Niedrige Zinsen

Wie zukunftsfähig ist das Bankenmodell?

Wie werden Sparen und Banken in Zukunft aussehen? Finden Geldgeschäfte nur noch am Handy statt und hat das Sparschwein ausgedient? Auch wenn sich das System „Bank“ verändern wird, es ist für Stabilität und Wohlstand unverzichtbar. | Foto: ©setthaphat - stock.adobe.com2021/09/AdobeStock-422302326.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Digitalisierung, Zinspolitik und staatliche Regulierungen – „das kostet den Banken Milliarden“, wissen die Geldexperten Werner Beck und Horst Seibold. Sei es früher noch möglich gewesen, über Zinsen die Dienstleistungen quer zu finanzieren, müsse der Anleger nun für Kontoführung oder Sparschwein-Leeren blechen. Ist das aktuelle Bankenmodell daher so noch zukunftsfähig?

Zwischen den 70ern und den 90ern seien die Zinsen von 4,5 Prozent auf unter zwei Prozent gesunken. „Doch das macht den Ertrag einer Bank aus“, erklärt Beck. Kredite liefen inzwischen auf zehn Jahr zu 0,4 Prozent. „Wo will ein Geldinstitut da noch verdienen?“ Aus der derzeitigen Null-Zins-Politik ergebe sich für die Finanzunternehmen ein riesiges Problem. Denn auch sie stünden unter einem betriebswirtschaftlichen Druck, fügt Seibold an.

Gerade auch die Corona-Krise habe gewisse Entwicklungen wie das veränderte Nutzungsverhalten der Kunden befeuert. „Es hat sich ein Kampf ums Überleben entwickelt“, hat Seibold den Eindruck. Den werden wohl nur größere Einheiten gewinnen, ist Beck überzeugt: „Privatbanken lösen sich schon jetzt auf oder müssen kämpfen.“ Hierbei würden Manager oftmals ganz getreu der nüchternen Vorgabe „rechnet sich oder nicht“ Entscheidungen treffen, die durchaus kritisch zu sehen sind: Provisionsprodukte würden nicht immer bedarfsgerecht verkauft, sondern nur der Ertrag stehe im Fokus.

Ein Konto kostet

Ein anderer Kritikpunkt Seibolds bezieht sich zum Beispiel auf Filialschließungen aus Kostengründen: „Die ältere Generation verliert dabei, das ist ein soziales Problem.“ Dabei sehen beide die Geldunternehmen als „Pfeiler für unseren Wohlstand“ an, die für eine freie Marktwirtschaft unabdingbar seien: „Banken haben eine Lenkungsfunktion, weil sie Geld dahin fließen lassen, wo es mehr wird.“ Von einer Verstaatlichung der Banken, die viele Menschen nach der Bankenkrise 2008/09 forderten, halten sie nichts.

„Seitdem stehen die Kreditinstitute aber am Pranger“, sagt Beck. Sei der Beruf des Bankkaufmanns vor 30, 40 Jahren noch hoch angesehen gewesen, habe sich das rapide geändert, findet er: „Es fehlt das Vertrauen in die Hausbank, wobei die Jüngeren mit dem Begriff schon nichts mehr anfangen können.“ Die Gründe dafür lägen in Filialschließungen und für Beck sinnvollen Gebührenregulierungen, die vor allem die Deutschen nicht gewohnt waren: „In anderen Ländern ist es normal, für sein Konto zu zahlen.“

Dass man nun auch dafür blechen muss, wenn man sein Sparschwein ausleert, damit müssen sich einige Bankkunden ebenfalls erst anfreunden. „Die Annahme von bis zu 50 Münzen in der Geschäftsstelle ist kostenfrei, ebenso das Einzahlen des Sparschwein-Inhalts von Minderjährigen auf das eigene Konto“, sagt Sparkassen-Sprecherin Sarah Schmoll.

Auge auf jeden Cent

Alles, was darüber hinausgeht, bedeute jedoch einen enormen logistischen Aufwand. Das bestätigt auch Raiffeisenbank-Chef Swen Heckel: „Aufgrund der Regularien der Regierung müssen wir jede Münze auf Echtheit prüfen.“ Er fragt sich, wie Kinder sparen lernen und einen Bezug zu Geld bekommen sollen, wenn dieses immer abstrakter und die Zeit bargeldloser wird.

Solche Maßnahmen hätten sich auf sein Geschäftsfeld als Vermittler positiv ausgewirkt, gibt er zu. Denn auch wenn die persönlichen Ansprechpartner die Stärke der Genossenschaftsbanken sind, so Seibold: „Braucht das die nächste Generation überhaupt noch?“ Mittlerweile ließen sich auch komplexere Anlagen per App steuern und die Entwicklung gehe immer weiter. Beck erlebt aktuell, dass bei Fonds, Baufinanzierung und öffentlichen Förderungen selbst junge Leute eine persönliche Beratung vorziehen. „Aber sie wollen diese unabhängig und an einem Termin.“

Die Menschen hätten keine Zeit, bei zig Banken zwecks Angeboten vorbeizuschauen. „Bei einem Vermittler bekommen sie Konditionen von mehreren Anbietern, aus denen sie wählen können.“ Und hierbei böten die Finanzunternehmen – auch dank Bankenaufsicht und Regulatorien – Sicherheit für Geld und Anleger, sind sich Beck und Seibold einig.

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