Infoveranstaltung in Reichenschwand klärt offene Fragen

Breitbandausbau: Rasant ins Netz

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REICHENSCHWAND – Längst lautet die Frage nicht mehr, ob Breitbandausbau oder nicht, sondern nur noch wie und vor allem wann. Das ist nach Happurg, wo das Glasfasernetz seit Dezember 2012 aktiv ist, nun auch in Reichenschwand der Fall, weshalb dort eine sehr gut besuchte Info-Veranstaltung stattfand. Dabei sind sich viele Bürger noch gar nicht sicher, ob sie das rasante Netz wirklich brauchen, ob sie es auch so schnell in die Leitung bekommen wie versprochen und wie die Technik eigentlich genau funktioniert.

Seit 2012 laufen in der Gemeinde die Bestrebungen, den Breitbandausbau über ein Glasfasernetz voranzutreiben. Denn derzeit verfügen die 1100 Internet-Anschlüsse im Ort über Geschwindigkeiten zwischen 0,7 und 9 Mbit/s – das ist weit weg von den Zahlen aus der Werbung, die viel mehr versprechen. Der Grund liegt in der Erde: Die Kupferkabel – bislang ist die www-Infrastruktur größtenteils kabel- bzw. im mobilen Bereich funkgebunden – verlieren Leistung, je länger sie sind und je weiter sie von den Kabelverteilern (den großen grauen Kästen) weg führen. Und sie sind außerdem mittlerweile zu voll: „Im Neubaugebiet haben zwei Familien kein DSL mehr bekommen“, erklärt Diplom-Ingenieur Martin Leybold.

Laut Leybold sind aber auch Funk und Kabelfernsehen keine Lösung für die Zukunft: Ersteres ist „für mobile Anwendungen super“ und bei der TV-Variante ist mit einer Überbuchung vor allem abends zu rechnen, denn hier ist nur eine Datenrate von maximal 2,4 Gigabit/s möglich. Fernsehen und surfen gleichzeitig schafft das Kabel irgendwann nicht mehr. Da auch die Gemeinde dies weiß, hat sie sich auf Breitband fokussiert. Einstimmig hat der Gemeinderat beschlossen, 500.000 Euro im diesjährigen Haushalt für diese Maßnahme (sprich für das Verlegen von ortseigenen Leerrohren) bereit zu halten. „Daran sieht man, wie wichtig es uns ist, dass Firmen, Gewerbe und alle Ortsteile damit bedient werden“, meint zweiter Bürgermeister Manfred Schmidt.

Dass Unternehmen mit großen Datenmengen jonglieren, leuchtet ein, aber der Otto-Normal-User? Auch der braucht s, findet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Leistungsfähige Breitbandnetze seien nicht nur ein wesentlicher Standortfaktor, sie würden auch die Lebensqualität und den Immobilienwert steigern. Stichwörter sind hier Online-Banking, datenintensive Cloud-, Backup- oder Kommunikationslösungen, hochauflösendes Fernsehen, Home Office, telemedizinische Dienste und Zeitersparnis beim Verschicken großvolumiger Dateien wie eigener Videos, hoch aufgelöster Fotos, Musikdateien, Festplatten-Backups und Ähnliches. „Die Leistung hat sich spürbar verbessert. Download und Upload laufen richtig schnell und problemlos“, sagt denn auch Happurgs Bürgermeister Helmut Brückner.

Das Thema Fernsehen liefert eine der vielen kritischen Nachfragen der Reichenschwander: Wie viel Mbit/s man denn brauche zum ruckelfreien TV-Genuss? „Ab 18 geht das, besser sind aber 50 und wir gehen davon aus, dass das der Standardanschluss für den Ort wird“, antwortet Thomas Ströbel von „bisping & bisping“, dem von der Gemeinde ausgewählten Netzbetreiber aus Lauf. Und die Geschwindigkeiten sorgen gleich für den nächsten Gesprächsstoff. Zu unterschiedlichen Preisen bieten die Laufer nur Internet oder Netz mit Telefon für 18, 50 oder 100 Mbit/s an – was also nehmen?

Welches Tempo reicht für einen normalen Haushalt? Experten sagen, dass ein Anschluss mit mehr als 16 Mbit/s sinnvoll ist für Wohngemeinschaften oder Großfamilien. Drei bis vier Mbit pro Sekunde und Nutzer reichen dagegen fürs Anschauen von HD-Videos, Herunterladen von Dateien und Surfen aus.

Und wie viel Geschwindigkeit kommt im PC letztlich an? Die Netzbetreiber gehen davon aus, dass mindestens 25 Mbit/s bis zum Ortsrand vordringen, was genau zwischen den Angebots-Paketen liegt. Das Problem: „Wir wissen nicht, was in der Erde liegt“, sagt Ströbel. Messen lässt sich die Leitung erst, wenn sie angeschlossen ist. Daher rät er, erst die geringere Variante zu wählen. Den Vertrag ändern, könne man immer.

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Denn funktionieren soll das Reichenschwander Breitbandnetz wie folgt: Angeschlossen wird die örtliche Versorgung am Knotenpunkt in Altensittenbach (Gashaus) an das „Glasfaserbackbone“ (Hauptnetz), das bisping & bisping gehört. „Dadurch lassen die Geschwindigkeiten abends nicht nach“, erläutert Ströbel. Dann soll der Weg am Radweg entlang, über Ziegelei, Schneewinkel, Blumenstraße, Oberndorfer Straße, B14 und Radweg an der Allee bis in die Kirchstraße führen sowie über den Bahnhof Richtung Rosenstraße und über den Neubauhügel querfeldein über die Dorfstraße nach Leuzenberg. Nicht überall muss neu aufgerissen werden. Bei aktuellen Baumaßnahmen wurden bereits Leerrohre verlegt, d.h. das System gehört der Gemeinde. Sie vermietet es an bisping & bisping, während die Telekom beispielsweise ein Leerrohr im Neubaugebiet nicht hergibt. „Unser Netz ist dann auch offen für andere Anbieter, deren Prozesse aber noch kein Breitband möglich machen“, so Ströbel. Bei künftigen Straßensanierungen sollen Rohre fürs Glasfaser verlegt werden. Es muss Schritt für Schritt geschehen und mit den Bürgern. Der Gesamtausbau würde der Kommune sechs Millionen Euro kosten, „das kann sich das Dorf nicht leisten“, weiß Leybold.

Da nicht jede Straße mit Glasfaser ausgestattet wird, bedeutet das, dass die Laufer Netzbetreiber einige Kupfer-Strecken und die so genannte „letzte Meile“, also den Kupfer-Anschluss ins Haus, an dem bis 50 Mbit/s nichts geändert werden muss, bei der Telekom mieten. „Das ist in Ihrer Grundgebühr dann schon drin“, sagt Ströbel. Kupfer bedeutet aber Geschwindigkeitsverlust. Wer das nicht will und an einer Glasfaserleitung wohnt, kann sich auch direkt an dieser andocken (siehe Kasten) oder muss es gar tun, wie einige Leuzenberger, die aufgrund einer Sondersituation sonst unterversorgt wären. In Happurg haben sich in den kleineren Ortschaften (wo kein Kabelverteiler der Telekom ist) einige Haushalte dafür entschieden und dadurch eine noch bessere Leistung erhalten, so Brückner.

Geht es nach Gemeinde und bisping & bisping soll das rasante Internet im Herbst 2014 fließen. Das geht aber nur, wenn rasch 130 Haushalte Bedarf anmelden und bei Umsetzung der Maßnahme dann auch zum Laufer Netzbetreiber wechseln. „Die waren übrigens die einzigen, bei denen das mit nur 15 Prozent der Haushalte möglich ist“, ergänzt Bürgermeister Bruno Schmidt, „erst wenn das erreicht ist, wird die Baumaßnahme ausgeschrieben“. Entsprechend werben die Laufer um ihre Neukunden, da gilt der Weihnachtsrabatt auch noch im Januar. „Und wenn nicht genügend mitmachen?“ Dann würde es eben länger dauern mit dem Rasen beim Surfen.

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