzept und als kurz die Scheinwerfer ausfallen, wird einfach das Putzlicht eingeschaltet.

Nach der kurzen Unterbrechung mischen sich besinnliche Töne in Lipkas Vortrag. Sie beklagt die globale Erderwärmung und den rücksichtslosen Umgang der Menschen mit ihrem Planeten, der doch so wunderschön sei. Als pinkfarben gewandetes Blondchen zeigt sie auf, wie oft sich Frauen aus Gefallsucht unters Messer legen und dadurch doch nicht glücklicher werden, um irgendwann zu begreifen: „Ich lass‘ mich wie ich eigentlich bin“ und „ich will mir selbst gefallen und nicht den Anderen“.

Auch die Kult-Putzrau Elfriede gibt in einem kurzen fränkischen Intermezzo ihre Sicht der Dinge zum Besten und geht vor allem mit den Männern hart ins Gericht. Deren Formen rundeten sich mit zunehmenden Alter vor allem unterhalb der Gürtellinie und manche wären mit einem „Sport-BH“ gut beraten, findet die derbe Fränkin.

Lächelnd durch die Welt

Zum versöhnlichen Ausklang ermuntert Lipka alle Zuschauer, freundlich lächelnd durch die Welt zu gehen und entspannt und gelassen älter zu werden. Mit ihrem leidenschaftlich vorgetragenen Bekenntnis: „Ich will alles, und zwar sofort, eh der letzte Traum von mir zu Staub verdorrt“ endet das Programm mit einer gelungenen Mischung aus Kabarett und besinnlichen Passagen.

Nach Ende der Vorstellung bleiben noch viele Besucher sitzen und genießen bei einem kleinen Plausch das gemütliche Ambiente der neuen Glückserei, die eine echte Bereicherung der Laufer Kulturszene darstellt.

N-Land Hans Brinek
Hans Brinek