Altdorf/Dachstein – Eine anspruchsvolle Route, fünf gut vorbereitete Teilnehmer und eine Wettervorhersage, die nichts Gutes verhieß: Wegen der angekündigten Gewitter stand die Dachsteintour des DAV Altdorf zunächst auf der Kippe. Erst nach gründlicher Abwägung und günstigeren Prognosen fiel die Entscheidung, zu fahren.
In Ramsau angekommen, machte sich die Gruppe auf den Weg zur Südwandhütte – der Aufstieg diente zugleich der Akklimatisation. Von der Terrasse der Hütte konnten sie bereits ihr Ziel erkennen: Über die Klettersteige Anna und Johann sollte es am Folgetag hinauf zur Seethalerhütte gehen. Am Freitag verlangten die D-Passagen des Anna-Klettersteigs Konzentration und Kraft ab, die berüchtigte E-Stelle am Einstieg des Johann-Klettersteigs aber meisterte die Gruppe sicher.
Danach folgten lange, steile Kletterpassagen mit eindrucksvollen Tiefblicken und einem weiten Panorama über die Dachsteinregion.
Von jungem Hüttenteam empfangen
Nach vielen Metern in der steilen Felswand erreichten sie den Ausstieg bei der Seethalerhütte, wo sie das junge Hüttenteam erwartete. Der Rückgang des Gletschers, zunehmender Wassermangel und die aufwendige Versorgung per Hubschrauber stellen das Team täglich vor große Herausforderungen.
Nach einer Pause machte sich die Gruppe an die Besteigung des Hohen Dachsteins. Über den Gletscher ging es bis zur Randkluft, nach deren Überquerung ging es in den Gipfelklettersteig, ehe die Altdorfer den Gipfel des Hohen Dachsteins erreichten.
Dunkle Wolken ziehen auf
Für eine ausgedehnte Gipfelrast blieb allerdings keine Zeit: Aus der Ferne zogen dunkle Wolken auf, die Gruppe begann umgehend mit dem Abstieg. Sicher an der Seethalerhütte angekommen, verschwand der Dachstein vollständig im Nebel. Der Berg hatte gezeigt, wie schnell sich die Bedingungen im Hochgebirge verändern können. Auch die Temperaturschwankungen während der Tour waren enorm und reichten hochsommerlicher Wärme bis zu Temperaturen um den Gefrierpunkt, begleitet von Graupelschauern.
Am nächsten Morgen führte der Weg über den Hunerkogel weiter. Die Wettervorhersage blieb wechselhaft, Fels und Sicherungen waren teilweise nass. Eingestiegen über den Koppenkarstein-Westgrat, entschieden sich die Alpinisten bei einsetzendem Regen für die Fortsetzung durch den Rosmariestollen. Anschließend ging es weiter in Richtung Guttenberghaus. Mit Kaiserschmarrn, Kaffee und einer Kaspressknödelsuppe wurden die verbrauchten Energiereserven wieder aufgefüllt.
Am letzten Tag wurde die Gruppe mit sonnigem Bergwetter belohnt. Der Abstieg entwickelte sich dabei zu einem landschaftlichen Höhepunkt: Über den Höhenweg eröffneten sich weite Blicke auf die Karstlandschaft des Dachsteinmassivs.
Vorbei am Silberkarsee ging es durch die Silberkarklamm. Zwischen steilen Felswänden, wildem Wasser und kleinen Klettersteigpassagen ließen die Altdorfer die Tour bei besten Bedingungen ausklingen.
„Gletscherrückgang dramatisch“
Zu dem Wissen, alle Herausforderungen sicher gemeistert zu haben und gut vorbereitet gewesen zu sein, mischte sich bei der Gruppe aber auch Nachdenklichkeit. „Der dramatische Rückgang des Dachsteingletschers ist unübersehbar. Gleichzeitig begegneten wir einer jungen Generation von Hüttenwirten, die mit Mut, Begeisterung und zeitgemäßen Ideen Verantwortung übernimmt. Die Berge und die Bedingungen verändern sich. Umso wertvoller sind die Tage, die wir dort gemeinsam erleben dürfen – mit Respekt vor der Natur und dem Bewusstsein, dass all dies nicht selbstverständlich ist“, lautete das Fazit von Touren-Organisatorin Michaela Vollhardt.
